Bürger fordern mehr Klarheit über Lidl-Ansiedlung

Zuletzt aktualisiert 9. November 2020..

Münster-Wolbeck. Als ungewöhnlich gut besuchten „Stammtisch“ mit neuen Gesichtern und manch einer überraschenden Information dürfte das Bürgerforum Wolbeck e.V. das offene Treffen vom Mittwochabend in der Gaststätte Sültemeyer vermerken. Thema war „Lidl“ – wie definitiv die Pläne einer Ansiedlung an der Hiltruper Straße seien, welche Auswirkungen auf bestehende Wolbecker Betriebe dies habe und was mit den Kindern und der Verkehrssicherheit sei.

Thema waren auch die einen Monat nach der ersten Publikation zum Thema Lidl an der Hiltruper Straße recht zahlreichen Unklarheiten und Widersprüche. Dagmar Henn bat als Vorsitzende des Bürgerforums um „Argumente für und gegen die Ansiedlung an der Hiltruper Straße“.

Bürger verärgert über Widersprüche und Unklarheiten

Mehrere Teilnehmer lasen Passagen aus Zeitungsartikeln vor. Die dortigen Aussagen, so vermerkten einige verwundert, stehen in direktem Widerspruch zu den Aussagen der CDU vom 11. August. Die am 11. August als „Gerüchte“  kritisierten Aussagen beruhen auf bis zu diesem Tag nie dementierten Zeitungsberichten, in denen als Quelle zum Teil Vertreter der CDU genannt wurden, nämlich der Vorsitzende der Bezirksvertretung Münster-Südost.

Die WN vom 13. Juli berichten nach einem Gespräch mit dem Prokuristen von Lidl: „Außerdem verkaufte die Stadt einen Teil des dahinter liegenden Schulgrundstücks, wo sich die Beachvolleyball-Anlage befindet.“ In einem Bericht vom 18. Juli heißt es dann bestätigend auf der Grundlage eines Gesprächs mit   Bezirksvorsteher Markus Lewe: „Gespräche über die teilweise ‚Annektion’ des Schulgeländes, dessen Beach-Volleyball-Anlage ebenfalls wegen Lidl weichen muss, seien schon vor zwei Jahren geführt worden. Die Beach-Volleyballer werden laut Lewe an anderer Stelle unterkommen.“ Am 11. August hieß es dann bei einer Pressekonferenz der CDU Wolbeck von Lewe und dem Vorsitzenden der Ortsunion, Dieter Horsch, es habe noch nicht einmal Verhandlungen mit der Stadt gegeben. In dieser Konferenz verteilte die CDU eine Stellungnahme gegen „Gerüchte und Aufgeregtheiten“.

Am Mittwoch zeigten sich viele Teilnehmer der Diskussion verärgert über die ausgebliebene Aufklärung.

Sorge um Sicherheit der Kinder

Eine Mutter mehrerer Kinder und Matthias Muer als Vater eines zukünftig das Schulzentrum besuchenden Sohnes zeigten Sorge über die ihrer Ansicht nach sichere Zunahme des Verkehrs in der Konzentration zweier Supermärkte und eines Discounters. Muer ist stellvertretender Vorsitzender des Bürgerforums. Auch andere Teilnehmer erwarteten „mit Sicherheit“ deutlich mehr Verkehr. Beim Aldi an der Münster-Straße lasse sich ein vergleichbares „Anlieferungs-Chaos“ schon jetzt beobachten.

Bedarf bezweifelt

Ob ein zusätzlicher Discounter nötig sei, diskutierten die Teilnehmer auch im Blick auf die neuen Wohngebiete Wolbeck-Nord, Twenhöven-Weg und die eventuelle Bebauung des Lancier-Geländes. Der Bedarf wurde ohne Gegenstimmen stark bezweifelt. Das Lancier-Gelände sei auch ein alternativer Standort für den Lidl, meinte ein Teilnehmer.

Entwarnung bei der Beach-Volleyball-Anlage auf Schulgelände

Ein Verkauf von Schulgelände-Teilen stieß auf Unwillen. Das solle doch Schulzwecken vorbehalten bleiben. Und einmal bebaut könnte man es wohl nie für Zwecke der Schüler zurückbekommen. Allerdings verwies Stefan Langer als Vorsitzender des TV Wolbeck darauf, dass die fraglichen Teile ohnehin nicht wirklich von der Schule genutzt würden. Mit einer Verlagerung der nun 13 Jahre alten Beachvolleyball-Anlage hätte der Verein auch kein Problem. Die Anlage gehört dem TV Wolbeck, das Gelände der Stadt. Es sei aber bei der Stadt kein Anzeichen zu bemerken, dass dieser Teil verkauft werden solle.

Gesprächsdefizite im Gewerbeverein?

Zur Sprache kam auch der Rückhalt des Gewerbe-Vereinsvorsitzenden. Es zeigte sich Verwunderung über dessen optimistische Stellungnahme in seinen Leserbriefen. „Ich weiß nicht, wie Herr Lutterbeck dazu kommt, soetwas zu behaupten.“ Mit betroffenen Mitgliedern des Vereins sei wohl nicht gesprochen worden, hieß es am Mittwochabend. Die Stellungnahme sei für diese ein Affront. Mehrere Mitglieder fühlten sich durch den Vorsitzenden nicht vertreten, wurde behauptet.

Die positive Stellungnahme des jetzigen Vorsitzenden sei nicht selbstverständlich. Der vorherige Vorsitzende habe bei einem früheren Vorstoß von Lidl Gesprächsbedarf gesehen, habe Kontakt unter anderem mit dem Eigentümer von Edeka Fischer aufgenommen und sich negativ ausgesprochen. Derzeit werde offenbar im Wolbecker Gewerbeverein gar nicht darüber gesprochen. Grund zur Sorge für Wolbecker Betriebe bestehe durchaus, da der Discounter viel im Non-Food-Bereich anbiete und damit in Konkurrenz zum lokalen Fachhandel trete. Der Lidl-Markt werde vielen Läden etwas wegnehmen. Es sei nicht nur Edeka betroffen.

Bürgerforum erwartet Antworten: Fragenkatalog kommt

Dagmar Henn kündigte an, einen Fragenkatalog an den Oberbürgermeister, die Politik im Ort und der Bezirksvertretung sowie den Gewerbeverein zu schicken. Muer wies darauf hin, dass die CDU ein Angebot zum Gespräch gemacht habe, dass jedoch noch konkretisiert werden sollte.

Nachtrag: Am Freitag den 18.08.2006 erreichte die Presse der folgende Fragenkatalog des Bürgerforum Wolbeck e.V.

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