Der Wolbecker Tiergarten: Geschichte

 Seit September 2004 ist der Tiergarten in Wolbeck offiziell als sog. „FFH- Naturschutzgebiet“ ausgewiesen („Flora, Fauna, Habitat“). Anlass genug, einen Blick auf die Geschichte dieses Waldes zu werfen.

Vom Rest eines Urwaldes zum Jagdrevier des Bischofs

Der Tiergarten ist der Rest eines Urwaldgebietes. Als die Fürstbischöfe Münsters in Wolbeck auf dem Schloß oder „Amtshaus“ residierten, diente der Wald als bischöfliches Jagdrevier. Schon Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zu Gracht (1707 – 1718) ließ 1712 im Tiergarten ein Jagdschlösschen bauen. Sein Nachfolger Bischof Clemens August Herzog von Bayern (1719 – 1761) ließ einen Kreuzweg schlagen und mit Wall und mit Graben umgeben.

Tiergarten: Hege und Pflege

Diese Einzäunung umfasste auch den Teil des Waldes, der durch die Angel abgetrennt war, das „Kellingholz“. Dort, wo die Einzäunung den Waldbach durchschnitt, waren „Klappen“ angebracht, die vom fließenden Wasser bewegt wurden, ohne es zu stauen. Das Wild konnte somit auch dort den Wald nicht verlassen. Aus dieser Zeit stammt wohl der Name „Tiergarten". Bischof Clemens August I. war leidenschaftlicher Jäger.

Pflege von Wild und "Tiergarten"

Zur Pflege des Wildes war ein Wildhüter angestellt, der die etwa 100 Hirsche und 500 Wildschweine fütterte. Der Wildhüterkotten – später Hof Hengstebeck und dann Hof Markfort -, lag am Ende des östlichen Kreuzweges. Dieser Hof diente auch zum Abschießen des Wildes, das dem Bischof bis unter das Fenster zugetrieben wurde. Nachdem der Nachfolger des Fürstbischofs Clemens August I., Maximilian Friedrich Graf von Königsegg 1767 das im siebenjährigen Krieg beschädigte Wolbecker Schloss abbrechen ließ und Wolbeck als Residenz aufgab, übernahm 1783 Clemens August Elberfeld die Instandsetzung des Tiergartens, der Einzäunung und die Anpflanzung einer Apfelallee sowie die Fütterung des Schwarz- und Rotwildes und der Rehe.

Säkularisation: der Tiergarten fällt an Preußen

Aus dem 18. Jahrhundert ist überliefert, dass zu jener Zeit die letzten Störche in Wolbeck auf einer Eiche im Tiergarten genistet haben sollen. 1803 starb Clemens August Elberfeld und wurde in der Nikolai-Kirche beigesetzt. Im selben Jahr erfolgte die „Säkularisation“, d.h. die staatliche Einziehung von Kirchengut. Das fürstbischöfliche Eigentum und somit auch der Tiergarten fiel an das Königreich Preußen. Dieses sandte als ersten königlich preußischen Oberförster den in Cleve stationierten Forstbeamten Hollweg nach Wolbeck, der das Jagdhaus im Tiergarten bezog.

In jener Zeit war der preußische General Blücher (1742-1819) Militärgouverneur in Münster. Auch er liebte die Jagd und machte mit seinen Offizieren dem Hochwild ein Ende. Danach wurde die Einzäunung abgebrochen. Damit sich im geschichtsträchtigen Tiergarten die Tier- und Pflanzenwelt heute ungestört entwickeln kann, bittet die Forstverwaltung darum, die aufgestellten Schilder zu beachten.

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