Ernst-Hellmut-Vits-Preis an Ute Frevert verliehen

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Universitätsgesellschaft Münster ehrt Historikerin für wegweisende Forschung

Die Universitätsgesellschaft Münster hat der Historikerin Prof. Dr. Ute Frevert bei einem Festakt in der Aula des Schlosses den mit 20.000 Euro dotierten Ernst-Hellmut-Vits-Preis 2020 verliehen. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichte die in Berlin lebende Wissenschaftlerin zahlreiche wegweisende Arbeiten zur „Geschichte der Gefühle“ von Individuen und in Gemeinschaften. „Sie leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass Wissenschaft und Gesellschaft im Gespräch bleiben – sie ist eine in jeder Hinsicht würdige Preisträgerin“, betonte Laudator Prof. Dr. Ulrich Pfister vom Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Was fasziniert Ute Frevert eigentlich so sehr an Emotionen? „Gefühle sind die verlässlichsten Träger unserer Erinnerung“, unterstrich die stellvertretende geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in ihrem Festvortrag. Aufgrund der Coronapandemie hatte sich die Universitätsgesellschaft im vergangenen Jahr dazu entschlossen, die Preisverleihung in das Jahr 2021 zu verlegen.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Universitätsgesellschaft Münster, Dr. Paul-Josef Patt, würdigte die „herausragenden Leistungen“ der Preisträgerin. „Der Preis fügt sich nahtlos in die Reihe weiterer besonderer Ehrungen, die Ute Frevert in ihrer bemerkenswerten Vita zuteil wurden“, sagte WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels. Als Beispiel nannte er den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, den die Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ihr im vergangenen Jahr verliehen hatte.

Ute Frevert prägte in den vergangenen Jahren die sogenannte Emotionsgeschichtsforschung. Ihre Erkenntnisse in der Sozial-, Kultur- und Politikgeschichte der Moderne, zur Geschichte der Gefühle und Geschlechtergeschichte wurden in 19 Monografien, 14 Herausgeberschaften sowie einer Vielzahl von Aufsätzen veröffentlicht. Darüber hinaus ist die 67-Jährige Mitherausgeberin der Zeitschrift „Geschichte und Gesellschaft“. 1998 verlieh ihr die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis, im Jahr 2018 zeichnete die finnische Universität Tampere sie mit der Ehrendoktorwürde aus.

Die Erkenntnisse aus der Wissenschaft nutzt Ute Frevert, um Stellung zu aktuellen Themen zu beziehen, beispielsweise zur Verrohung im gesellschaftlichen und politischen Umgang miteinander oder zu Konsequenzen von öffentlichen Demütigungen. In ihrem 2019 veröffentlichten Buch „Kapitalismus, Märkte und Moral“ wirft sie die Frage auf, inwieweit moralische Gefühle wie Solidarität, Empathie, Fairness und Gerechtigkeit die kapitalistische Ordnung herausfordern und verändern können. In der Rolle einer „public intellectual“ beteiligt sie sich regelmäßig an öffentlichen Debatten. Immer wieder vertritt Ute Frevert eine Position für Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen und zeigt die Bedeutung von Handlungs-Spielräumen und -Möglichkeiten unserer Gesellschaft auf.

Zur Person – Prof. Dr. Ute Frevert:

Ute Frevert studierte von 1971 bis 1977 Geschichte und Sozialwissenschaften an der Universität Münster, der Universität Bielefeld sowie an der School of Economics in London. Auf die Promotion im Jahr 1982 folgte 1989 die Habilitation für das Fach Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Es folgten Professuren für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin, Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz, Allgemeine Geschichte mit besonderer Berücksichtigung des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Bielefeld und eine Professur für Deutsche Geschichte an der Yale University in den USA. Seit 2008 ist Ute Frevert wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Kuratorium des Van-Leer-Jerusalem-Institute in Israel, des Stiftungsrats der Körber-Stiftung sowie Vorsitzende des Universitätsrats Konstanz.

Ernst-Hellmut-Vits-Preis

Der Ernst-Hellmut-Vits-Preis ist mit 20.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung der Universitätsgesellschaft Münster. Benannt ist er nach Ernst Hellmut Vits, dem langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der WWU. Er wird in zweijährigem Turnus verliehen. Im Wechsel wird ein Beitrag aus dem Bereich der Naturwissenschaften und Medizin sowie aus den Geisteswissenschaften gewählt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, jeder Fachbereich der Universität Münster sowie der Vorstand und das Kuratorium der Universitätsgesellschaft Münster sind berechtigt, Preisträger vorzuschlagen. Zu den Geehrten zählen Martin Hellwig, Stefan W. Hell, Renate Mayntz, Wolf Singer, Otto D. Creutzfeld, Carl Friederich von Weizsäcker und Alfred Müller-Armack.