Angelmodde

Dreiklang von Sehen, Hören und Essen – Ungewöhnliche Komposition im Kunsthaus Angelmodde

12 Feb , 2006  

Münster-Angelmodde. Kunst und Essen in trauter Umarmung, Ohrenschmaus, Augenweide und Gaumenfreude – geht das unter einen Hut oder auf Kosten der Kunst? Das Kunsthaus Angelmodde war am Sonntagnachmittag (12.02.2006) Zeuge einer Probe aufs Exempel.

Gute Erfahrung hat man hier schon mit Essen und New Flamenco gemacht. Aus diesem recht harmonischen Zweiklang sollte nun ein Dreiklang werden. Den Auftakt machte am Sonntag eine Vernissage zur Ausstellung von Skulpturen und Aquarellen.
Katharina Zürcher und Eugen BerkelsSehenswert, ja bezaubernd die Papier-Skulpturen, wohl 40 Zentimeter hoch, in denen Annemarie Gottfried „das eindimensionale Papier zur Dreidimensionalität“ erhebt, wie ihre Tochter Katharina Zürcher erläuterte. Schlanke Gestalten von höchster Eleganz hat die 84-Jährige geschaffen, schwungvoll und leicht sind diese Figuren, das Papier meist nur gesteckt, selten geleimt. Seit 1984 Jahren arbeitet die an diesem Tag Verhinderte mit diesem Material. Dies und die vielfältige Erfahrung auch mit Ton und Metallen mögen solche Leichtigkeit erklären. Elegant und mit inhaltlicher Tiefe kommen auch Gottfrieds Skulpturen aus Bronze daher.

von Annemarie GottfriedEine zeigt eine übermächtige Gestalt, die eine Mutter niederzwingt, deren totes Kind über ihren Knien liegt. Gottfried schuf diese erste ihrer Bronze-Skulpturen 2004 unter dem Eindruck der Katastrophe von Beslan. Sie verarbeitet auch Erlebnisse der Kriegszeit. Als Krankenschwester erlebte sie die Befreiung des KZ Dachau. Andere Skulpturen prägt die Liebe zur Musik, die Gottfried auf dem selbst aufgebauten „Schartenhof“ in Hessen fördert.
Die Aquarelle des Pianisten Eugen Berkels entführen in die Welt der Romantik. Sie prägt die Liebe zu lauschigen Ecken, „die immer seltener werden“. Motive aus St. Petersburg oder der Schweiz mit teils nüchtern genauen, teils farbenfrohen Wiedergaben laden neben dem „Kornfeld in Westfalen im Mai“ und Natur-Erfahrungen Berkels aus seiner Heimat in der Pfalz zum Versinken ein. Beide Künstler haben ein Standbein in der Musik, und dies erklärt die freundschaftliche Verbindung zu Rainer van Husen.

Rainer van Husen und Michael Schwarte Dieser münsterische Tenor wagte gemeinsam mit Michael Schwarte den zweiten Teil des Dreiklangs mit „Glückwunsch, Herr Mozart!“, einem „Konversationsstück für zwei Musiker in wechselnden Rollen“. Warum nicht dazu in Pausen essen, wenn auch zu Zeiten Mozarts, des „von Gott Gesandten“ oder „obszönen Kindes“, Musizieren und Gaumenfreuden eine ungezwungene Liaison eingingen und man Abstriche beim Kunstgenuss im Sinne des Gesamt-Vergnügens hinnahm, ohne auf hohes Niveau zu verzichten.
Schwarte, Musikwissenschaftler, Autor des Stückes und Klavierbegleiter, und van Husen präsentierten ihr Arrangement geschickt und mit Tempo als Konzertprobe, sponnen einen bruchloen Dialog zwischen zwei Mozart-Begeisterten Musikern ein, die sich für Amouren, Ernstes und Legenden interessieren. Was für ein menschennaher Frohsinn und ebensolcher Umgang mit Schattenseiten des Lebens zeigt sich in „Das Veilchen“, „Zufriedenheit“, den Stückchen aus Zauberflöte, Cosi fan tutte oder der Entführung aus dem Serail! Dies boten die Musiker mit Ausflügen ins Publikum lebendig dar und verknüpften es über Brief-Zitate und Literatur mit dem Leben des Wunderkindes, kurzweilig und niveauvoll. Die Gäste freuten sich, selbst „Komm, lieber Mai und mache“ singen zu können.
Der Beifall für das ungewöhnliche, mit einer Mozart-Crême abgerundete Gesamt-Erlebnis im ausverkauften Kunsthaus Angelmodde war herzlich. Die Ausstellung ist bis zum 12. März geöffnet.

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