Neue Orgel von St. Clemens zeigt Möglichkeiten solo und mit Chor

Münster-Hiltrup. Die gute Absicht der breiten Aufstellung der Orgel über die ganze Empore war eine optimale Ausstrahlung des Klangs. Und die mechanische Traktur sollte nun, nach 17 Monaten Bauzeit, eine angenehme und leichte Spielart erlauben, so hatte es der Organist von St. Clemens, Henk Plas, angekündigt. Ein Einschnitt wurde erhofft.

Neue Optionen des Ausdrucks

Umsonst suchte am Sonntag das Ohr nach Unrein- und Ungereimtheiten, die das Aufführen anspruchsvoller Stücke bislang nicht verhindert, aber doch den Genuss beeinträchtigt hatten. Rein und ohne Beiklänge bieten sich die langen Töne, klar und ohne Ausfälle die Läufe etwa in Hakims Bach’orama (mit präzisem Echo), oder – welch ein Genuss und Versprechen von mehr – Boëllmanns Suite gotique. Mit dem Schwellwerk schuf Ulrich Grimpe, Diözesan-Musikreferent und Orgelsachverständiger des Bistums Münster, die Illusion, es spiele eine zweite, in weiter Ferne stehende Orgel.

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Reich an Klangfarben

Reich an Klangfarben ist sie auch, Grimpe nutzte es in Bachs Präludium Es-Dur. So lässt sich auf der Seifert-Orgel Wesentliches der Orgelliteratur nun ohne Bedenken aufführen, von Bach bis zu den französischen Romantikern hinein in die zeitgenössische Moderne. Daran hindert auch nicht die mechanischen Registe. Sie lassen sich, das zeigte Grimpe, behände bedienen, und erlauben dem Organisten vollständige Kontrolle.

Harmonie mit Chor

Feinheit auch bei leisen Tönen braucht eine Orgel, will man sie mit der menschlichen Stimme vereinen. Die neue Orgel kann ihren Part in diesem Dialog übernehmen; vortrefflich harmonierte im Magnificat der von Henk Plas geleitete 18-köpfige Projektchor mit ihr. Mit der alten Orgel hatte Plas mit Grund auf diese Kombination verzichtet. Auch mit der Festgemeinde vermochte die Orgel zu harmonieren, ihre Kraft reicht auch zu überhöhenden Verzierungen im Schlusslied. „Miteinander und füreinander“, wie Pater Joachim Jenkner bei der Orgelweihe sagte, können die Töne erklingen, Ausdruck der „Einheit der Kirche in Vielfalt“.

Orgel-Festwochen in St. Clemens

Wie die Orgel mit weiteren Chören und  auch mit Streichern zusammenklingt, darauf dürfen Münsters Orgelfreunde im Januar bei den Orgelfestwochen in der Pfarrkirche St. Clemens gespannt sein. Und mit Widors Orgelsinfonie kommt auch wieder die Literatur jener Zeit zu Gehör, für die speziell sie ausgelegt ist, die französisch-romantische Symphonie.

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