Von der Zerrissenheit des Menschen Karl Jenkins „The Armed Man – A Mass for Peace“ und "Prism Rhapsody" in Ostbevern aufgeführt

Karl Jenkins „The Armed Man – A Mass for Peace“ in St. Ambrosius in Ostbevern mit der Capella Loburgensis. Foto: A. Hasenkamp, Eventfotograf in Münster.

Münster-Ostbevern. Zum Jahresschluss und zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges war in St. Ambrosius die instrumentale „Prism Rhapsody“ und Karl Jenkins „The Armed Man – A Mass for Peace“ zu hören. Veranstaltet vom Kulturforum Ostbevern, besetzt mit der Nordwestdeutschen Philharmonie, der Capella Loburgensis und dem Musik-Verein Oelde, ergänzt von Chorsolisten, ein anspruchsvolles Projekt.
Die Nordwestdeutsche Philharmonie sorgte am Freitagabend nicht nur für opulente und hochwertige Besetzung, sondern auch für die Gelegenheit, ein Marimbaphon zu hören, in Keiko Abes „Prism Rhapsody“ meisterhaft gespielt von Arno Leijendeckers. Er changiert im vielfach heroisch-dramatischen Klang zwischen Rasanz und Ruhigem, Forte und Pianissimo – der Klang ist klar, trägt durch den weiten Raum, verspricht dem auswärtigen Besucher ein ungetrübtes Hörerlebnis, das nicht selbstverständlich ist.
Zerrissen ist der Mensch zwischen Krieg und Frieden, so die zentrale Botschaft von Jenkins, den Opfern des Kosovo-Krieges gewidmet, der Mensch, und nicht allein der Christ. Entsprechend breit sind die in dieser „Messe“ zusammengeführten Stimmen und Klänge. Der Muezzin (Mohammad Alkaddour) mit seinem Aufruf zum Gebet gehört als am deutlichsten hörbares Element dazu, neben ihm Zitate aus weltlichen Kontexten, unterschiedlichen Kulturkreisen und Zeiten: bis zum vorchristlichen indisch-hinduistischen Mythos, und immer wieder, variiert, das „L’homme armé“ des Hundertjährigen Krieges.
Das derart wechselhafte Werk verlangt einiges an Variation vom Chor und den Chorsolisten Julia Hinze, Sopran, Jakob Warlich, Tenor, Darya Rahel, Alt, und Jasper Lampe, Bass.
Zur musikalischen Darstellung der Leere nach der Schlacht treten Momente der Stille, im Stück nach dem „Angriff!“, der Folge des euphorischen „Wie selig ist der, der für sein Vaterland stirbt!“ Dann erst erklingt die Trompete zum Begräbnis, schließlich die Totenglocke. Das aufmerksame Publikum trägt auch dies verständnisvoll mit, fast ausnahmslos.
Positiv ist dennoch der Höhepunkt. Dann ist Zeit für Applaus, der verdient reichlich ausfällt. Keine Bank in St. Ambrosius war leer geblieben. Er sei „immer wieder erstaunt wie ein Laienchor solch‘ eine Leistung hinkriegt“, sagt später in der Sakristei Matthias Hellmons, der die Gesamtleitung hatte, und fügt an: wo doch die meisten der Sängerinnen und Sänger den ganzen Tag gearbeitet hätten.
Als Zugabe erklingt der Choral aus The Armed Man, noch einmal Applaus, einer eigens für die zwei Jungen, Simeon Brettner und Aleksi Klinkmann. die das Kyrie trugen.
Die Zusammenarbeit mit dem Orchester ist alt, sagt Hellmons, „im nächsten Jahr werden es 30 Jahre“. Finanziell auf die Beine gestellt hat das Kulturforum Ostbevern auch dank der Eintrittsgelder, der Sparkassenstiftung und etlicher lokaler Firmen und Privatspender. Lang ist auch die Liste der Helfer.
Die nächsten Proben der Capella gelten dem Frühjahrskonzert in St. Ambrosius und Beethovens Sinfonie in d-moll. Zuvor lädt sie zweimal zum Adventskonzert an der Loburg.

 

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