Von Schatten und Licht im Advent: Orgelkonzert in St. Agatha

Zuletzt aktualisiert 6. Januar 2021 (zuerst 23. November 2004).

Von Andreas Hasenkamp 23. November 2004 – Münster-Angelmodde. „Vom Licht zum Schatten“ spielte Organist Henk Plas am Sonntagabend die Orgel von St. Agatha in einem adventlichen Rahmen. Eine Kerze in jeder Bank taucht die Kirche mit der ältesten Orgel Münsters in dezentes Licht, Licht und Schatten schaffen eine angenehme, fast familiäre Atmosphäre. Jochen Brück vom „Aktionskreis um 60“ lädt die etwa 60 Zuhörer ein, dem Wechsel von Licht und Schatten, Dunkel und Fröhlichkeit mit den Klängen einer Orgel nachzuspüren. Sie klingt in dem kleinen Raum wie mitten im Kopf gespielt, die verhaltene, tragende Fantasie und Fuge c-moll von Johann Sebastian Bach, die dem Namen „Fantasie“ zum Trotz einer Klage Ausdruck gibt. Den ganzen Klangraum der Orgel nutzt Plas in „Nun komm der Heiden Heiland“, um zunächst in einem den Tenor dieser Adventsmelodie nur andeutenden, dann verhüllenden Werk dem undurchdringlichen Geheimnis der Menschwerdung des Gottessohnes Ausdruck zu verleihen, dann auf einer starken Bass-Melodie die Stärke der Dreieinigkeit Gottes zu symbolisieren. „Wollen wir um eine Zugabe bitten?“ – Das Publikum in St. Agatha beantwortete Jochen Brücks Frage eindeutig, und Organist Henk Plas (v.l.) erfüllte die Bitte gern. Foto: -anh- Eine andere Klangwelt, verspielt mit eigenwilligen Rhythmen und Brüchen, bringt Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate g-moll, die wegen der ständigen Wechsel in Dynamik, Rhythmus und Tempo vom Organisten konzentrierte Genauigkeit verlangt. Mit dem sanften Choral „Jesus meine Freude“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ kehrt der Organist wieder zu Werken des Thomas-Kantors zurück. Etwas wie ein Anklang an die Bachsche Fantasie, ruhig gehalten, aber von Plas mit innerer Dynamik geladen, klingt dann ein Glanzlicht des Abends, das Concerto in G des kaum bekannten, durchaus eigenständigen Christoph Wolfgang Druckenmüller, einem Zeitgenossen Bachs. Druckenmüller lebte von 1687 bis 1741. Erst kürzlich wurde ein Teil seines Werkes zugänglich. Das Publikum zeigte in starkem Applaus seine Freude über dieses Konzert mit dem schlichten, doch stimmungsvollen Rahmen und unerwarteten Elementen. Die Initiative zu diesem gelungenen Konzert hatte der vor zwei Jahren gegründete „Aktionskreis über 60“ ergriffen, der sonst Ausflüge und Museums-Besuche oder einen Computer-Kurs auf die Beine stellt.
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