Corona-Krise: Kindeswohl muss größere Rolle spielen

Kinder- und Jugend-Uni startet zum 4. Mal in Münster 16
Kinder- und Jugend-Uni Münster 2018 auf dem Leonardo-Campus. Fotos: A. Hasenkamp.

Forderung der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke 

(pm) „Die Situation von Kindern muss eine größere Rolle spielen, wenn die Ministerpräsidenten der Länder in dieser Woche über weitere Lockerungen im Rahmen der Corona-Pandemie beraten“, fordert Margitta Behnke, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke. „Die Bedürfnisse der Jüngsten werden noch immer nicht ausreichend berücksichtigt. Das Kindeswohl kann nur dann wirklich geschützt werden, wenn es zur Richtschnur politischer Entscheidungen wird. Und wenn diejenigen, die für Kinder und Familien da sind, politische und finanzielle Unterstützung erhalten.“

Die aktuelle Situation macht deutlich, dass die knapp 32.000 Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland mit ihren mehr als 250.000 Beschäftigten auch selbst bessere Rahmenbedingungen und Unterstützung benötigen. „Denn Familien sind dringend auf diese Hilfen angewiesen“, sagt Behnke.

„Der Situation von Kindern und Familien kommt in der politischen Debatte noch immer nicht die Bedeutung zu, die sie haben sollte – auch wenn Bildungseinrichtungen nun schrittweise wieder geöffnet werden und auf Spielplätzen wieder Leben einkehrt. Zahlreiche Familien, gerade mit kleinen Kindern, sind noch immer auf sich gestellt. So entstehen weiterhin Risiken für Kinder“, betont Margitta Behnke. „Viele Familien sind am Limit. Sie stehen seit Wochen unter Druck. Das birgt ein enormes Potential für sexuelle, körperliche und andere Formen der Gewalt. Gerade jetzt ist es deshalb wichtig, dass Eltern und Kinder Anlaufstellen finden. Denn sie sind von den psychosozialen Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen“, unterstreicht Behnke.

Dass ambulante Unterstützungsangebote durch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen der Lockerungsmaßnahmen wieder möglich sind, begrüßt die Geschäftsführerin der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke daher ausdrücklich: „Wir sind froh, dass wir in unseren Mitgliedsvereinen nach und nach wieder persönlich für Familien da sein können.“

Auch für die stationären Einrichtungen der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke ist die Corona-Krise herausfordernd. „Der Betreuungsbedarf hat sich in unseren Kinderdörfern und Wohngruppen enorm vervielfacht. Zudem müssen unsere pädagogischen Fachkräfte den Ausfall von Kita und Schule, von Therapie- und Förderstunden auffangen. Jugendämter sind in vielen Regionen schwieriger zu erreichen, Schutzkleidung fehlt“, so Behnke weiter.

Für die betreuten Kinder und Jugendlichen stellen Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen drastische Einschnitte in ihrer Lebenswirklichkeit dar. Nicht nur fällt für sie die gewohnte Tagesstruktur weg, die gerade für traumatisierte Kinder unheimlich wichtig ist. Viele Kinder, die in einem Kinderdorf oder einer Wohngruppe aufwachsen, haben neben Kindergarten- und Schulfreunden auch ihre Angehörigen bereits seit Wochen kaum oder gar nicht gesehen. Die Politik muss daher auch diese Bedürfnisse in den Blick nehmen, wenn es darum geht, die Maßnahmen im Kontext der Corona-Pandemie anzupassen.

Für Ihre Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gern zur Verfügung und vermitteln gern Ansprechpartner*innen für Interviews oder Hintergrundgespräche. Schreiben Sie uns an kommunikation@albert-schweitzer.de.

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