Sparclub mit Klavier und Rilke

Münster-Wolbeck. Nun wird der älteste Sparclub Wolbecks 60 Jahre alt. Von den Gründungsmitgliedern lebt noch Brigitte Sasse, geborene Mentrup, die am Freitag gemeinsam mit ihrer Schwägerin Christel Mentrup einen Blick auf Dokumente und Fotos warf. So hatte sie ein Foto ausgegraben, dass einige Spar-Clübler auf ihrem ZiBoMo-Wagen zeigt – im Hintergrund, unübersehbar, ein vergrößerter Sparkasten mit den kleinen Schlitzen für die möglichst regelmäßigen Einzahlungen. Im Vordergrund offensichtlich ausgelassen tanzende Karnevalisten – erkennbar an der Bewegungsunschärfe.

In den Fünfzigern stand das Gründen von Sparclubs hoch im Kurs, 1956 regte Alfons Mentrup, Hauptkassierer der Kreissparkasse Münster, andere Alteingesessene dazu an. Zum Vereinslokal wurde die Gaststätte seines Bruders Heinrich hinter der Kirche St. Nikolaus. Schnell waren die Sparfächer besetzt.
Die Beköstigung bei den Auszahlungsabenden sei nach sparsamen Anfängen immer und immer aufwändiger geworden erinnert sich Brigitte Sasse. Weit stärker ist die Erinnerung an das Mitmachen beim Karneval und an die Feiern beim Auszahlungstag: „Da gab es richtig Programm“, sagt Sasse: Es wurde gesungen, Sasse saß schon mal am Klavier und der Landwirt Ignatz Schwegmann rezitierte Rilke. „Der konnte das ganz toll.“ Die Geselligkeit, sagen beide Frauen, schätzten sie besonders.

Erster Vorsitzender war Paul Rickert, früh waren dabei Otto Fong, Alfons Mentrup, Hermann Siebeneck, Josef Dittrich, Anton Fresmann, Wilbert Genius, August Diekrup, Hermann Ringbeck, Egon Bröskamp, Clemens Hülsmann, Ilse und Franz Forsthove, die Vereinswirtin Else Mentrup mit ihrer Tochter Brigitte und andere: „Män drin“ nannnten sie den Soparclub. Etliche Damen gründeten aus dem Sparclub heraus einen Kegelclub.
Austritt und Neueintritte gab es seither viele; 2002 schloss die Gaststätte Mentrup, der Club wechselte in die „Kiepe“. Am Montag bricht „Män drin“ zu einer Fahrt in die Brauerei Potts auf – im Jubiläums-Jahr gibt es mal keinen Radausflug.
17 oder 18 Mitglieder habe der Sparclub jetzt, sagt Mentrup, der Sparkasten habe 24 Fächer – „es können noch welche dazukommen“

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