Outsider-Künstler Teil des Alexianer-Jubiläums

Zuletzt aktualisiert 30. Juni 2015 (zuerst 24. Februar 2013).

Münster-Amelsbüren. Werke aus seiner Sammlung zeigt seit Sonntag das Kunsthaus Kannen, Museum für Art Brut und Outsider Art. Gut zwei Dutzend Interessierte jeden Alters stellten sich am Sonntag zur Vernissage in der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle ein. 

Alexianer stolz auf ihre Künstler

Die Alexianer sind stolz auf ihre Künstler, das ließen sowohl Eröffnungsredner Dr. Klaus Telger vom Alexianer Krankenhaus Münster als auch die Leiterin des Kunsthauses, Lisa Inckmann, spüren. Im Jahr des 125. Jubiläums der Alexianer zeigt das Kunsthaus Werke von vier verstorbenen und eines lebenden Künstlers: Helmut Feder, Franz Huestedde, August Vibert und Karl Bergenthal sowie Robert Burda. Burda konnte wegen des Wetters nicht aus seiner Wohngruppe nach Amelsbüren kommen. Sein Werk hat im Jubiläums-Jahr ein besonderes Interesse. Denn, so Inckmann, er hat Motive wie die landwirtschaftliche Arbeit oder Gebäude in seiner akribischen Art gezeichnet, von denen keine Fotos existieren. Zudem zeigen seine Zeichnung die Umgebung eines Outsider-Künstlers.

Telger kennt die Künstler selbst. Wenn er die Werke nun sehe, könne er sie beim Arbeiten lebendig vor sich sehen, in ihrer ganzen Konzentration.

Besorgt macht Telger, dass der künstlerische Nachwuchs schwindet. Die Menschen blieben heute meist deutlich kürzer in der Einrichtung. Ein weiterer Grund: Wo früher das einfache Leben die Befassung mit eigener Kunst erleichterte, drängen sich heute moderne Medien als Ablenkung auf. Telger befürwortet, einen Künstler einzustellen – der soll in einem Casting Talente aufspüren, die man dann fördern könne.

Outsider-Künstler Teil des Alexianer-Jubiläums

Telger blickte in die Anfänge zurück, als die Einrichtung „Irren-Anstalt Haus Kannen“ hieß. Da habe sich mancher „ein einigermaßen stilles Plätzchen“ gesucht und mit allem Verfügbaren gezeichnet und gemalt, ohne Planung und Anleitung. Und kaum etwas kam an die Öffentlichkeit – das sei den Künstlern egal gewesen. Ihnen sei es darum gegangen, „in künstlerisch-meditativem Rückzug zu sich selbst zu kommen“, Dingen eine Ordnung zu geben, „sich mit der eigenen Rolle in der Welt auseinander zu setzen“. Die Alexianer hätten mit wohlwollender Toleranz und Wertschätzung die Bewohner ermutigt, „so zu sein wie sie waren und sich entsprechend zu äußern“. Moderne Therapiekonzepte gab es bis zur Mitte der 70er jahre nicht. 1978 baute man das Roncalli-Haus, stellte 1983 den ersten Kunsttherapeuten ein. Die Wahrnehmung der Künstler verschob sich. Sie waren nicht mehr „nur krank sondern wurden zu ‚Grenzgängern‘ zwischen den Welten von Therapie und Kunst.“ Burde gewann 2004 den zweiten Preis des Europäische Kunstpreis für Malerei und Grafik von Künstlern mit geistiger Behinderung. Das Kunsthaus Kannen hat längst bundesweit und auch international Bedeutung in der Outsider Art.

Zum Thema.:  Wolbecker Künstler präsentiert im Gallitzin-Haus in Angelmodde

Geöffnet ist die Ausstellung am Kappenberger Damm bis zum 26. Mai Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr; Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

www.kunsthaus-kannen.de

Bitte gib der Seite ein

Verwandte Inhalte:

  • Münster-Amelsbüren. Werke aus seiner Sammlung zeigt seit Sonntag das Kunsthaus Kannen, Museum für Art Brut und Outsider Art. Gut zwei Dutzend Interessierte jeden Alters stellten sich am Sonntag zur Vernissage in der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle ein.  Die Alexianer sind stolz auf ihre Künstler, das ließen sowohl Eröffnungsredner Dr. Klaus Telger vom…
  • Münster-Amelsbüren.  22 Ateliers aus Europa, von Pierrefeu du Var bis Budapest und Norwegen, stellen noch bis Sonntag Kunst im Kunsthaus Kannen aus – begleitet von Vorträgen und Gesprächen beim „2x2 Forum  for European Outsider Art“. Kreativ-spritzige oder naiv-romantische Malerei, Zeichnungen, fantastische Figuren aus Wolle, ein Riesenherz aus Holz, Leber, Hirn,…
  • Sechstes 2x2-Forum European Outsider Art öffnet im Kunsthaus KannenMünster-Amelsbüren. Im Kunsthaus Kannen eröffnete am Donnerstag eine internationale Kunstmesse für Außenseiterkunst, das „2x2 Forum“. „So international wie noch nie“ – denn wenngleich schon häufig Gäste etwa aus Europa mitmachten, sind diesmal Kunstwerke der Outsider Art aus Havanna und aus Südkorea zu sehen. Der eigentliche Name lautet „2x2 Forum  for…
  • Münster-Amelsbüren. Einen spannenden und tragischen Lebensweg zeichnete am Sonntag den 30. März 2014 im Kunsthaus Kannen der Archäologe und Direktor der Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein, Thomas Huck, nach: Das Leben  von Erich Spießbach. Er war für einen Präparator überdurchschnittlich gut, kam aber ohne Studium von der Volksschule, fand Anerkennung…
  • "Leute wie du und ich" im Kunsthaus KannenMünster-Amelsbüren. Sie ist kaum zu sehen, die Ausstellung: Die Gäste der Vernissage gingen am Sonntag im Kunsthaus Kannen ganz nah heran an die drei Reihen von Zeichnungen des holländischen Künstlers Huub Niessen: „Leute wie du und ich“ ist der Titel der Ausstellung mit ihren 24 Werken. Gern half Niessen, ein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Follow by Email
RSS