26. Internationales Jazzfestival Münster geht immer auch ungewöhnliche Wege Drei Frauen am Schlagzeug

Jazz-Combo in der Friedens-Kapelle in Münster 2014. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster (SMS) Jazz-Schlagzeuger aufzuzählen wird einigen schon schwer fallen. Wie sieht es dann erst mit Schlagzeugerinnen aus? Frauen an diesem Instrument sind immer noch ein ungewohntes Bild. Beim 26. Internationalen Jazzfestival Münster hingegen ist es anders: Gleich drei Schlagzeugerinnen sind beim vom Kulturamt ausgerichteten Festival am Start. Und sie alle sind die Köpfe ihrer Bands.

Aus New York reist Allison Miller an. „Boom Tic Boom“ heißt ihr Band-Projekt, das sie vor acht Jahren gründete. Komplexe Kompositionen, mit Leichtigkeit präsentiert – und in Europa kaum bekannt. In den USA zählt Allison Miller schon lange zu den ganz Großen, hat zahlreiche Auszeichnungen erfahren und wurde drei Mal zur amerikanischen Jazz-Botschafterin des US-Außenministeriums gewählt. Mit ihr am Festival-Samstag auf der Bühne: Jenny Scheinman, eine der besten Violinistinnen des Jazz, Kornettist Kirk Knuffke, Jeff Lederer (Saxofon/Klarinette), Pianistin und Komponistin Myra Melford und Bassist Todd Sickafoose.

Die Töne von Anne Paceo sind jung, frech und voller Energie. „Ich erzähle auf dem Schlagzeug eine Geschichte, ohne dabei Worte zu benutzen“, erklärt sie. Mit ihren Geschichten hat sie die Jazzszene ihrer Heimat Frankreich bereits mächtig beeindruckt. Beim Konzert „Circles“ (Kreise) am Festival-Sonntag erzählt sie von Lebenszyklen: von Geburt, Tod und Wiedergeburt, von Gezeiten, Sonne und Mond. Leila Martial singt dazu, Christophe Panzani spielt Saxofon, Tony Paeleman steht an den Keyboards.

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Die dritte Schlagzeugerin des Festivals kommt aus Werl. Eva Klesse hat die Jury des Westfalen-Jazz-Preises als Musikerin, Bandleaderin und Komponistin überzeugt. In ihrem Preisträgerkonzert am Festival-Samstag mit ihrem seit vier Jahren bestehenden Quartett kann sie zeigen, was die Jury so für sie eingenommen hat: „Eva Klesse ist kreative Gestalterin mit identifizierbarer Handschrift und kongeniale Partnerin zugleich.“

Jazzfestival Münster – ein Ort für Experimente

Das Festival ist immer auch ein Ort für Experimente. Als der künstlerische Leiter Fritz Schmücker in den Niederlanden auf der Suche nach spannenden neuen Bands war, erlebte er bei einem Festival ein Mini-Konzert verschiedener Bands, deren Musiker sich spontan neu formiert hatten. Drei junge Improvisierer fanden sich so auf der Bühne zusammen, zwölf Minuten dauerte ihr Auftritt – und Schmücker wusste sofort: „Die will ich für Münster haben.“ So treffen sich die slowenische Pianistin Kaja Draksler, der Bassist Petter Eldh und der Drummer Christian Lillinger nun am Festival-Sonntag im Kleinen Haus zu einer Uraufführung. Bis auf diese zwölf Minuten haben sie noch kein Konzert zusammen gespielt. www.jazzfestival-muenster.de
(wird fortgesetzt)

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Über Andreas Hasenkamp 6456 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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