Sonntags-Soiree mit „Luna Blanca“ – Bocholter zaubern südländisches Flair ins Kunsthaus Angelm

Zuletzt aktualisiert 27. Mai 2015 (zuerst 10. November 2005).

Neue Songs und eine andere, reduzierte Besetzung brachte „Luna Blanca“ am Sonntagabend zur schon traditionellen Sonntags-Soirée in das Kunsthaus Angelmodde mit.

Durch eine Grippe war der Pianist Helmut Graebe kurzfristig ausgefallen. So war die Besetzung von Luna Blanca die ursprüngliche – drei Gitarren und Schlagzeug. Der Pianist war erst später zur 2000 gegründeten Gruppe hinzugekommen. Bei Proben hatte sich gezeigt, dass „die Chemie“ und der Klang bestens zur Gruppe passten. Fortan war Graebe beim New Flamenco dabei, einer Mischung aus Jazz, Pop und Tanzmusik.
Luna Blanca im Kunsthaus AngelmoddeAm Sonntag stellte Band-Leiter Richard Hecks die Auswahl der Stücke um und improvisierte. Die vier aus Bocholt hatten kein Problem, mit variablem Spiel Stimmung und in vielen Stücken Spannung zu erzeugen. Es spielten Richard Hecks, Flamenco-Gitarre, Herbert Schmeinck, Percussions, Michael Müller-Löchte, Rhythmus-Gitarre und Thomas Kemper, Bass-Gitarre.
Einen besonderen Beitrag leisteten die Percussions. Herbert Schmeinck zauberte in „Treasure Bay“ mit der Ocean Drum Südseestrand-Meeresrauschen oder in „Turkish Night“ Regen mit dem „Rain maker“ herbei. Weitere Akzente setzten die Cajón in „Libre Como el Viento“ sowie Rumbakiste, Djembe, Bongo und Bombo. Die recht eigenständige Rolle des Conga-Sets mündete in Soli, die, wie bei „Barcelona Nights“, Spontan-Applaus ernteten.
Ein Höhepunkt an musikalischem Esprit war das Duell von Hecks Konzertgitarre mit Schmeincks Conga-Set in I-AI-DO, inspiriert von japanischer Schwertkampfkunst, die Hecks selbst betreibt. Da scheint sich der Trommler ganz durchzusetzen, bis Hecks die Gitarre als Schlag- und Klopfinstrument nutzt und im Zweikampf auftrumpft. Auch hier verdienter Spontan-Applaus.
Luna Blanca versteht sich auf rhytmisch wie auf melodiös geprägte Stücke wie die neuen Stücke „Salida“ und „Rising Sun“. Besondere erzählerische Spannung entwickelten auf Ottmar Liebert zurückgehende Stücke wie „Hart Still Beating“. Das können die Vier aber auch in der Eigenentwicklung „Island Breeze“, zu der sich Hecks von einer halb vergessenen Melodie zu einer alten Fernseh-Serie über Robinson Crusoe anregen ließ. Immer wieder flocht Hecks virtuose Leckerbissen verschiedenster Klangfarben auf seiner Gitarre ein.
„Luna Blanca“ kommt seit 2002 in jedem Herbst ins Kunsthaus zu einem ihrer wenigen Auftritte. Nicht mehr als fünf bis sechs seien es im Jahr, so Hecks. Im Kunsthaus entstand der „Flamenco Kulinario“ – die Pausen werden für ein mediterranes Büfett genutzt. Alle Band-Mitglieder sind berufstätig und sehen sich als gehobene Hobby-Musiker. Nach vielen Cover-Songs hat die Gruppe zu eigenen Werken gefunden, bleibt aber dem Prinzip des New Flamenco treu. Für die Konzepte stehen Graebe und Hecks. Die neuen Songs werden Bestandteil der nächsten, nach „Odyssee“ und „Magic“ dritten CD-Aufnahme sein.
Der Wintergarten des Kunsthauses mit Fachwerk und Grün gab eine stimmige, die Atmosphäre stützende Kulisse. Die Musiker schätzen die Stimmung und den engen Kontakt zum Publikum in kleineren Räumen wie diesem. Am Sonntag (6.11.2005)  mag es zum trotz fehlendem Piano entspannten, mitreißenden Musizieren beigetragen haben.
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