„Geschichten einer Gauklerin“ aus erster Hand Naëmi Priegel liest und spielt im Kulturbahnhof Hiltrup

Naemi Priegel liest aus ihrem autobiographischen Buch "... Gauklerin

Münster-Hiltrup. Am Freitag lieh Naëmi Priegel ihre Stimme der Frau von Anton Tschechow, am Sonntag sich selbst und ihrem autobiographischen Buch „Geschichten einer Gauklerin“. Beides geschah im Kulturbahnhof Hiltrup.
Gelernte Buchhändlerin war Priegel, sie engagierte sich und lernte Schauspiel, bewarb sich beim Radio. Priegel rezitiert Tucholsky – ein Sprung zurück in ein frühes Vorsprechen beim Radio SFB. Vom mit arbeitslosen Schauspielern gesättigten Berlin ging sie nach Münster, ergriff die Chance, die Eliza Doolittle zu spielen, überwand die Zurückhaltung gegenüber ihr als unerfahrener Schauspielerin – und landete damit, 1967, einen ersten großen Erfolg. 60 Vorstellungen in Münster, insgesamt über 1000-mal „My Fair Lady“. Die Schauspielerin widmet sich Musicals. Es geht nach Zürich, Basel, Karlsruhe, Braunschweig, Hamburg, Frankfurt und Wien, öfters mit Größen wie Zarah Leander, Dagmar Koller. Sie ist dauernd unterwegs: Heiligabend allein in einem Hotel, Autobahnfahrten auf Glatteis zu einem Heim, das fremd geworden ist – die vielen Engagements haben Schattenseiten. Priegel zeigt ein Foto aus ihrem Terminkalender, das erste Halbjahr 1981: Kaum eine Lücke zeigt sich. „Aber wo gehörte ich hin?“ Schließlich erwarb sie ein Haus in Hiltrup. „Ich war endlich angekommen.“
In ihrem Lesen und mit vielen Fotos, um deren Anzeige Norbert Piontek sich kümmerte, macht Priegel diese Zeiten mit großer Präsenz lebendig. Und sie singt. Zum Schluss aus dem Musical „Das Lächeln einer Sommernacht“ das wehmütige „Wo sind die Clowns?“
Ein Vorhang fällt nicht auf der Bühne des Kulturbahnhofs, aber zum Applaus kommen zwei Blumensträuße, einer von Dr. Enrico Otto, Leiter des Theaterlabors im Kulturbahnhof; er begleitete 1967 als Assistent des Regisseurs Christian Wölffer die Proben von „My Fair Lady“. Gut zwanzig Besucher waren gekommen, sehr viele alte Bekannte und Freunde.
Das Buch „Geschichten einer Gauklerin“ erschien 2005 im münsterischen LIT-Verlag.

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Interview Naemi Priegel mit dem WDR:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/priegelnami100.html

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