Existenzgründung: Förder-Rahmen ändert sich zum November 2011

Münster. Gleich acht Existenzgründer nahmen am Donnerstag und Freitag am zweitägigen Gründerseminar teil, dass das Bocholter Institut Gründungsoffensive  in Münster in einem der Tagungsräume des SMC Münster in der Gropiusstraße anbot.

Förderbedingungen verschlechtern sich

Einen dringenden Hinweis gab der Dozent gleich zu Beginn: Den Gründungswilligen blase zunehmend der Förderwind deutlich kälter entgegen. Die Förder-Bedingungen ändern sich voraussichtlich zum 1.11.2011 und damit früher als erwartet, so Diplom-Kaufmann Dr. Stefan Borchert. Eine Änderung betrifft die Bezieher von ALG I: Sie müssen derzeit noch einen Restanspruch von 90 Tagen haben, um den Gründerzuschuss bekommen zu können. Ab November sind es schon 150 Tage. Zudem sinkt die Bezugsdauer. Und auch anderes verschlechtert sich.

Existenzgründung braucht Planung und Zeit

Verwundert zeigte sich Borchert über den politischen Umgang mit der Ich-AG: Die sei recht erfolgreich, doch nun lege die Politik nicht nur die Axt an, sondern „gleich die Kettensäge“.  Nicht so anspruchsvoll seien die Anforderungen an die zu besuchenden Seminare, die das für die Förderung nötige Abschlußzertifikat vergeben dürfen – der Gründer solle aber in seiner Orientierung und Planung im eigenen Interesse sehr sorgfältig arbeiten, mahnt Borchert. Das dauere eben mindestens drei Monate, oft zwölf und mehr. Die Fördermittel könnten nicht der Grund für eine Gründung sein, sondern eine Erleichterung für ein ohnehin tragfähiges Vorhaben.Das war nur ein geldwerter Tipp des zweitägigen Seminars, dass dank des Europäischen Sozialfonds für Deutschland und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für 40 Euro angeboten wird.

Borchert, seit 2004 als freiberuflicher Unternehmensberater tätig, begrüßte fachlich qualifizierte Gründungs-Interessenten aus einem weiten Umkreis: Aus Sendenhorst, Drensteinfurt, Warendorf, Emsdetten und Olsdorf sowie Braunschweig. Ein gestandener Handwerker will einen Hausmeister-Service gründen – nicht gerade der erste, merkt Borchert an: man werde über Alleinstellungs-Merkmale reden müssen, über Scheinselbständigkeit und das Mundpropaganda allein doch „recht viel Zeit“ brauche. Ähnliches hört die Bürokauffrau, die den Trend zum Outsourcing nutzen will. Eine Ärztin, noch in einem Krankenhaus beschäftigt, will sich ganz der Vorbeugung widmen – das werde im Markt nicht nur auf Gegenliebe stoßen, meint Borchert, und spricht in der Pause unter vier Augen schon mal Themen an wie den Einsatz des Doktortitels. Der kann auch stören, grübelt die Ärztin. Zwei Tierärzte wollen in Münster ab 2012 insbesondere Kleintiere verarzten – sie haben selbst schon gesehen, dass für sie der Trend zum Tier als Familien-Mitglied wichtig sein wird.

Seminar: vom Businessplan bis zur Rentabilität

Auch das Erkennen von Trends gehört zum Seminar, ebenso wie Behördengänge und Anmeldungen, Geschäftskonzept, Gründungs- und Rechtsformen, Marketing, Rentabilität, Steuern, Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Einen fachlichen Schwenk will die Diplom-Grafikdesignerin machen – hin zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. Das Feld der Kosmetik und Fußpflege hat eine Einzelhandelskauffrau für sich entdeckt. Da hat sie bereits Erfahrung am Markt gesammelt, ist aber trotzdem gekommen: „Ich lege Wert auf ein zweitägiges Seminar – das bieten nicht alle an.“ Borchert hört’s gern und betont die Rolle des Businessplans – sorgfältig recherchiert sei er der Dreh- und Angelpunkt für den eigenen Entschluss. Außerdem ein Muss für die Förderung und für Finanzierungsgespräche. Die Anforderungen seien hier in den letzten Jahren gestiegen.

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