Projekte der Schulpolitik in Ruhe weiterführen

Zuletzt aktualisiert 6. Januar 2021 (zuerst 18. April 2004).

Von Andreas Hasenkamp 18. April 2004.- Münster-Wolbeck. Sieben Gäste kamen zum schulpolitischen Gespräch mit Elmar Schulz-Vanheyden, Staatssekretär im Ministerium für Schule, Jugend und Kinder.

Düsseldorfer Staatssekretär bei lebhafter Diskussion in Wolbeck

Die Gäste und der Vorsitzende des Ortsvereins der Wolbecker SPD, Josef Geller, und sein Stellvertreter Kurt Pölling befassten sich am 18. April 2005 in der Gaststätte Sültemeyer intensiv gute zwei Stunden mit vielen Facetten des Themas Schulpolitik.

Eine dem Staatssekretär höchst willkommene Gelegenheit, Dingen im kleinen Kreis im Gespräch sachlich auf den Grund zu gehen und Anregungen nach Düsseldorf weiterzureichen, wohin er täglich von Angelmodde aus pendelt. Schulz-Vanheyden kennt Münster als Schüler und Lehrer sowie aus der Schulverwaltung und ist Mitglied des SPD-Verbands Wolbeck.

Der neue Zuschnitt des Ministeriums sei sehr nützlich, stärker als bislang ganzheitlich auf Belange von Kindern und Jugendlichen einzugehen, eine „Politik aus einem Guss“ zu betreiben. „Es sind immer dieselben Kinder und Jugendlichen, ob in Kindergarten, Schule oder in der Freizeit.“ In Deutschland sei die Einteilung in Schubladen noch stark, die Träger hätten häufig wenig miteinander zu tun. Ziel sei, jedem soviel an Kompetenz mitzugeben, dass er sich selbst in Beruf und Gesellschaft bewegen kann und nicht auf Dauer abhängig bleibt. Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und individuelle Förderung seien für ihn die leitenden Werte.

Der Staatssekretär, zu Gast im eigenen Ortsverband, hört gern mal zu: Josef Geller, Staatssekretär Elmar Schulz-Vanheyden, Kurt Pölling (v.l.).
Der Staatssekretär, zu Gast im eigenen Ortsverband, hört gern mal zu: Josef Geller, Staatssekretär Elmar Schulz-Vanheyden, Kurt Pölling (v.l.). Foto: A. Hasenkamp.

Es komme darauf an, die in Deutschland besonders ausgeprägte Schere zwischen Bildungsgewinnern und –verlierern nicht auseinanderklaffen zu lassen. Das könne keine Gesellschaft auf Dauer aushalten. Deutschland sei hierin über Landesgrenzen hinweg nicht sehr erfolgreich gewesen. NRW gehe in kleinen, pragmatischen Schritten voran, die man nun seriös zu Ende führen müsse. Neue Projekte seien nicht geplant. CDU und SPD lägen in wesentlichen Punkten sehr eng beieinander.

Auch die Fragen aus dem Publikum zeigten, wie sehr Schulpolitik zugleich Familie, Beruf und Gesellschaft berührt. Es waren viele Lehrerinnen und Lehrer gekommen, auch Eltern mit Engagement in Klassen- oder Schulpflegschaft.

Die Realität an den Schulen sehe anders aus, so Andreas Hünnebeck, der sich eine grundsätzlichere Beschäftigung mit Schule wünschte. Der Anteil der Lernfaulen sei gewachsen und manche Eltern gleichgültig, berichtete Erwin Köster, stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzender am Gymnasium Mauritz und selbst Lehrer. Von einem anderen Lehrer kam flammende Kritik an der Ausbildungsqualität der Universitäten. Debattiert wurden auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die drastischen Probleme von Unternehmen, geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze zu finden.

Die Lehrerausbildung, so auch Schulz-Vanheyden, solle sich stärker an der Praxis orientieren. Bei den Migrantenfamilien komme man noch zuwenig an die Eltern heran, sorgt sich der Staatssekretär, und verwies auf Ausländer türkischer Abstammung und Aussiedler.

Nach dem offiziellen Schluss diskutierte man in vielen kleinen Gruppen noch weiter.

Andreas Hasenkamp

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