Solo für Lili Fischer: Ausstellung in Münster

Münster (SMS) 13 Jahre liegt die erste gemeinsame Arbeit zwischen dem Stadtmuseum und Lili Fischer (Kunstakademie Münster)  zurück. Die Installation "Scheusale & Co" ihrer Klasse reagierte damals auf die historische Ausstellung zum Königreich der Täufer.  Es folgte fünf Jahre später "Aus erster Hand", eine gemeinsame Arbeit der Zeichnerin, Perfomance-Künstlerin und Fotografin mit  Georg Jappe (1936-2007). Anlässlich ihres Ausscheidens aus dem Hochschuldienst (seit 1994 Lehrstuhl für Feldforschung und Performance), ist die neuerliche Kooperation mit dem Museum ein Solo für Lili Fischer – ein fokussierter Blick auf 65 Jahre einer vielseitigen und ungewöhnlichen Schaffenskraft.
Der größte Ausstellungsraum des Museums spiegelt Ausschnitte aus ihrem umfangreichen Werk, nach Lebensabschnitten unterteilt.  Dort füllen Werkgruppen wie Schnaken, Falter und raumgreifende Zeichnungen elf Vitrinen, stattliche zwei Meter breit und nahezu drei Meter hoch. Reagierend auf die Dokumentation des Stadtbildes Münster, wie sie im Stadtmuseum präsentiert wird, erfindet die Hamburgerin ihre eigene Straße als künstlerischen Lebensweg: den "Lili Fischer-Weg 1-65".

"Gepäck spielt in der Kunst Lili Fischers eine wichtige Rolle", erinnert Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé an Arbeiten wie das "Duftgepäck",  an "Zubehör für Daheim" als Kofferkollektion oder die "Taschenstraße" der "Milchmädchenrechnung". Nur konsequent eröffnet die Ausstellung dem Betrachter eine Wanderung entlang einzelner Schaffensphasen: Der Lebensweg Lili Fischers wird als  Wegstrecke inszeniert, auf der sich „Gepäckstücke“ ihrer Lebens- und Schaffensphasen aus 65 Jahren schlängeln.

Filme, Regiebücher, Zeichnungen

Die Idee, den Lili Fischer-Weg auch optisch auf den Boden zu bringen, eröffnete eine zusätzliche Möglichkeit den Raum zu nutzen. Auf Wandflächen sind Regiebücher ausgestellt. Filmbeispiele im benachbarten Kinoraum bringen die Performancekünstlerin näher. Frühe, meist wenig bekannte Zeichnungen runden diese erste Retrospektive ab.

Fischer, 1947 in Priwall bei Travemünde geboren, studierte bei Franz Erhard Walther an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. In den 1970er Jahren führte sie den Begriff der Feldforschung in die Kunst ein: ein akribisches, oft über Jahre dauerndes Sammeln, Ordnen und Präsentieren ihrer ausgewählten Bereiche wie Haushalt, Heilpflanzen und Insekten; ein Prozess des ständigen Hinterfragens gewohnter Handlungen auch im Umgang mit der Natur und gesellschaftskritische Aspekte mit einbeziehend. Die Teilnehmerin der documenta 8 und Trägerin des Deutschen Kunstkritikerpreises lehrt an verschiedenen Hochschulen, bis zu ihrem Ausscheiden in diesem Jahr auch nahezu  20 Jahre in Münster.

Barbara Rommé: "Lili Fischers vielseitiger Ideenreichtum macht neugierig auf das, was noch kommen wird. Wir dürfen gespannt sein, in welcher Weise sie uns in Zukunft weiterhin überraschen und verzaubern wird."

Der Katalog – eine Werkschau

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches von Lili Fischer gestaltetes Künstlerbuch. Mit zahlreichen Fotografien und Dokumenten teilt sie darin selbst ihren Lebensweg in unterschiedliche Lebensphasen ein und zeichnet persönliche Schaffensphasen nach. Damit stellt sie erstmals ihr gesamtes Schaffen in einer Werkübersicht vor.

Info: Die Ausstellung „Lili Fischer Weg 1-65“ vom 17. April bis 8. September im Stadtmuseum Münster, Salzstraße 28. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger, umfangreicher Katalog im Verlag Kettler  (176 Seiten, 270 Abbildungen, 34 Euro). Am 18. Mai lädt das Stadtmuseum um 16 Uhr zu einer Performance mit Lili Fischer ein.

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