100 Jahre Stadtbücherei Münster: Von Bürgern für Bürger

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Zuletzt aktualisiert 10. Juni 2015 (zuerst 27. März 2009).

Münster/Stadtbücherei. Vor hundert Jahren – am 1. April 1909 – überließ die Stadt Münster dem Katholischen Bücher- und Lesehallenverein das Krameramtshaus für eine symbolische Miete von einer Mark. Am 23. Mai stattete dann die Stadtverordnetenversammlung der öffentlichen Bücher- und Lesehalle einen Besuch ab und sagte eine finanzielle Förderung zu.

Ausstellung zeigt wechselvolle Geschichte der Stadtbücherei Münster

Das Versprechen wurde dann in einer der nächsten Sitzungen des Gremiums eingelöst und der Zuschuss beschlossen. Damit übernahm die Stadt wesentlich die Verantwortung für den Betrieb der Bibliothek.Anders aber als in anderen Städten, wo um die Jahrhundertwende herum aus den Lesehallen städtische Bibliotheken wurden, blieb die Bücher- und Lesehalle in Münster viele Jahre in der Trägerschaft des Vereins. Dies sollte sich erst ändern, als in Deutschland und auch in Münster die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Sie strichen die Zuschüsse für den Lesehallenverein, entzogen diesem das Nutzungsrecht für das Krameramtshaus und eröffneten dort am 15. April 1935 eine Städtische Volksbücherei und Lesehalle, die dann 1938 in Stadtbücherei umbenannt wurde.“Obwohl es hier einen Bruch in der Geschichte der Institution gegeben hat, ist es dennoch berechtigt, in diesem Jahr das Jubiläum zu feiern“, betont Kulturdezernentin,  Andrea Hanke, „denn die Stadtbücherei sieht sich heute in der Tradition der Bücher- und Lesehalle, deren Gründer Wert darauf gelegt haben, allen ‚Konfessionen und Ständen ohne Unterschied zu dienen‘ – wie es damals hieß.“

Ausstellung zur 100-jährigen Geschichte

Die Stadtbücherei nimmt das Jubiläum zum Anlass, vom 27. März bis zum 25. April in einer kleinen Ausstellung Bilder und Gegenstände aus der 100-jährigen Geschichte zu zeigen. Dazu gehört auch ein Bücherverzeichnis der „Öffentlichen Bücher- und Lesehalle“ aus dem Jahre 1930, das Spuren dieser wechselvollen Geschichte trägt. Im Innern sind die Titel der Autoren gestrichen, deren Werke am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. Auf dem Titelblatt ist das Wort „Öffentliche“ gestrichen – ein Hinweis auf die Umsetzung eines Regierungserlasses vom 28. Dezember 1933, der allen Büchereien in freier Trägerschaft verbot, sich öffentlich zu nennen.

Entdeckt: Gästebuch der Stadtbücherei Münster

Monika Rasche, die Leiterin der Stadtbücherei freut sich besonders darüber, ein Gästebuch entdeckt zu haben, das 1951 mit der Wiedereröffnung der Stadtbücherei im renovierten und erweiterten Krameramtshaus beginnt. Es enthält ein Chronogramm, mit dem der Verein der Kaufmannschaft das alte Gildenhaus der Stadtbücherei widmet. Außerdem befindet sich in dem Buch die Unterschrift des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der bei seinem Münsterbesuch im Jahre 1953 auch in der Stadtbücherei zu Gast war.Aus der neueren Zeit stammt ein kleines, kunstvolles Modell, mit dem sich das Architektenehepaar Bolles-Wilson im Jahr 1986 an dem Wettbewerb zum Neubau der Stadtbücherei beteiligt hat.Zeitreise in die Vergangenheit

Für Kinder: Zeitreise in die Vergangenheit – Beate Reker liest vor

Für die Kinder ab 6 Jahren ist zum Jubiläum eine Zeitreise in die Vergangenheit vorgesehen. Am Freitag, 3. April 2009, lädt um 17 Uhr die Stadtbücherei in den Gewölbekeller des Krameramtshauses – dorthin, wo sich von 1980 bis 1993 die Kinderbücherei befand. Dort unten liest Beate Reker aus dem preisgekrönten niederländischen Kinderbuch „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter die spannende, hintersinnige Geschichte einer besonderen Freundschaft.
Der Freundeskreis der Stadtbücherei feiert mit und spendet Kuchen und Getränke. Eine kleine Ausstellung mit großen Fotos zeigt, wie es früher in der Kinderbücherei aussah; auch einige der Bibliothekarinnen scheinen aus der Vergangenheit zu kommen…

Geburtstagsgeschenke erbeten

Außerdem bittet der Freundeskreis um Geburtstagsgeschenke für die Stadtbücherei. In der Woche vom 30. März bis 3. April, jeweils von 15 bis 18 Uhr, präsentiert der Freundeskreis im Foyer der Stadtbücherei stark nachgefragte Bücher, aus denen die Besucher ihr Geschenk auswählen können. Jeder erhält für seine Spende eine entsprechende Quittung und erscheint auf Wunsch auch als Spender in dem Buch.

Die Aktion wird an allen April-Samstagen von 11 bis 15 Uhr wiederholt und findet zusätzlich auch am 23. April – dem Tag des Buches – von 15 bis 18 Uhr statt. Gertraud Horstmann, die Vorsitzende des Freundeskreises, erhofft sich von der Aktion viele neue Bücher für die Stadtbücherei, damit deren Angebot noch attraktiver wird.

„Der Spinnenmann“ – Theater im Jubiläumsjahr

Während des gesamten Jubiläumsjahres wird mit freundlicher Unterstützung des städtischen Kulturamtes zu verschiedenen Terminen das Theaterstück „Der Spinnenmann“ aufgeführt. Dieses Stück um einen Bibliotheksburschen eines Herzogs um 1700 wurde vom Theater „Freuynde und Gaesdte“ für die Stadtbücherei konzipiert.
Der halbwüchsige Diener beeindruckt seinen Fürsten so sehr, dass dieser ihm eine Ausbildung ermöglicht. Der Junge studiert und erlangt die würde. Diese wahre Geschichte wäre an sich schon erzählenswert genug. Ganz und gar erstaunlich wird sie durch den Umstand, dass der Lakai ein schwarzer Sklave war, der – als Kind von der Goldküste nach Amsterdam verschifft – schließlich 1734 zum ersten farbigen Universitätslehrer Europas berufen wurde.

Am Tag des Buches am 23. April lädt die Stadtbücherei um 20.30 Uhr zur öffentlichen Probe ein. Die Premiere folgt am 5. Mai.

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