Wie 2500 Juden mit gefälschten Papieren der Deportation entkamen

Seine eigene Identität verleugnen, um zu überleben? Zur Zeit der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg waren gefälschte Geburtsurkunden oder Taufbescheinigungen für viele Juden die letzte Möglichkeit, der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Beamte wie der aus Osnabrück stammende Jurist Hans Calmeyer entschieden im Zuge der verp

flichtenden Abstammungsmeldung über die Glaubwürdigkeit ihrer Unterlagen – und damit über Leben und Tod der Betroffenen. In einem öffentlichen Vortrag beleuchtet die Historikerin Petra van den Boomgaard (Universität Amsterdam) am Dienstag, 19. November, unter anderem die ambivalente Rolle des Osnabrücker Juristen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Bibliothek im Haus der Niederlanden, Alter Steinweg 6/7. Sie wird vom Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster ausgerichtet.

Hans Calmeyer lotste mittels gefälschter Dokumente einerseits zahlreiche Juden an den deutschen Rassengesetzen vorbei und führte andererseits durch die vermeintlich willkürliche Ablehnung von Anträgen andere Menschen in den sicheren Tod. In ihrer Dissertation untersuchte Petra van den Boomgaard die Motive des Beamten. Zugleich rückte sie durch ihre Arbeit weiterer Helfer wie Anwälte, Anthropologen und Ärzte in den Fokus. Für ihr Forschungsprojekt arbeitete die Historikerin mit bis dato unzugänglichem Archivmaterial.

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