Heimatgeschichte gesungen und erzählt aus erster Hand Gudrun Gunia ergänzt als Bänkelsängerin den Zugang zur Ortsgeschichte

Ganz nah an der Lügenbücke im sogenannten "Tiergarten". Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Wolbeck. Der Heimatverein Wolbeck wolle auch junge Leute an die Geschichte ihres Heimat Orts heranführen, sagt Bernhard Karrengarn im Hof des Drostenhof, da habe man einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Das war die Exkursion gleich mehrfach: Gudrun Gunia aus Westbevern ist Musiklehrerin und -therapeutin, seit Jahren sie sich spannende Legenden aus verschiedenen Regionen des Münster Landes zum Thema gemacht, die sie in Liedtexte verwandelt und auf der Gitarre begleitet. So sang sie wie eine historische  Bänkelsängerin vom Poltergeist im Keller des Drostenhof und von Hille Feicken, die in der Wiedertäuferzeit den  Fürstbischof Franz von von Münster hatte ermorden wollen, in Wolbeck verurteilt und in Bevergern geköpft wurde. Ein Dutzend Schüler der Realschule Wolbeck nutzte am Samstag die Gelegenheit zusammen mit der Lehrerin Iris Schulte-Wörmann.
Die Historie vermittelten zwei Männer mit besonderem Zugang zur Wolbecker Geschichte. Der Spaziergang startete im Drostenhof mit einem Vertreter der Familie von Merveldt: Franz-Pius Graf von Merveldt. Der ist zwar nicht in Wolbeck groß geworden („ich war ein Flüchtling“), konnte aber aus der Familiengeschichte berichten. Dann ging es zum ehemaligen Kurhaus von Dr. Lackmann: Dort erzählte Alfons Gerholt, der dort seine Kindheit erlebte. Lebhaft und plastisch konnte er von Hechten und Karpfen berichten, von Hausgarten, Wiesen und Wald, vom Badehaus an der damals fischreichen Angel, dem Springbrunne im Garten des Anwesens – so wurde vor dem heute wenig ansehnlichen Gebäude ein glanzvolles Stück Geschichte lebendig. Alte Fotos von den Innenräumen gingen herum. Das war den Schülern nicht nur zeitlich näher, einer von ihnen hatte im Kurhaus gewohnt. Den Illa-Andreae-Weg entlang ging es zur sogenannten „Lügenbrücke“ – betritt sie jemand, der gelogen (und noch nicht gebeichtet) hat, „dann bricht die Brücke zusammen“. So jedenfalls erzählte es Gernholt aus Kindertagen. Hier war auch Zeit, vom „Tiergarten“ zu erzählen: 100 Hirsche, 500 Wildschweine auf knapp 300 Hektar eingesperrt als Jagdbeute für den Fürsten. Auch hier war Zeit für ein Lied der Bänkelsängerin.

 

(Visited 76 times, 1 visits today)
Zum Thema.:  "Udo Jürgens: Sein Leben - sein Werk" füllt den Saal in Wolbeck
Über Andreas Hasenkamp 6469 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*