Orchestral arrangierte Cello-Suiten von Bach aufgeführt Seltenes Hör-Ereignis zieht viele Gäste nach St. Nikolaus Wolbeck

Interpreten eines seltenen Experiments: Carlos Ferrer (mit Cello), Pauline Stephan (v.l.), Karl Philipp Figueroa, Isaac Andrade, Lydia Schlegel und Julia Wasmund. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Wolbeck (agh). Sämtliche sechs Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach an einem Stück gespielt – das ist ein ungewöhnliches, seltenes Klang-Experiment. Zu erleben war es am Sonntagnachmittag in der Wolbecker Kirche St. Nikolaus. Als Interpreten je einer der Solo-Suiten traten sechs Studierende der Violoncello-Klasse von Professor Matias de Oliveira Pinto von der Musikhochschule Münster auf: Carlos Ferrer, Pauline Stephan, Karl Philipp Figueroa, Isaac Andrade, Lydia Schlegel und Julia Wasmund.
Ein „verrücktes Experiment“, sagte Privatdozent Dr. Eberhard Hüppe, der die Moderation übernommen hatte, gegenüber den WN. Er und de Oliveira Pinto hatten die Akustik vorab getestet und für gut befunden.
„Manchmal musiziert ja auch der Raum mit“, sagt Hüppe. „Die Akustik ist ja klasse“. Der Kirchenraum von St. Nikolaus bevorzuge tiefe Frequenzen, das komme dem Cello entgegen. Ein gewisser Hall verstärke den gewünschten Effekt, dass das Solo-Instrument wie ein Orchester wirkt. Schon zu Bachs Zeiten seien die Suiten in Kirchen gespielt worden.
Die Studierenden spielten je zwei der Solo-Suiten, dann gab es eine Pause mit Stärkung im Raum des ÖWK gegenüber der Kirche. So erstreckte sich das Konzert über vier Stunden. Den drei Teilen des Konzerts folgten zunächst 120, dann 90, dann immer noch beachtliche 70 Zuhörer. Aus Münster war für das „Event“ zwischen zwei Dienst-Verpflichtungen Domorganist Thomas Schmitz gekommen. Hüppe selbst sagte, er habe die Suiten „zum ersten Mal in dieser Ballung“ gehört.
Zur Zeit der Entstehung der Suiten, die Bach 1720 abschloss, war eigentlich die Gambe das Instrument der Wahl. Aber Bach war modern und griff die aus Italien kommenden Möglichkeiten des Violoncellos auf. Jede der Suiten hat eine ganz eigene Charakteristik, so Hüppe. So ist die Suite III C-Dur „mit Moll-Eintrübungen durchsetzt“ und bietet ein Aufbäumen, ein Appassionato. Die Suite IV Es-Dur baut auf Arpeggien einen roten Faden auf und schafft ein „harmonisches Labyrinth“, das zu entlegenen Tonarten führt. Die Suite ist so arrangiert, so Hüppe, dass das Stück mehrstimmig wirkt.
Die Suiten seien eine große Herausforderung für jeden Musiker, so de Oliveira Pinto. Und es liege ihm daran, dass die Studierenden die Erfahrung eines Konzerts in einem so andersartigen Raum machten, außerhalb der Räume der Musikhochschule.
Musiker der Musikhochschule waren, auch dank des in Wolbeck ansässigen Hüppe, schon mehrfach in Wolbeck. So spielte der Gitarrist Reinbert Evers in St. Nikolaus und bei einem Konzert des Vereins KulturVorOrt Wolbeck trat in diesem Jahr eine Posaunenklasse auf. Auch 2016 werde etwas aus Münster in Wolbeck zu hören sein.

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Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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