Outsider-Künstler Teil des Alexianer-Jubiläums

Münster-Amelsbüren. Werke aus seiner Sammlung zeigt seit Sonntag das Kunsthaus Kannen, Museum für Art Brut und Outsider Art. Gut zwei Dutzend Interessierte jeden Alters stellten sich am Sonntag zur Vernissage in der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle ein. 

Die Alexianer sind stolz auf ihre Künstler, das ließen sowohl Eröffnungsredner Dr. Klaus Telger vom Alexianer Krankenhaus Münster als auch die Leiterin des Kunsthauses, Lisa Inckmann, spüren. Im Jahr des 125. Jubiläums der Alexianer zeigt das Kunsthaus Werke von vier verstorbenen und eines lebenden Künstlers: Helmut Feder, Franz Huestedde, August Vibert und Karl Bergenthal sowie Robert Burda. Burda konnte wegen des Wetters nicht aus seiner Wohngruppe nach Amelsbüren kommen. Sein Werk hat im Jubiläums-Jahr ein besonderes Interesse. Denn, so Inckmann, er hat Motive wie die landwirtschaftliche Arbeit oder Gebäude in seiner akribischen Art gezeichnet, von denen keine Fotos existieren. Zudem zeigen seine Zeichnung die Umgebung eines Outsider-Künstlers.

Telger kennt die Künstler selbst. Wenn er die Werke nun sehe, könne er sie beim Arbeiten lebendig vor sich sehen, in ihrer ganzen Konzentration.

Besorgt macht Telger, dass der künstlerische Nachwuchs schwindet. Die Menschen blieben heute meist deutlich kürzer in der Einrichtung. Ein weiterer Grund: Wo früher das einfache Leben die Befassung mit eigener Kunst erleichterte, drängen sich heute moderne Medien als Ablenkung auf. Telger befürwortet, einen Künstler einzustellen – der soll in einem Casting Talente aufspüren, die man dann fördern könne.

Telger blickte in die Anfänge zurück, als die Einrichtung „Irren-Anstalt Haus Kannen“ hieß. Da habe sich mancher „ein einigermaßen stilles Plätzchen“ gesucht und mit allem Verfügbaren gezeichnet und gemalt, ohne Planung und Anleitung. Und kaum etwas kam an die Öffentlichkeit – das sei den Künstlern egal gewesen. Ihnen sei es darum gegangen, „in künstlerisch-meditativem Rückzug zu sich selbst zu kommen“, Dingen eine Ordnung zu geben, „sich mit der eigenen Rolle in der Welt auseinander zu setzen“. Die Alexianer hätten mit wohlwollender Toleranz und Wertschätzung die Bewohner ermutigt, „so zu sein wie sie waren und sich entsprechend zu äußern“. Moderne Therapiekonzepte gab es bis zur Mitte der 70er jahre nicht. 1978 baute man das Roncalli-Haus, stellte 1983 den ersten Kunsttherapeuten ein. Die Wahrnehmung der Künstler verschob sich. Sie waren nicht mehr „nur krank sondern wurden zu 'Grenzgängern' zwischen den Welten von Therapie und Kunst.“ Burde gewann 2004 den zweiten Preis des Europäische Kunstpreis für Malerei und Grafik von Künstlern mit geistiger Behinderung. Das Kunsthaus Kannen hat längst bundesweit und auch international Bedeutung in der Outsider Art.

Geöffnet ist die Ausstellung am Kappenberger Damm bis zum 26. Mai Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr; Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

www.kunsthaus-kannen.de

 

 

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