Salonorchester der Westfälischen Schule für Musik bleibt Besucher-Magnet

Sendenhorst. Für manche Veranstaltungen muss man keine Werbung machen: Die ersten Anfragen nach Karten für das Neujahrskonzert des Salonorchesters der Westfälischen Schule für Musik erreichten den Förderverein Haus Siemann schon im Sommer 2006. Die lange Vorfreude auf einen der gut 150 Sitzplätze in Haus Siekmann wurde  am Sonntagnachmittag eingelöst.

Beachtliches Niveau, Bravos für Solisten

Viele Stücke waren die üblichen, eben gern gehörten Stücke – so die Tick-Tack-Schnellpolka von Johann Strauß und als Zugabe Numero Zwei, der Radetzky-Marsch. Das Orchester stemmte auf beachtlichem Niveau die 2. Ungarische Rhapsodie von Franz von Liszt, wobei besonders die kecken Bläser positiv zur Geltung kamen. Köstlich die Persiflage aus der Feder von Siegfried Ochs: Wie J. S. Bach, Mozart, Johann Strauß, Brahms, Verdi und Wagner wohl „S’kommt ein Vogel geflogen“ vertont hätten, hat er stellvertretend in Partituren gebannt. Gefugt, verspielt, ekstatisch, mit einem Überschuss dröhnender Metaphysik beladen – köstliche Variationen und ein Leckerbissen, je besser man die großen Komponisten kennt. Die Geigerin Freya Deiting erntete Bravos für ihre Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate, in denen sie sich auch in den höchsten Lagen sicher zeigte. Auch der vierte und letzte k&k Hofballmusikdirektor Carl Michael Ziehrer war zu hören, Gershwins „Amerika“, Weisen von Fucik, Sinding und Mihaly sowie als erste Zugabe Marshall Ross’ „Marching Strings“.

Cieschek gab in Eilenbergs „Petersburger Schlittenfahrt“ das Pferd – mit dem Tambourin –  führte durch das Programm und die schönsten Anekdoten aus zwanzig Jahren.

Salonorchester Münster

Das Salonorchester ist die langlebige Frucht eines als kurzlebig eingeschätzten Experiments. 1986 gründete Karlheinz Cieschek das Salonorchester. Der geborene Sudetendeutsche hatte in Würzburg studiert, dann zog es ihn in die seinem Studienort in vielem ähnliche Bischofsstadt Münster. Bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren spielte der Bratschist im Symphonieorchester der Städtischen Bühnen Münster. In der Stadt, als deren „Fan“ er sich bekennt, fehlte ihm allerdings die Salonmusik, die beschwingte Unterhaltungsmusik der Jahrhundertwende.
So wagte er 1986 das Experiment Salonorchester, Nach einem halben Jahr würde das Experiment wohl zu Ende gehen, erwartete er. Der Zeitgeist, so schien ihm, sprach zu sehr dagegen. „Wenn man damals mit der Geige über den Schulhof ging, galt das schon als bedenklich“, erzählte Cieschek, der auch Lehrer an der Westfälischen Schule für Musik ist, in Haus Siekmann.
Doch das Echo war positiv, das Repertoire spannte immer weitere Bögen um Werke von Mozart, Strauß, Léhar, Lincke und viele andere. Das Salonorchester trat in Fernsehen und Rundfunk auf, gewann gar für die Stadt Münster einen Kulturpreis, wo man mit Bochum, Wuppertal und Mannheim im Wettbewerb stand. Etwa 300 Auftritte hat Cieschek gezählt. Auch bei der Weltausstellung in Lissabon spielten die Musiker. Die meisten Mitglieder des Orchesters sind Schüler der Schule, haben aber einen normalen Beruf. Die Palette reicht vom Oberamtsrat über den Kieferorthopäden bis zum Kulturmanagement. Freya Deiting, die 1. Violine und Stehgeigerin des Ensembles, studierte Geige. Ein Gründungsmitglied spielt noch mit, Kontrabassist Matthias Bernsmann ist ein Jahr dabei.
Das Programm vom Sonntag hatte das Salonorchester für sein 20. Jubiläum erarbeitet und 2006 im Erbdrostenhof aufgeführt. Nun kam es nach Sendenhorst, zum dort zehnten Auftritt. Hinter den Kulissen dachten Cieschek und Jürgen Krass vom Förderverein Haus Siekmann noch am Abend über eine Ausweitung der Auftritte nach.

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