Liebenswürdiges Spiel

Zuletzt aktualisiert 15. Dezember 2019 (zuerst 9. März 2008).

In dieser Zeit der Mikrophone und Verstärker ein Konzert wie das des Kultur-Freundeskreises am Sonntag im Bürgerhaus Telgte zu hören, war eine Freude. Das Leise und trotzdem Durchformte ist heute vielen vom Lärmenden verbildeten Ohren schon kaum mehr zugänglich. Die Geigerin Karina Buschinger bot zusammen mit der Harfenistin Verena Volkmer einen Abend mit dieser seltenen und aparten, ‚stillen’ Besetzung, dem man insgesamt getrost das Prädikat ‚liebenswürdig’ geben darf.

Für das Intime und Zarte sorgte vor allem die Geigerin. Bei ihr hätte man sich in der Sonate g-moll BWV 1020 manchmal mehr kräftigen Zugriff gewünscht, doch entsprach sie mit ihrem Spiel dem Charakter des Abends. Sie zwang in dieser Sonate (die vor eineinhalb Jahren in der Besetzung Oboe/Klavier in Telgte erklang) zum Hinhören. Das Schlussallegro spielte Buschinger sehr frisch und munter.

Auch die Sonate A-Dur, eine von den drei Violinsonaten Friedrich Wilhelm Rusts, Schüler von Carl Philipp Emanuel Bach, dem übrigens auch die g-moll-Sonate zugeschrieben wird, war dessen Kompositionsweise sehr wesensverwandt, ansprechend, problemlos, melodiös und feinsinnig, in den beiden Minuetti etwas energischer und tanznäher. Beide Werke wurden statt mit Cembali oder Klavier von der Harfe gespielt, die vor allem im ersten Werk einen sehr eigenständigen Part hatte. An diesem Abend kamen die Freunde der Harfe voll auf ihre Kosten!

Die Deux préludes romantiques op. 17 von Marcel Tournier waren an diesem Abend das erste Werk in originaler Besetzung. Die beiden recht ruhigen Sätze boten vor allem der Geigerin Gelegenheit zu schönen, langsam schwingenden Melodiebögen, wirkten allerdings allzu gefällig.

Wieder original erklangen die Variationen über ein Thema von Rossini, die Chopin komponierte: geistreiche und spritzige Veränderungen eines wie hüpfend leichten Themas, delikat musiziert und ein Höhepunkt des ersten Teils.

Nach der Pause kam vor allem die groß, von dem Klavierbauer Sebastien Erard 1810 entwickelte Doppelpedal-Harfe zur Wirkung. Ihr großer Korpus ist zwecks klanglicher Abstrahlung hinten geöffnet. Da konnte Verena Volkmer in der Fantaisie für Harfe solo op. 96 und in der Fantaisie für Violine und Harfe op. 124 von Camille Saint-Saens ihr Instrument vom feinsten, glitzernden Pianissimo bis zu rauschenden Glissandi und voluminöser Tiefe in diesen jeweils mehrteiligen Stücken voller hübscher melodischer Motive voll ausspielen. Karina Buschinger stellte dem auf ihrer edlen Geige jeweils einen volleren und kräftigeren Ton entgegen.

Wiederum eine Bearbeitung für Violine und Harfe waren die drei Stücke aus der “Suite populaire espagnoles“ von Manuel de Falla, rhapsodische, teils feurig gespielte, meist sehr zarte Lieder, denen als Zugabe ein viertes, „Polo“, hinzugefügt wurde. – Ein durchgehend harmonischer ‚stiller’ Abend!

JOHANNES HASENKAMP

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