Gallig-giftig: Die „Buschtrommel“ im Kulturbahnhof

Gallig-giftig: Die „Buschtrommel“ im Kulturbahnhof
Kabarett Buschtrommel im Kulturbahnhof Hiltrup

Teilen heißt kümmern!

Zuletzt aktualisiert 28. November 2020 (zuerst 25. Oktober 2020).

Münster-Hiltrup. Gallig-giftig wie immer präsentierte sich die „Buschtrommel“ im Kulturbahnhof – Britta von Anklang und Andreas Breiing gingen weder die Zielscheiben aus noch die Ideen, Dinge greifbar zu machen oder zu verhohnepipeln.

Vor was schrecken diese Buschtrommler zurück? Nicht vor Dingen, die sich fernab abspielen – wie bei der Nummer mit den ganz, ganz frischen menschlichen Organen, frisch, weil lebend entnommen, aber im fernen China. Auch nicht vor Dingen, die ein paar Meter entfernt liegen. Sie verweisen auf die geringe Zahl an Organspenden, geben ein Beispiel, wie ein Spender allein mehrere Menschen rettete – wie wäre es denn mit einem Organspende-Ausweis, den die Gäste in der nächsten Pause unterschreiben könnten, vor dem Gang zum Bier?

Florett statt Schwert bei der „Buschtrommel“

Neues gab’s von ihren Spitzen gegen die Kirche – wenn auch nicht einen neuen Witz, sondern eine Erläuterung. Sie zielten nicht auf den Glauben, sondern auf „Gottes Bodenpersonal“. Skurril nehmen sie einen Fernseh-Prediger aus den USA auf die Schippe, der inbrünstig gegen Plastiktüten wettert, um mit den zwei Plastiktüten Geld für sich zu sammeln. Womit auch die beim Publikum geweckte Erwartung enttäuscht wird – einen überzeugenden Geistlichen für das 21. Jahrhundert präsentiert zu bekommen.

Kabarett Buschtrommel mit Spitzen gegen von der Leyen und AfD

Prächtig inszeniert war die Philippika gegen von der Leyen – mit gewaltigem Schwert und singend inszeniert. In Teilen schwer nachvollziehbar, was ihr Gutachter-Liebe angeht.

Die Bewerbungsrede eines AfD-Politikers, dem „deutschen Tier“ gewidmet, roch verdächtig nach eines „Führers“ Reichsparteitags-Rede – nicht unangemessen angesichts des vorangestellten Zitats eines ehemaligen Pressesprechers jener Partei.

Mit Lüften etc. war dieser Abend möglich; Mechtild Born vom Team des Kulturbahnhofs freute es, die Künstler wohl noch mehr. Das ließen sie auch erkennen. Für die energiegeladene Vorstellung gab es kräftigen Applaus.