Türöffner zum Berufsleben: Wolbecker Hauptschüler packten freiwillig im Schnupper-Praktikum an

Münster-Wolbeck. Die Firmenvertreter sind angetan. Dass so viele Schüler am 2.11. nach Allerheiligen, an einem schulfreien Brückentag, die Gelegenheit zum Schnupperpraktikum nutzen würden, das hatten sie nicht erwartet. 23 Firmen hatten 24 Praktikanten beim freiwilligen Praxistag der Jahrgangsstufe 8 aufgenommen. Und das ist nicht das einzige Lob für Firmen und Schüler, das beim Pressegespräch am 07.11.2007 in der Hauptschule Wolbeck am Dienstag für gute Stimmung sorgt bei den sechs erschienenen Schülern der achten Klasse, bei der  Koordinatorin Berufswahlorientierung Barbara Godehardt und bei Schulleiter Peter Wessels.

Firmen mit Praktikanten-Tag zufrieden

Zumal Schreiner Markus Damwerth von Zufriedenheit auch bei anderen teilnehmenden Firmen berichtet. Zwei Drittel der Firmen habe er angerufen, alle seien zufrieden. Die Türen stehen offen auch  für den nächsten Jahrgang.

Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel mache sich zunehmend bemerkbar, erklärt Johann-Georg Kisfeld seine von Damwerth geteilte Interessenlage. Er nimmt in seiner Bäckerei gern Schüler aller Schulformen für ein Praktikum an. Wobei die Hauptschüler gut abschneiden.

Die frühe Orientierung im realen Berufsleben schätzt auch Markus Damwerth. Der Chef der Schreinerei am Kaiserbusch ist eng mit Angelmodde und Wolbeck verbunden. Viele Auszubildende kommen von dort und er hat gute Erfahrungen mit der Auswahl nach Praktika gemacht. „Fast jede Stelle haben wir aus Praktika besetzt.“ Das sei äußerst positiv für beide Seiten.

Einer der Unternehmer meint, die Hauptschüler hätten sich im Rechnen besser gezeigt als die Realschüler. Und gegenüber den Gymnasiasten stünden sie auch nicht schlecht da.

Bewerber um die Ecke finden

Das Projekt beschwört alte Zeiten im besten Sinne herauf: Da kam man über Eltern und Großeltern oder Nachbarn leicht und ganz in der Nähe in die Firmen. Warum ein aufwändiges Verfahren, wenn gute, erprobte Bewerber „drei Ecken weiter“ wohnen? Die Idee gefällt auch Bezirksvorsteher Markus Lewe, der weitere Unterstützung der Politik verspricht.

Berufsorientierung im Schulkonzept

Für die Hauptschule gehört das Praktikum zum neu erarbeiteten Schulkonzept. Als Schnittstelle zwischen Schülern und Firmen sieht Godehardt die Rolle der Schule. „Wir kennen die Schüler.“  Und da wolle man auch vermitteln.

Die Stadt Münster und die Kreishandwerkerschaft sitzen mit im Boot. 2006 hatte Markus Damwerth die Idee der Schulpartnerschaft aufgegriffen und mit Godehardt vorwärtsgetrieben.

"Gute Beteiligung"

Von 75 Schülern der Jahrgangsstufe nahmen 24 teil; das sei viel. Die hohe Teilnehmerzahl überraschte auch Godehardt. Und dann zeigten die Schüler noch viel Eigeninitiative beim Besorgen der Praktikumsplätze: Landwirt, Fahrradmechaniker, Energieelektroniker, Tischlerei und Kindergarten oder in die Industrie zu Armacell.

Alle sechs Schüler zeigen sich zufrieden. Für Daniel Hüttker war es „zu kurz“ und ganz eng mit der Schere an die Kunden konnte Roberta Crispo nicht. Aber sie hätten viel dazugelernt darüber, was in einer Firma abläuft und was alles dazugehört, sagt auch Janina Frankrone. Und er sei nett aufgenommen worden, berichtet Marcel Timpen.

Auch die Eltern gefragt

Mit dabei ist auch Wolfgang Timpen, der Vorsitzende der Elternpflegschaft. Er versprichte sich von der Aktion, dass die Eltern sich früher Gedanken über die Zukunft ihres Noch-Kindes machen. Und dass die Hauptschulen gerechter beurteilt werden.

Qualifizierte Schüler gebe es ebenso wie interessierte Firmen, ist sich Damwerth sicher.

Im nächsten Jahr kümmern sich die Hauptschüler um ein dreiwöchiges Praktikum. „Ich wünschte mir, dass es für Gymnasiasten auch so eine vorgeschobene Berufsorientierung gäbe“, sagt Damwerth.

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