Mit Albersloher Stein erbaut Blick auf Kirchenhistorie von St. Nikolaus in Wolbeck beim Klassentreffen

Zuletzt aktualisiert 2. Mai 2016 (zuerst 28. Oktober 2011).

Münster-Wolbeck. Gern fügen die Organisatoren von Klassentreffen einen besonderen Programmpunkt in das gesellige Wiedersehen ein – für das Treffen des Einschulungsjahrgangs 1947 der Wolbecker Volksschule war es am Treffpunkt Dorfschenke ein Vortrag zur Frühgeschichte Wolbecks. Und Rolf Linnemann konnte mit Neuigkeiten aufwarten, die er bei seinem Vortrag vom März 2010, im Jahr des Wigbold-Jubiläums, auch noch nicht gekannt hatte.

Die bisherige Geschichtsschreibung hatte am Standort von St. Nikolaus zunächst eine Holzkirche vermutet. Das ist wohl falsch, so Linnemann: Zeitgleich zu Kirchen wie St. Agatha in Angelmodde und anderen mehr im Umkreis seien im 12. Jahrhundert Steinkirchen errichtet worden; eine Leistung von Fürstbischof Hermann II,  Berater von Kaiser Barbarossa und nun Gründer des Kirchdorfs Wolbeck. Die Steine für St. Nikolaus seien aus der West gekommen – für St. Agatha ist dies urkundlich verbürgt -, südlich des Tiergartens, lange Teil des Amts Wolbeck, heute von Albersloh. Bei den strapaziösen Transportbedingungen jener Zeit sei naheliegend, dass dies auch für die Wolbecker Kirche gilt. Die zwei bis drei Meter tiefen Steinkuhlen des Tagebaus im „Steenbusk“ könne man heute noch sehen; der Heimatverein Albersloh hat sie ihm gezeigt. Diese Bruchsteine hätten auch bei vielen Wohnhäusern Wolbecks Verwendung gefunden, als Fundament für die Holzpfähle. In vier Jahren, d.h. 2015, könnte die Kirche St. Nikolaus ihr 825. Jubiläum feiern.
Die Gründungszeit war kein Zufall: Einer kalten, feuchten Klimaperiode mit vielen Hungersnöten folgte ein breiter Aufschwung.
Wolbeck hatte Jahrhunderte lang mit Überschwemmungen zu kämpfen, gegen die das kniehohe Wasser auf der Münsterstraße anno 1947 und 1949 harmlos war. Wer es sich leisten konnte, baute daher etwas höher. Wolbeck lag  in sumpfigem, flachem Gebiet, aus dem Wassermassen nur langsam abfließen konnten. So erklärt sich laut Linnemann auch, warum es in Wolbeck lange kein Haus mit Keller gab.

Der Kirchturm ist das einzige Bauwerk Wolbecks, das aus der Gründungszeit übergeblieben ist. Die lag vor 1310 – die erste Nachricht, dass es ein Wolbeck gab, liefert die Bischofschronik  für 1144 im Zusammenhang mit den Abgaben des Hofes Möllenbeck.
Bernhard Kuhlmann, einer der Organisatoren, dankte Linnemann, der viel Applaus bekam. Dann widmete die Klasse sich wieder den Historien ihrer Schulzeit.
Am Rande machten einige Anmerkungen zur Debatte um den Straßennamen „Hindenburg“: Den habe der erste Rat Wolbecks genauso beseitigt wie den der Adolf-Hitler-Straße, und die Neustraße daraus gemacht. In Münster hätten für diesen Schritt wohl noch zu viele Nazis und Wehrmachtsleute gesessen.

 

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