Wolbecker Bürger gedachten der ermordeten Juden aus Münster

Zuletzt aktualisiert 2. Februar 2018 (zuerst 10. November 2008).

Münster-Wolbeck. Clara Schumann hat in der lettischen Hauptstadt musiziert, auch Franz Liszt, und viele weitere positive Spuren deutschen Schaffens finden sich in Riga. Aber heute, so Johannes Hasenkamp am Sonntagnachmittag zu Beginn der Gedenkstunde zur Pogromnacht 1938, gehe es um „die dunkle Seite Rigas“.

Einst verband der Handelsverbund der Deutschen Hanse Münster mit Riga, dann Todeszüge, deren „Mäuler“ unersättlich nach „frischem Judenfleisch“ verlangten, wie es in einem Gedicht von Jizchak Katzenelson heißt.

In Riga warteten das Ghetto und Massenerschießungen im Wald, auch das Kinderlager in Salaspils, es ging um „die systematische Vernichtung der Münsterlander Juden“, sagte Christina Schulte vom Ökumenischen Friedenskreis. Erika Koch lieh ihre Stimme dem Zeitzeugen wie Siegfried Weinberg aus Münster. Sein Bericht erinnerte an Ungeziefer, Huntertyphus und Ruhr, Grausamkeiten an Kindern und Erschießungen in Salaspils.

Nach der Befreiung steckte Weinberg die Sowjetunion in ein Arbeitslager im Ural, zurück in Münster traf er im Wohnungsamt auf denselben Beamten, der sie in der NS-Zeit aus ihrer Wohnung verwiesen hatte, so Schulte.

Kaum fassbar angesichts des Grauens ist das Gebet, das dem Rabbiner Leo Baeck zugeschrieben wird. Der Bezirksbürgermeister Markus Lewe las es vor: „Friede sei den Menschen, die bösen Willens sind und ein Ende gesetzt aller Rache … All das Gute soll zählen und nicht das Böse“, bittet Baeck Gott. Zur Gedenkstunde waren viele Bürger gekommen, auch Vertreter aller Parteien.

Dann zogen die Besucher mit entzündeten Kerzen zum jüdischen Friedhof. Für jeden der Wolbecker Juden stellte einer eine Kerze vor die Stele. Die Junge Union legte einen Kranz nieder. Weitere Stationen waren der Standort der ehemaligen Synagoge und die Kirche St. Nikolaus.

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