Ortsumgehung Wolbeck: Geschichten von Plänen und Hindernissen

Münster-Wolbeck. Die Geschichte der Ortsumgehungspläne für Wolbeck – da war am Freitag auch für alteingesessene Wolbecker und Angelmodder Neues und Überraschendes dabei.

Viele ältere, unrealisierte Pläne für Ortsumgehung für Wolbeck

Wer die jetzigen Bauten schon gewaltig finde, werde über die früheren Pläne mit den Ohren schlackern, kündigte der Referent Siegfried Kurz an und versprach nicht zu viel. Viel ging es um Autobahn-Trassen: viel geplant, wenig realisiert. Ein Autobahn-Kreuz nahe Stapelskotten wurde geplant  – und verworfen: es hätte die Ausdehnung Münsters behindert. Manches verschwand, als die Planer die Kosten berechnen. So auch der riesige Flughafen – Vorbild Frankfurt am Main – der hinter Albersloh geplant war und bis Warendorf gereicht hätte. Ein Teil von Albersloh wäre verschwunden. Und viele vielspurige Straßen wären entstanden, als Zubringer. Was wäre von Wolbeck geblieben? Kurz machte greifbar, warum die Pläne für Flughafen, Autobahnen und für regionale Projekte immer wieder die Pläne einer Ortsumgehung ins Stocken brachten. Für Jahrzehnte.

Erster Ortsumgehungs-Plan geht auf das Jahr 1925 zurück

Der erste Plan stammt aus dem Jahr 1925. Erst 1999 gab Ministerpräsident Wolfgang Clement den Startschuss, das Planfeststellungsverfahren nahm seinen Gang. Mehrspurig wäre es nach einem Plan auch in Wolbeck selbst zugegangen – in der Franz-von-Waldeck-Straße: Da wäre das Haus gegenüber der Volksbank abgerissen worden. Die evangelische Kirche auch. Ein anderer Plan sah vor, eine Häuserreihe westlich der Münsterstraße zu beseitigen. Geplant und über mehrere Monate getestet wurde ein Einbahnstraßen-System. Der Verkehr sank um zehn Prozent. Teils kurios waren die Vorgänge in der lokalen Politik: Die Abstimmung in der Bezirksvertretung fiel positiv aus, so Kurz, doch die gleichen Bürger organisierten als nächstes Bürgerinitiativen dagegen.

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Geschichte der Ortsumgehung Wolbeck gebündelt

Friedrich Kurz – „Straßen haben mich schon als Kind fasziniert“ – brachte das Kunststück fertig, aus der Fülle der Pläne, ihrer Hintergründe, der Gründe für ihr Scheitern und ihrer Zusammenhänge in weniger als einer Stunde Wesentliches herauszuarbeiten. Kräftig war der Applaus der gut fünfzig Gäste für diese Leistung. So etwas „Profundes“ habe er dazu noch nicht gehört, lobte ihn Rolf Linnemann, ein Kenner der Ortsgeschichte und Mitglied im letzten Gemeinderat Wolbecks vor der kommunalen Neuordnung. Kurz bekannte trotz allen Wissens, er habe noch viele Fragen: „Was ist da gelaufen?“.
Josef Leifert, Vorsitzender des Heimatverein, der den Vortrag  organisiert hatte, zog eine Quintessenz: „Es hätte alles viel schlimmer kommen können.“

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