Gang zurück in das Amt Wolbeck Heimatverein Wolbeck ermöglicht Nacherleben im ehemaligen Amtsgebäude von 1923

Gang zurück in das Amt Wolbeck Heimatverein Wolbeck ermöglicht Nacherleben im ehemaligen Amtsgebäude von 1923
Blick vom zweiten Stock des Amtsgebäudes von 1923 auf Wolbeck und den Tiergarten. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Zuletzt aktualisiert 21. April 2016 (zuerst 17. April 2016).

Münster-Wolbeck. Es war die letzte Führung im 1923 ehemaligen Wolbecker Amtsgebäude – vermutlich auch die erste, sagt Alfons Gernholt am Sonntag. 1956 hatte der pensionierte Diplomverwaltungswirt hier seine Ausbildung begonnen, als Wolbeck noch selbständig war. So konnte er viele Namen lebendig werden lassen, sagen, wo die Kasse untergebracht war („alles in bar, deswegen auch der große Panzerschrank“), wo das Bauamt. Ein Schwerpunkt war die Baugeschichte, die  „komplizierte und nicht ganz durchsichtige“ Finanzierung, der Streit besonders mit den Alberslohern um angebliche Unregelmäßigkeiten des Amtmannes Böckers – jenem „Schlitzohr“, dem Wolbeck die erfolgreiche Finanzierung eines ansehnlichen Gebäudes mitten in der Hyperinflation nach dem I. Weltkrieg verdankt. Es sei eine Art „Wahrzeichen Wolbecks“.

„Es sind ganz viele hier, die eine persönliche Beziehung zu diesem Gebäude haben“, sagt Brigitte Heßling  vor dem Start der Führung; fast 40 Interessierte sind gekommen. Einige haben dort gearbeitet, wie Elfriede Plenter an der Kasse, andere geheiratet, wie Heidemarie und Bernhard Karrengarn im Trauzimmer im 1. Stock. Auch das Ehepaar Hillebrand ist dabei, das im obersten Geschoss wohnte: Er war 35 Jahre lang der Hausmeister, gut erinnert sich seine Frau an das Knacken arbeitenden Holzes und die im Windzug schlagenden Pendeltüren im außerhalb der Amtsstunden verlassenen Gebäude.

Bald entstehen in den alten, hohen Amtsstuben Wohnungen. Recht kahl sind die Wände, einige Markierungen zeugen von den Umbauplänen, da und dort schaut der Bruchstein aus der Wand. Dann finden einige Besucher Begeisterndes: Eine große Flasche „Füllhaltertinte brillant rot“ an der Seite eines verwaisten Stempelhalter; im gleichen Schrank steht eine Batterie Biergläser bereit. Im Keller sind die Räume fast leer – und trocken. Einige der Besuche loben die Substanz des fast ein Jahrhundert alten Baus.

Das meiste im Amtsgebäude ist schlicht und sachlich. Markant empfängt den Besucher hinter den Schwingtüren der Bogen und Stuck im Erdgeschoss – der werde erhalten bleiben, sagt Gernholt, der stehe unter Denkmalschutz. Im zweiten Stock prägt den sonst weißen Flur eine Holzverkleidung, eine kleine Garderobe an einem Ende. Aus einem Raum fällt der Blick vom Balkon auf den Tiergarten – hier soll auch künftig der Hippenmajor seine Narren grüßen dürfen, so soll es der Oberbürgermeister festgelegt haben. Gernholt dankte dem neuen Besitzer des Gebäudes, Alfons Natrup, der Gernholt zu tieferen Recherchen angeregt hatte – und dazu, doch einmal eine solche Führung im Rahmen des Heimatvereins anzubieten.

Alfons Gernholt im Amtgebäude vor einer Stelle, an der der Bruchstein freigelegt ist.
Alfons Gernholt im Amtgebäude vor einer Stelle, an der der Bruchstein freigelegt ist.

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