Münster: Rat stellt Weichen für Stadthaus-Sanierung und Bürgerservice-Zentrum

Zuletzt aktualisiert 28. September 2016 (zuerst 19. April 2016).

Münster (SMS) Der Rat wird voraussichtlich am 11. Mai die Weichen für die Grundsanierung des Stadthauses 1 stellen und entscheiden, welches Servicezentrum dort künftig für die Bürgerinnen und Bürger vorgehalten werden soll. Mit einer Beratungs- und Beschlussvorlage legt die Verwaltung auch das Ergebnis von Prüfaufträgen vor, die der Rat im September 2015 erteilt hat. „Die Vorlage enthält ein schlüssiges Konzept zur Sanierung des Hauses und zur zukunftsfesten Umrüstung für mehr Bürgerservice“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe.

Der Verwaltungsvorstand habe die Vorlage mehrfach intensiv beraten, sagte OB Lewe. „Sie zeigt unterschiedliche Optionen und Module auf und nennt die Kosten. Damit liegt für die fundierte politische Beratung und differenzierte Beschlussfassung alles auf dem Tisch. Gleich welcher der vorgeschlagenen Varianten der Rat den Vorzug gibt, ist der Beschluss problemlos umsetzbar.“

Größter Posten: Innensanierung Stadthaus Münster

Wichtigster Punkt ist die Innensanierung des Stadthauses. Die komplette Infrastruktur mit Elektro- und Datenleitungen, Wasserver- und -entsorgung und Heizung muss dringend ersetzt werden. „Nach mehr als einem halben Jahrhundert Nutzung bedarf die gesamte Bausubstanz der umfassenden Innensanierung, auch zur Sicherstellung des Brandschutzes“, betont der für Immobilien zuständige Stadtrat Matthias Peck. Dafür sind 30,96 Mio Euro im Haushalt eingeplant. Nach aktueller Schätzung des beauftragten Architekturbüros betragen die Sanierungskosten 33,71 Mio Euro, einschließlich eines Anteils von fünf Prozent für „Unvorhergesehenes“.

Auf Beschluss des Rates hat die Verwaltung folgende zusätzlichen Punkte geprüft: denkbare Varianten eines Bürgerservicezentrums; Öffnung der Kantine für einen privatwirtschaftlichen Betrieb, einschließlich „Sky-Lounge“ auf dem Dach; Integration des Münster-Modells; Verbesserung der digitalen Infrastruktur; Aufrechterhaltung eines Grundbetriebs in Krisen mit Stromausfall; Aufwertung des kleinen Innenhofs beim Stadthausturm.

Kantine: Rundumblick, aber keine teure Sky-Lounge

Aus den Prüfverfahren leiten sich Vorschläge ab, die die Sanierungskosten um knapp 2 Mio auf 35,4 Mio Euro erhöhen. Gewichtigster Einzelpunkt ist mit etwa 1 Mio Euro die Kantine: im 10. OG soll eine Küche eingerichtet werden, im 11. und 12. OG soll mehr Platz für gastronomische Nutzung entstehen – einschließlich attraktivem Rundumblick über die gesamte Stadt. „Von einer Sky-Lounge rät die Verwaltung ab, sie würde mit weiteren 2,1 Mio Euro zu Buche schlagen“, so Stadtrat Wolfgang Heuer, der für Bürgerservice, Personal und Organisation zuständig ist.

Der zweithöchste zusätzliche Betrag (0,6 Mio Euro) ergibt sich indirekt aus den Prüfungen. Die Verwaltung schlägt vor, im Stadthaus normierte Büros zu schaffen und so zu möblieren, dass Umzüge künftig ohne Möbelumzüge erfolgen können. Dieser Zusatzaufwand hilft auf Dauer erhebliche Kosten sparen, denn er bedeutet: weniger Bürofläche pro Arbeitsplatz, weniger Möbelverschleiß, weniger Zeit- und Kostenaufwand bei Umzügen.

Das Bürgerservicezentrum soll mehr städtische Dienstleistungen für die Bürgerschaft an zentraler Stelle bündeln. Dafür wird im Stadthaus 1 auf Erdgeschoss-Niveau Raum benötigt. Vorgabe des Rates ist, dass der Stadthaus-Innenhof nicht vollständig überbaut wird.

Teilüberbauung des Innenhofs für mehr Bürgerservice?

Auf dieser Grundlage habe das Architekturbüro vier Varianten geprüft, sagte Stadtrat Wolfgang Heuer. Eine Variante sieht vor, die breite Treppe vom Foyer ins 1. OG zu entfernen, um im Erdgeschoss weiteren Platz zu gewinnen. Eine zweite Variante greift auf zurzeit vermietete Ladenflächen im Erdgeschoss an der Heinrich-Brüning-Straße zurück. Anders zwei weitere alternative Varianten: Sie beinhalten eine Teil-Überbauung des „grünen“ Innenhofs mit einem zweigeschossigen Glaskubus. Der Kubus läge an zentraler Stelle, er wäre zugänglich von der Klemensstraße, von der Heinrich-Brüning-Straße und vom Platz des Westfälischen Friedens. Diese zentrale Anlaufstelle kann die Erstberatung und Auskunft des Bürgerservicezentrums aufnehmen, außerdem in einem eigenen Bereich die Münster-Information.

Eine solche Teil-Überbauung bietet außerdem weitere Vorteile: Im Untergeschoss kann das Münster-Modell in einer abgetrennten Teilfläche der bisherigen Tiefgarage so untergebracht werden, dass es für Stadthaus-Besucher sichtbar und zugänglich ist. Die Münster-Information könnte unabhängig von der Stadthaus-Öffnungszeit etwa an Wochenenden für Touristen öffnen; dafür stünde der neue, in Richtung Rathaus und Prinzipalmarkt gelegene Eingang zur Verfügung. Auch der Denkmalschutz kann mit einer solchen Lösung gut leben, da – anders als beim Abbruch der breiten Treppe im Foyer – die Substanz des Stadthauses weitgehend erhalten bleibt.

Die zusätzlichen Kosten für die vier Varianten des Bürgerservice-Zentrums betragen zwischen 1,83 Mio und 5,33 Mio Euro. Die von der Verwaltung für die engste Wahl vorgeschlagenen Varianten kosten zwischen 1,8 und 4,2 Mio Euro. Unter dem Strich hätte die Stadt also insgesamt zwischen 37,4 und 39,8 Mio Euro aufzuwenden, um das Stadthaus 1 komplett zu sanieren, den Kantinenbereich neu zu nutzen, das Münster-Modell dauerhaft öffentlich zu präsentieren und vor allem auch ein modernes Bürgerservicezentrum vorzuhalten.

Die Verwaltung bittet den Rat, am 11. Mai 2016 über die weitere Planung zu beschließen. Dabei liegt es am Rat, welche der beiden vorgeschlagenen Varianten realisiert werden sollen. Bis Juli soll die genaue Entwurfsplanung mit Kostenberechnung vorliegen. Im September könnte der Rat den Baubeschluss fassen, anschließend würden die Bauarbeiten ausgeschrieben. Stadtrat Peck: „Wenn dieser ambitionierte Zeitplan eingehalten wird, könnten zum Jahresbeginn 2017 erste Arbeiten starten. Voraussichtlich im Jahr 2020 würden die letzten Arbeiten abgeschlossen.“

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