Telgte: Virtuoses Benefiz-Konzert im Bürgerhaus

Vereint am Flügel: Der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad, Abdullah Tamaa mit Sängerin Ansam Al Hamni, Ursula Mindermann und Arno Lott. Fotograf: A. Hasenkamp, Münster.

Telgte. Mehr als „nur“ Konzert und Lesung war das Ereignis im Bürgerhaus, zu dem der Verein Zib, die deutsch-palästinensische Gesellschaft sowie der Arbeitskreis Israel/Palästina aus Telgte eingeladen hatten.

Denn zum prominentesten der Künstler, Aeham Ahmad, bekannt als „der Pianist aus den Trümmern, gesellten sich weitere. Ahmad begann am Flügel. Woher er diese Ausdrucksstärke hat, den spielerischen Rückgriff auf Formen und Melodien, diese Virtuosität? Er ist nicht der erste aus seiner Familie, der sich der Musik verschrieben hat, hat einiges durchlitten in Syrien und als Flüchtling, das ist sicher Teil der Erklärung. Er selbst bringt etwas unerwartet einen anderen Namen ein: Beethoven und die europäische Klassik.

„Wir in Syrien kennen Beethoven, aber wir kennen nicht Deutschland“, erklärt der Syrer, 1988 in Damaskus geboren, der Musikpädagogik in Homs studierte und als Musiklehrer arbeitete. Bach sei ein tägliches Muss gewesen, hinzu kamen Haydn, Beethoven, Händel. Die stünden für europäische Klassik. „Beethoven ist so wichtig, und Bach das ‚Brot‘ der Musik“. So erklingt „Pour Élise“, auch „Schlaf, Kindlein schlaf“. Ahmad schätzt das Lied „Die Gedanken sind frei“ – dank ausliegender Texte sang er es gemeinsam mit dem Publikum. Die Gäste hatten mehrfach Gelegenheit, ihre Stimme einzubringen. Bei nicht übersetzten arabischen Texten zumeist. Aber deren Kernbotschaft, so Abdulla Tamaa, ähnelt dem Motto von zib: „Gemeinsam ist besser“.

Aeham Ahmad, geboren 1988 in Damaskus, wuchs auf in Yarmouk, einem Vorort von Damaskus. Bereits mit vier Jahren förderte sein Vater sein musikalisches Talent. 2015 floh Ahmad vor dem Krieg nach Deutschland. Heute lebt er mit seiner Familie in Warburg und gibt Konzerte in ganz Europa.   2015 erhielt Ahmad als erster den Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte. Ahmad lebt mit Familie in Warburg. Nach Syrien einzureisen? Das wäre zu gefährlich, nicht nur für ihn, sagt der Staatenlose.

Den Preis erhielt er auch für das Musizieren mit Kindern im Flüchtlingsheim. In Telgte stand er mit zwei Musikern auf der Bühne, die er zum ersten Mal traf: Ansam Al Hamni aus Dülmen, elf Jahre alt, sang zum Spiel ihres Musiklehrers Abdullah Tamaa auf der Oud, und spielte das Saiteninstrument auch selbst. Anne-Marie Grage spielte das Akkordeon und sang solo, dann zum größten Plaisir zum Klavierspiel Ahmads. Ganz mit der Stimme gestaltete Merle Weßendorf, Schülerin aus Telgte, ihren Part: Sie las vor aus Ahmads Buch „Und die Vögel werden singen“. Die Künstler ernteten reichen Applaus im gut besuchten Bürgerhaus. Vorgestellt wurde das deutsch-palästinensische Projekt „Sahber-Limonade mit Kaktusfeige“.

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