„Menschen, Bilder, Orte – 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

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Zuletzt aktualisiert 6. Mai 2021 (zuerst 4. Mai 2021).

Wanderausstellung gastiert im LWL-Landeshaus in Münster

Münster. Die LWL-Kulturstiftung holt die Wanderausstellung „Menschen, Bilder, Orte – 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nach Münster und präsentiert sie für sieben Wochen (6.5.-25.6.2021) im Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Damit gastiert die Ausstellung an ihrer zweiten Station. Vier Veranstaltungen bieten begleitend dazu Begegnungen mit Kulturschaffenden der Region, die sich in ihren Projekten jüdischer Kultur widmen. Eine digitale Eröffnung am Mittwoch (5.5.) um 17 Uhr bildet den Auftakt für das Programm. Die Ausstellung wird vom MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln kuratiert und von der Stiftung mit fast 100.000 Euro gefördert.

„In der Ausstellung machen wir Begegnungen mit unserer gemeinsamen Geschichte möglich. Und die Ausstellung soll den Wunsch nach Begegnungen mit Menschen wecken, die heute jüdisches Leben in Deutschland gestalten – zum Beispiel in den Projekten, die alle elf jüdischen Gemeinden in Westfalen mit uns umsetzen“, so LWL-Direktor Matthias Löb.

Die Ausstellung ist ein Höhepunkt im Programm der LWL-Kulturstiftung, die anlässlich des bundesweiten Festjahres „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ 24 Kulturprojekte unter einem Förderschwerpunkt bündelt. Anhand ganz unterschiedlicher Biografien und Bilder erzählt die Schau vom vielfältigen jüdischen Leben und jüdischer Kultur im deutschsprachigen Raum seit Konstantin dem Großen. Das von ihm im Jahr 321 erlassene Gesetz besagte, dass Juden reichsweit in den Provinzhauptstädten im Römischen Imperium von nun an in den Stadtrat berufen werden konnten. Diese früheste Quelle belegt die Existenz jüdischer Gemeinschaften nördlich der Alpen.

Fünf Orte in Nordrhein-Westfalen bereist die Ausstellung bis Ende des Jahres und beschreibt damit eine Route, die die zwei Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe miteinander verbindet. „Als Herzstück unserer Zusammenarbeit mit dem LVR ist sie wie ein roter Faden, der sich durch das Jahr zieht und an dessen Spur entlang wir gemeinsam immer wieder und immer an anderen Orten deutliche Zeichen setzen gegen den erstarkenden Antisemitismus“, so Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Mitglied im Vorstand der LWL-Kulturstiftung.

In vier Kuben greift die Ausstellung Themen wie Recht und Unrecht, Leben und Miteinander, Religion und Geistesgeschichte sowie Kunst und Kultur auf. Durch multimediale Einbindungen von Videos, Musik, Fotos und biografischen Zeugnissen konkreter Personen setzt sie auf die intuitiv und emotional geleitete Annäherung an die vielfältige jüdische Lebenskultur im deutschsprachigen Raum.

„Der Schlüsselbegriff ist für mich jedoch die Zukunftsfähigkeit: Jüdisches Leben in unserer heutigen Gesellschaft muss etwas Selbstverständliches werden, Denkweisen wie „Die Juden und die Deutschen“ müssen endlich abgelegt werden“ betont Dr. Thomas Otten, Direktor des MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier.

Individuelle Lebenswege stehen für markante Ereignisse und Epochen jüdischer Geschichte und weiten die Perspektive auf den europäischen Raum aus. Bewusst liege der Fokus auf der Alltagsgeschichte, erläutert Dr. Laura Cohen, Kuratorin, die Dramaturgie der Ausstellung. „Uns ist es wichtig, immer auch das heutige jüdische Leben in den Blick zu nehmen, denn es handelt sich nicht um eine rein rückwärtsgewandte Betrachtung. Jüdisches Leben war, ist und bleibt lebendiger Bestandteil unserer Gesellschaft.“ Ausgehend von Kölner Bürger:innen wie Abraham von Oppenheim, Isaac Offenbach, David Levy-Elkan, Leonhard Tietz, Max Bodenheimer, David Wolffsohn, Fritz Deutsch, Richard Stern oder Edith Stein werden für den Blick auf einen gesamtdeutschen Kontext weitere wichtige Persönlichkeiten für die Meilensteine in Geschichte und Politik dieser 1.700-jährigen Tradition vorgestellt: stellvertretend Moses Maimonides, Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Fanny Hensel, Regina Jonas, Leo Baeck, Heinrich Graetz, Louis Lewandowski, Hans Samuel, Friedrich Hollaender und Heinrich Böll.

Die Veranstaltungen in Münster
Vier Veranstaltungen knüpfen an das jüdische Leben in Westfalen-Lippe an, Führungen in der Synagoge Münster befassen sich ganz konkret mit der aktuell am Ausstellungsort lebenden jüdischen Gemeinschaft. Dafür konnte die LWL-Kulturstiftung in Kooperation mit ausgewählten Kulturakteur:innen, Förderpartner:innen und der Jüdischen Gemeinde Münster ein Potpourri aus Podiumsgespräch, Film, Vortrag, Lesung sowie Führungen erstellen.

Digitale Eröffnung mit Podiumsgespräch
Mittwoch, 05. Mai, 17 Uhr
Nach der Begrüßung und Eröffnung durch Matthias Löb, LWL-Direktor und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung, und dem Grußwort von Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, ist Journalistin Shelly Kupferberg im Gespräch mit Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Vorstandsmitglied der LWL-Kulturstiftung, Dr. Thomas Otten, Direktor MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, Andrei Kovacs, Leitender Geschäftsführer des Vereins „321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Alexander Sperling, Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe und Dr. Kathrin Pieren, Leiterin Jüdisches Museum Westfalen.
Streaming-Link: https://bit.ly/2021Wanderausstellung

Film
Mittwoch, 19. Mai 2021, 19.30 Uhr
„Die Blumen von gestern“ (Deutschland/Österreich 2016, ab 12 J., 125′)
In Kooperation mit Die Linse – Verein zur Förderung kommunaler Filmarbeit e.V. und LWL-Medienzentrum

Vortrag
Mittwoch, 16.06., 19 Uhr
„Eine vergessene Synagoge von 1633. Zur wechselvollen Geschichte des Gebäudes Bruchmauerstraße 37 in Detmold“.
Ein Vortrag von Peter Barthold, Bauforscher der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

Lesung
Donnerstag, 24.06., 17 Uhr
„Um zu erleben, was Geschichte ist, muss man Jude sein“. Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Jenny Aloni (1917-1993)
Eine dialogische Lesung mit Carsten Bender und Walter Gödden. In Kooperation produziert von GLOSTER und Literaturkommission für Westfalen

Führungen in der Synagoge Münster
Im Rahmen der Wanderausstellung bietet die Jüdische Gemeinde Münster einstündige Führungen in ihrer Synagoge im Gemeindezentrum an:

Dienstags, 10-11 Uhr
Donnerstags, 17-18 Uhr
(außer am 13., 18. und 24. Mai, 3. Juni)

Der Treffpunkt ist jeweils 15 Minuten vor Beginn vor dem Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Münster (Klosterstraße 8 – 9, 48143 Münster). Eine verbindliche Anmeldung ist bis spätestens einen Tag vor der Führung (12 Uhr) erforderlich: Telefon 0251 44909 oder per Mail jgmmst@t-online.de

Alle Ausstellungsstationen
Alte Synagoge – Haus jüdischer Kultur, Essen, 3. März – 27. April 2021
LWL-Landeshaus, Münster, 6. Mai – 25. Juni 2021
LVR-Landeshaus, Köln, 2. Juli – 12. August 2021
LVR-Niederrheinmuseum, Wesel, 18. August – 15. Oktober 2021
Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, 24. Oktober – 12. Dezember 2021

Ausstellungsinformationen
Geöffnet ist die Ausstellung im LWL-Landeshaus von montags bis freitags 10-17 Uhr, ausgenommen an Feiertagen. Der Eintritt ist frei. Zu beachten sind bei dem Besuch die jeweils tagesaktuell geltenden Coronaschutzverordnungen des Landes NRW. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über etwaige Einschränkungen unter: https://www.lwl-kulturstiftung.de