Kinos: Gute Lüftung sorgt für geringe Infektionsrisiken

Presseinformation Fraunhofer-Institut für Bauphysik / 02. Dezember 2021

Ein Kinobesuch bringt Abwechslung in den Alltag und kann gerade in Pandemiezeiten eine schöne Auszeit sein. Um den Film auch entspannt genießen zu können, ist es gut wissen, dass während des Aufenthalts nur ein geringes Infektionsrisiko besteht. Die in Filmtheatern typischen guten Lüftungsanlagen sorgen für eine zügige Abfuhr möglicher infektiöser Aerosole. Dies belegen auch die jüngsten Analysen im Projekt »CineCov«, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Messung der Lüftungssituation und Aerosolausbreitung im Kinosaal »Neues Rex« in München
© Fraunhofer IBPMessung der Lüftungssituation und Aerosolausbreitung im Kinosaal »Neues Rex« in München. Der Einfluss von Besuchern wird dabei durch Wärmelastsimulatoren nachgestellt.
Messung der Ausbreitung von Surrogat-Viren (Modellviren) im Kinosaal »Trifthof« in Weilheim
© Fraunhofer IBPMessung der Ausbreitung von Surrogat-Viren (Modellviren) im Kinosaal »Trifthof« in Weilheim zur Evaluation der Wirksamkeit von Luftreinigungs-maßnahmen.
Kinos: Gute Lüftung sorgt für geringe Infektionsrisiken 1
Das Projekt CineCoV wird mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Die nächste Welle der Corona-Pandemie rollt über Deutschland. Die Menschen fragen sich, wie sie ihre Lebensumgebung sicher gestalten und dem stressigen Pandemie-Alltag auch ab und zu entfliehen können. Das Bedürfnis, Kultur und Entertainment guten Gewissens genießen zu können, wächst: etwa bei einem Kino-Besuch – aber ebenso die Angst vor den Infektionsrisiken. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP haben auf Initiative der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e. V. (SPIO) die typische Lüftungssituation in Kinosälen untersucht. Gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr – unter anderem im Kino »Neues Rex« in München – führten sie umfassende Messungen durch und werteten mittels Simulation verschiedene Szenarien aus. Ergebnis: Die möglicherweise vom Publikum freigesetzten infektiösen Aerosole transportiert die Lüftung zügig ab.

»Die durch Menschen erwärmte Luft steigt nach oben. Speziell die für Kinosäle typische sogenannte Quelllüftung macht sich diesen Effekt zunutze«, bringt Prof. Dr. Gunnar Grün, Projektleiter von CineCov, die Ausgangslage auf den Punkt. »Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass Aerosole und darin enthaltene Viren effektiv abgeführt werden«. In der Konsequenz sinkt das Infektionsrisiko – was sich mit dem kürzlich berichteten geringen Anteil an Warnmeldungen der Luca-App aus Kinos (1,7 Prozent)i sehr gut deckt.

CineCov-Initiator Dr. Thomas Negele, ehemaliger Präsident der SPIO und selbst Kinobetreiber in Straubing, veranschaulicht die Situation: »Für uns ist es kaum nachvollziehbar, weshalb für Kinos wesentlich strengere Zugangsregelungen als beispielsweise für Gaststätten gelten. Die aktuellen wissenschaftlichen Analysen belegen, dass Kinoräume für Menschen sicher und nur mit geringem Infektionsrisiko betrieben werden können. Unser aller Anliegen muss es sein, bereits heute bestmögliche Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft zu standardisieren. Unser Ziel ist daher, dass wir diese schönste Form der Filmkultur für alle noch sicherer erlebbar machen und auch der Politik eine differenziertere Grundlage bieten.«

Raumluft-Hygiene der neuen Generation: Lüftung plus Reinigung

Heute startet eine weitere Messkampagne des Fraunhofer IBP im Kinocenter »Trifthof« im oberbayerischen Weilheim. Nach ersten, vielversprechenden Versuchen mit zusätzlichen Verfahren zur Desinfektion von Luft und Oberflächen werden weitere Alternativen auf deren Wirksamkeit getestet. Mittels Surrogat-Viren (Modellviren) untersucht die Hygiene- und Raumklima-Forschungsgruppe des Fraunhofer IBP, ob bzw. wie viele infektiöse Aerosole im unmittelbaren Umfeld einer Indexperson nachweisbar sind – mit und ohne Luftreinigung. Diese Technologien werden anhand der Tests für den Einsatz in Kinosälen evaluiert. Die Erkenntnisse fließen umgehend in überarbeitete Hygienekonzepte für Filmtheater ein, die mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V. (ASER) in Kooperation entwickelt werden. Mit Agentensimulationen und Werkzeugen der Fraunhofer Singapore und Fraunhofer Austria wird die Besucherführung – beispielsweise durch Foyers und andere Bereiche, in denen Menschen aufeinandertreffen – weiter optimiert. Bei der Implementierung der Hygienekonzepte finden Kinobetreiber Unterstützung in Form einer fachkompetenten Anlaufstelle, um Unsicherheiten hinsichtlich Hygiene, Arbeitsschutz und technischer Umsetzbarkeit zu auszuräumen.
 

Kinos: Gute Lüftung sorgt für geringe Infektionsrisiken 3