Die WWU als Wunsch-Universität in Ägypten Gastbeitrag von Mohammed Tharwat über die Einflüsse der münsterschen Islamischen Theologie

Mit seiner regelmäßigen Kolumne in der ägyptischen Zeitung “Stimme der Nation“ erreicht der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie, Prof. Mouhanad Khorchide, ein Millionen-Publikum. Der Chefredakteur der Zeitung, Mohammed Tharwat, schildert in einem Gastbeitrag für den Newsletter der WWU-Münster das Ansehen und die Bedeutung der WWU:

Als Journalist interessiere ich mich für viele aktuelle Debatten und gesellschaftliche Herausforderungen – ich verfolge alle Ereignisse in meinem Heimatland Ägypten und rund um den Globus mit großer Aufmerksamkeit. Dabei interessieren mich bildungspolitische Debatten über die islamische Theologie ganz besonders. Deswegen weiß ich, dass es in Deutschland die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) ist, die sich in Studium und Lehre sehr intensiv und erfolgreich mit dem Islam beschäftigt.

Das erste Mal habe ich während der Abschlussveranstaltung eines Graduierten-Kollegs von der WWU erfahren. Einige Studierende führten seinerzeit eine Meinungsumfrage zum Thema „Studium im Ausland“ durch und fragten beispielsweise ihre ägyptischen Kommilitonen nach ihrer Wunsch-Universität im Ausland. Viele von ihnen wählten die Universität Münster und begründeten ihre Entscheidung mit der Fächervielfalt sowie der qualitativ hochwertigen Ausrichtung vieler Studienprogramme der WWU – sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil des Studiums. Das ist für den aktuellen ägyptischen Arbeitsmarkt besonderes relevant. Als wichtigen Indikator gaben sie zudem das vielfältige und abwechslungsreiche Studentenleben an, das viele kulturelle und sportliche Angebote bereithält.

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Einige Wochen später besuchte ich ein Seminar der komparativen Theologie an der Universität von Zaqaziq im östlichen Nildelta. Die Teilnehmer diskutierten über das Bild des Islams in den westlichen Medien. In diesem Zusammenhang sprachen sie auch über die Arbeit von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, dem Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der WWU, den ich bereits kannte. Die Studierenden des Seminars waren entsprechend ihrer Überzeugungen in zwei Gruppen unterteilt. In einer hitzigen Debatte waren es vor allem konservative Muslime und Salafisten, die die Ansichten und Thesen von Mouhanad Khorchide stark kritisierten. Die andere Gruppe befürwortete religiöse Reformen und unterstützte den Diskurs von Mouhanad Khorchide. Ich war jedenfalls sehr beeindruckt davon, dass es der Leiter eines deutschen und somit weit entfernten Islam-Instituts war, der diese Debatte angeregt hatte. Seitdem setze ich mich intensiv mit der Arbeit und den Thesen von Mouhanad Khorchide auseinander.

Das dritte Mal wurde ich auf die Universität Münster und das Zentrum für Islamische Theologie aufmerksam, als ich im Dezember letzten Jahres die Ankündigung eines Vortrags von Mouhanad Khorchide an der Fakultät Daru-l-ulum (Haus der Wissenschaft) der Universität Kairo sah. Dieser Vortrag war meiner Ansicht nach aus zwei Gründen von großer Bedeutung. Erstens: Diese Fakultät wurde bis vor kurzem von fundamentalistischen Studierenden und Professoren dominiert, die ein militantes Islamverständnis propagierten. Es war wichtig, dass sie alle die moderaten und auf Barmherzigkeit ausgerichteten Thesen von Mouhanad Khorchide zur Kenntnis nehmen mussten. Zweitens: Der direkte Austausch von Angesicht zu Angesicht stärkt das Vertrauen in die Wissenschaft – speziell in diesem sensiblen Bereich. Nach seinem Vortrag scharrten sich viele Studierende um Mouhanad Khorchide. Das war für mich sehr beeindruckend und gibt mir und vielen anderen Menschen die Hoffnung, weitere Reformen im Islam mitzuerleben.

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Auch nach seinem Besuch in Kairo hat Mouhanad Khorchide einen festen Platz in der medialen Berichterstattung über Positionen, Ansichten und Herausforderungen der islamischen Theologie. In einer regelmäßigen Kolumne in der unabhängigen ägyptischen Zeitung „Stimme der Nation“ veröffentlicht er seine Beiträge. Die Google-Statistiken belegen, dass seine Artikel zu den meist gelesenen Beiträgen in der arabischen Welt gehören. Seine Kolumne provoziert viele Leser-Kommentare – manche pflichteten ihm bei, andere teilten seine Meinungen nicht. Das Wichtigste ist jedoch, dass ein Professor aus Münster einen wichtigen Diskurs angestoßen hat, an dem sich viele Menschen friedlich beteiligen.

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Über Andreas Hasenkamp 6472 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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