Für ein jesuanisches Gottesbild: Lisa Kötter hält ersten Fastenimpuls

Zuletzt aktualisiert 5. März 2020 (zuerst 29. Februar 2020).

Münster-Wolbeck. Hat Gott eine Krämerseele, zählt er wie ein Buchhalter Sünde und gutes, entscheidet die Schlussabrechnung, ob ein Kind geliebt wird? So sah das Gottesbild aus, mit dem sich Lisa Kötter, Mitgründerin von „Maria 2.0“, in ihrer katholischen Erziehung bei der Gewissenserforschung konfrontiert fühlte. Davon handelte ihr Fasten-Impuls, der erste der diesjährigen Reihe in Sankt Nikolaus.

Mit einem Gurkenglas zeigte Kötter, wie das aussah: für Böses ein Karo auf der linken Seite, für gutes Einkauf der rechten Seite. „Und das war dann die Kinderseele, das kleine karierte Herz. Was für ein Gottesbild.“ Wenn man schlechtes ertrug, war das brav, „aber wenn ich meine Ohnmacht herausschrie“ eine Sünde. So sei Gott wie ein Krämer gewesen, vor dem ein Kind um Gunst und Liebe buhlen muss. Vor den Eltern auch. Unrecht schlucken, Bescheidenheit vorspielen. Sei das nicht, fragte Kötter, „zu viel Kreuz, zu wenig Auferstehung?“ „Ich leide, ich glaube – also werde ich geliebt.“ Aber „mit dieser Richtschnur fesseln wir uns.“ An „Menschenmacht, Klerikalismus und männerdominierte Strukturen aus dem 19. Jahrhundert.“ Dabei habe „Jesus uns den Schlüssel gegeben zum Reich Gottes.“

Hier liege eine „neuer Begriff von Freiheit; man solle „Jesus von Nazareth mehr glauben als den Regen machtbesessener Männer“. „Was für ein Blühen könnte sein“, und „dazu braucht es Frauen und Männer.“

Der Pfarrer von St. Nikolaus Münster, Jörg Hagemann, dankte Kötter, forderte sie auf weiterzumachen, „bringen Sie uns durcheinander“, „seien wir jesuanisch, denn das ist unser Fundament“. Auch hierfür gab es kräftigen Applaus im gut besuchten Gottesdienst.

Die Reihe der Fastenpredigten läuft jeweils donnerstags bis zum 26.3. Am 5.3. spricht Professorin Marianne Heimbach Steins vom Institut für christliche Sozialwissenschaft an der WWU Münster. Die Reihe ist Teil des spirituellen Angebots der Fastenzeit, über die ein Faltblatt informiert.

Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich 28 Frauen und 3 Männer im Pfarrsaal, um über weitere Schritte im Sinne von Maria 2.0 in der Gemeinde zu sprechen. Betont wurde dabei, dass die Bewegung eine weltweite sei. Am 8. März führt ein Sternmarsch zum Domplatz, auf dem am 10. Mai eine Mahnwache stattfindet. Um die Anliegen von Maria 2.0 und die Rolle der Frau sichtbarer zu machen, sollen weiße Stoffe benutzt werden, an Menschen und auf Plätzen. Das Treffen organisiert hatten die Donnerstags-Frauen aus Sankt Ida. Ein weiteres Treffen soll es im Anschluss an die nächste Fastenpredigt geben.

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