Musik+: Neues Konzertformat für Jugendliche gelingt im Paulinum Schüler des Paulinum inszenieren "Unterdrückung" mit Hilfe des Sinfonieorchesters Münster

Auch Nationalhymnen erzählen von Unterdrückung und Freiheit: Daraus ein Quiz zu machen war eine von vielen Ideen für „Musik+“ am Paulinum. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster. „Ihr vier durch Tür 3“, „Einmal ganz umdrehen!“, „Zeig deine Tasche“: Zu diesem Konzert mit dem Sinfonieorchester Münster ging es nur vorbei an Security, Schilder mit „Videoüberwachung“, drinnen in der Aula des Paulinums weisen die Schwarzgekleideten barsch die Plätze an, dann schallt es: „Zettel ausfüllen!“, Suchscheinwerfer und Megafon sind im Einsatz.

„Musik+“ heißt das neue Konzertformat für Jugendliche

„Musik+“ heißt das neue Konzertformat für Jugendliche – am Paulinum haben Schüler mit dem Musikpädagogen Jonas Nondorf und Lehrern wie Margarete Sandhäger und Tim Neubert-von der Heyden am Donnerstag das Thema „Unterdrückung“ umgesetzt. „Unterdrückung“ geht auf der Bühne weiter, wo ein Mädchen mit Fußkette Linsen zählt.
Das Orchester spielt den Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco“: das Freiheitsstreben des jüdischen Volkes in Babylon fesselte über 2000 Jahre später eine italienische Nation, die nach Freiheit strebte. Die Moderatoren, die Schüler Lea Weigel und Amaury Backhaus, erklären auch, wie Schostakowitsch unter Stalins Terror seine Systemkritik in der Musik verbarg. Der Geiger spielt Auszüge, die Schüler sind gefordert, sie in der Kammersinfonie op. 110a wiederzuentdecken. Hinter einem fallenden Blatt verbirgt sich Hoffnung und Enttäuschung: der Sänger Gregor Dalal zeigt es an „Die Winterreise“ von Schubert. Geschichte und Botschaften spiegeln auch die Nationalhymnen; die Q2 hat ein informatives Quiz daraus gemacht. Ganz gespielt wird die Marsellaise und die israelische Hatikvah: „wunderbare Musik“, so Backhaus. Die Musiker ernten reichen Applaus – ganz ohne Kommandos. Musik diente auch der Selbstüberhöhung und der Verharmlosung – zur nationalsozialistischen „Wochenschau“ mit Krim-Bericht erklingt Liszt.

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Jugendliche wählten Thema Unterdrückung und Freiheit zum Konzert

Dann entlassen die Moderatoren ihre Mitschüler in die Freiheit: Der Weg führt in den Keller, wo ein Kunstkurs Installationen zu „Freiheit“ ausstellt.

Jugendliche des Paulinum als Moderatoren des Konzerts mit dem Sinfonieorchester Münster. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Es sei „sehr anschaulich“ gewesen, sagt Maximilian Palmes, nämlich, wie „es sich anfühlt, unterdrückt zu werden“, ergänzt Ruben Schmitz. Konstantin Dorndorf, auch aus der 8b ergänzt einige der auf der Leinwand gezeigten Beispiele: DDR, Martin Luther King. Mit dabei war auch das Thema Hereros und Mobbing in der Schule.
Den beeindruckenden Auftakt des Konzertfomats dirigierte Generalmusikdirektor Golo Berg, der das Format über viele Jahre entwickelt und nun in Münster umgesetzt hat. Es soll auch an anderen Schulen Einsatz finden: „Einige haben angebissen“, sagte Berg nach dem Konzert des Sinfonieorchesters Münster für die Unterstufe. Die Kinderkonzerte würden fortgeführt, aber für die Jugend habe es bisher „so gut wie nichts gegeben“  in Münster.

 

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Zum Thema Verbrechen und Erinnerung:

Grosser, Alfred. 1989. Le crime et la mémoire. [Paris]: Flammarion. / Grosser, Alfred. 1990. Ermordung der Menschheit. Der Genozid im Gedächtnis der Völker. München: Hanser.

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Über Andreas Hasenkamp 6411 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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