Klingende Kunst: Gemeinschafts-Ausstellung Musica dell Arte

Münster-Wolbeck. Pinsel- und Saitenstrich, Farbtupfer und Triole – so mancher Bezug von Musik und gemalter Kunst ist bekannt. Doch für die Vernissage von „Musica dell Arte“ hatte Dr. Jörg Bockow noch andere ausgegraben. Nicht irgendwelche, sondern solche, die tatsächlich dort in der Galerie Rudi Fred Linke seit diesem Samstag zu sehen sind. Zugegeben, die Komposition der Gemeinschafts-Ausstellung half dem Redner.

Der münsterische Maler Manfred Edwin Mellmann bannt sinfonische Kompositionen auf Papier: Mahlers Klang-Detonationen, Werke von Brahms bis Wagner. Auch der Ort der Aufführungen und der jeweilige Dirigent spielen in die Gemälde hinein. Bockow dazu: „Die Partitur wird zum Tanz der geschwungenen Linien.“ Wobei Mellmann beidhändig malt und spiegelverkehrt schreibt. Der verführerische Klang der Sirenen bringt den Menschen Odysseus dazu, sich selbst in Fesseln zu legen – das ist Thema des eindrucksvollsten der neuen Werke Alexander G. Zakharov. Filigran sind Mellmanns stark zeichnerische Werke, nicht nur im Vergleich zu Zakharovs in die Fläche gehenden Farben.

Zum Dechiffrieren laden auch Jacques Van den Abeeles zwei Musiker ein, eigens aus Brüssel herangeschaft: Die Bronze-Plastiken sind aufgebrochen in Fragmente, durchlöchert Flügel und Kopf, Saxophon und Körper. Eine besondere Art der Einheit des spielenden Musikers. Ohne Musik kein Ballett: Ballerinas sind Hauptmotiv der Ölgemälde von Zhuk, einem Landsmann Zakharovs, der in Münster wohnt. Wer in seiner "Ballettstunde" etwas Bizarres entdeckt, der liegt bei dem humorvollen Künstler richtig. Romantisch und verklärend, detailgenau versucht sich Zhuk daran, Schönheit auf impressionistische sichtbar zu machen. In Bremen hat der Galerist Unerwartetes eingekauft: Zeichnungen John Lennons, 1970 am zweiten Tag der Ausstellung von Scotland Yard konfisziert. Nicht nur ohne Musiker, sondern zersägt empfängt eine blaue Violine die Besucher: Armand Pierre Fernandez (alias Arman) schuf sie. Die Vernissage war bestens besucht.
So viele enge Querverbindungen zwischen Werken so vieler verschiedener Künstler über drei Ausstellungs-Etagen entdecken zu können ist selten. Ist es Absicht? Linke schmunzelt und will es nicht gestehen.
Zur Vernissage erklang (statt Mahler) auch Mozart – "Von Beatles bis Mozart" ist das Motto des Konzerts, das am 21.3. das Nordwesteutsche Kammerensemble in die Galerie führt.

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