Wirtschaft und Wirtschaftspolitik

Entscheidung beim Wettbewerb Stadtteilmarketing der Stadt Münster

26 Mrz , 2006  

Münster. Alle eingereichten Bewerbungen aus Münsters Stadtteilen Albachten, Hiltrup, Roxel und Wolbeck erhielten beim von Münster Marketing ausgelobten Wettbewerb „Stadtteilmarketing“ einen Zuschlag. Dabei fiel der hochkarätig besetzten Jury am Samstag in Münsters Rathaus die Entscheidung nicht leicht angesichts der guten Wettbewerbsbeiträge, die Vertreter der Stadtteile persönlich in einer Jury-Sitzung vorstellten. Im Ergebnis haben sich die drei Jurymitglieder einvernehmlich auf eine differenzierte Förderung der Bewerber verständigt. „Alle vier Stadteile haben sich mit guten und hochinteressanten Bewerbungen präsentiert. Bei allen Stadtteilen ist erkennbar, dass allseits ein hohes Interesse an der Mitwirkung der Markenbildung für den Stadtteil und der Positionierung innerhalb des Stadtgefüges besteht“, so Professor Walter Siebel von der Universität Oldenburg, Vorsitzender der Wettbewerbsjury, nach der Präsentation der Konzepte durch die Initiatoren aus den Stadtteilen. Dem Entscheidungsgremium gehörten zu-dem Professor Helmut Schneider vom Marketing Centrum Münster an der Westfälischen Wilhelms-Universität sowie Jens Imorde, Geschäftsführer des Landesbüro Stadtmarketing-NRW an. Unterstützt, jedoch ohne Stimmrecht, wurde die Jury durch Bernadette Spinnen, Fritz Schmücker, Anja Uhlenbrock (Münster Marketing), Thomas Zacharias (Wirtschaftsförderung) und Dr. Thomas Hauff (Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung).

Am Ende der vier engagierten Präsentationen, die am Samstag in Münsters Rathaus über die Büh-ne gingen, fiel die Entscheidung der Jury, die für den Wettbewerb 2006 insgesamt zur Verfügung stehenden Fördermittel in Höhe von 30.000 € vollständig aber zugleich differenziert zu vergeben. Dabei fiel das Urteil der drei Experten einhellig aus. In der Präambel ihrer Entscheidung heißt es im Wortlaut:
„Die Jury war beeindruckt von dem herausragenden Engagement und dem vielfältigen Ideenreichtum, die alle Bewerbungen gezeigt haben. Das ist der entscheidende Grund dafür, dass alle vier Stadtteile Albachten, Hiltrup, Roxel und Wolbeck Preise zuerkannt worden sind. Ein weiterer Grund liegt in der Schwierigkeit, so gänzlich unterschiedliche Bewerbungen zu vergleichen.
Die vier Stadtteile unterscheiden sich nach Größe, Tradition, städtebaulicher Situation und Organisationsgrad. Zudem sind sehr unterschiedliche Inhalte präsentiert worden. Das hat die Entscheidung der Jury im sehr positiven Sinne sehr schwer gemacht. Die Preisgelder sind gemessen an den vorgestellten Ideen gering. Die Jury hofft, dass die Preise für alle Stadtteile Anlass sind, den so viel versprechend begonnenen Prozess fortzusetzen.“

Die prämierten Wettbewerbskonzepte im Überblick:

Albachten

Inhalte

Das Organisationsteam aus Albachten hat die Musik in den Mittelpunkt ihrer Bewerbung gestellt: mehr als 20 Prozent der Albachtener musizieren regelmäßig und engagieren sich in über 15 Mu-sikvereinen und Chören oder in der Musikschule. Mit dem Slogan „macht musik in albachten“ sollen die Menschen im Stadtteil aufgefordert werden, sich aktiv und kreativ zu betätigen. Konkret geplante Projekte sind unter anderem der Aufbau eines Instrumentenpools für interkulturelle Arbeit sowie die Initiierung von Themenworkshops. Auch die Gründung einer Musikagentur ist angedacht, die den gesamten Stadtteilmarketingprozess koordiniert, Veranstaltungen initiiert, Kommu-nikationsstrukturen aufbaut und für die Vernetzung sorgt.

Bewertung der Jury:

Albachten besetzt mit „Musik“ ein eindeutiges Thema, das sehr glaubhaft durch die Gruppen und Vereine des Stadtteils repräsentiert wird. Damit setzt Albachten auf ein Potential, dass sich durch das große Engagement der Beteiligten auch für die gesamte Stadt nutzen lässt.

Mit dem Thema „Musik“ schafft es Albachten, die Beteiligung und die Kommunikation nach innen zu stärken und gleichzeitig eine eindeutige Wirkung nach außen zu erzielen. Die Jury hat den Eindruck, dass die einmalige Förderung in Höhe von 10.000 Euro eine dauerhafte Wirkung im Stadtteil entfalten wird.

Hiltrup

Für die Stadtteiloffensive „Hiltrup – alles drin“ engagieren sich Hiltruper aus Gewerbe, Kultur, Vereinen, Politik und Verwaltung. So hat sich das Team zum Ziel gesetzt, möglichst viele Men-schen aus dem Stadtteil für den Prozess zu mobilisieren. Mit kontinuierlicher Presseinformation und einer von rund 250 Hiltrupern besuchten Auftaktveranstaltung in der Stadthalle wurden vier Arbeitsfelder entwickelt (Attraktiver Einkaufsstandort, Kultur/Sport/Freizeit, Zukunftsfähiges Hiltrup und Sonderthemen). Konkrete Einzelziele und -projekte werden in den nächsten Wochen in ein-zelnen Arbeitsgruppen erarbeitet.

Bewertung der Jury:

Das Preisgeld in Höhe von 6.500 Euro für Hiltrup ist vor allem Ausdruck der Anerkennung für den vorbildlich initiierten Marketingprozess des Stadtteils. Da zum jetzigen Prozessstadium noch keine förderungswürdigen Einzelprojekte identifiziert werden konnten, sollen die Mittel für die im Antrag beschriebene Fortführung der Stadtteiloffensive verwendet werden.

Die Förderung geschieht auch in dem Bewusstsein der besonderen Potentiale Hiltrups für die gesamte Stadt Münster, die im Laufe der weiteren Konkretisierung des Prozesses systematisch herausgearbeitet werden sollten.

Roxel

„Roxel – das Annette Dorf“ – das ist das Motto auf dem die Initiativgruppe aus Roxel das Stadt-teilmarketing aufbauen will. Anknüpfend an die wohl berühmteste Roxelerin Annette von Droste-Hülshoff soll das für Roxel herausgearbeitete Profil „Kultur und Geborgenheit“ in den verschie-densten Projektideen bearbeitet werden. Neben einem geplanten Kulturprogramm (wie Literatur- und Konzertprojekte, historischem Gottesdienst oder Schreibwerkstätten), Neugestaltung des Pantaleonplatzes und Beleuchtung der Kirche sollen verschiedene Veranstaltungen (wie ein Droste-Halb-Marathon) dazu beitragen, dass die Leitorientierungen ihre praktische Umsetzung finden. Die Finanzierung basiert auf ein Merchandising-Konzept, das die Lizenzvergabe des Droste-Logos vorsieht. Gastronomiebetriebe könnten dann beispielsweise zu einem besonderen „Droste-Gericht“ einladen oder der Bäcker ein kerniges „Droste-Brot“ anbieten.

Bewertung der Jury:

Roxel hat für sein Stadtteilmarketing ein eindeutiges Thema gewählt und damit einen Markenbil-dungsprozess eingeleitet, der das Potential des Ortes nutzt. Die Leitidee „das An-nette Dorf“ ver-spricht zusätzlich zur Identifikationsstiftung nach innen auch eine Außenwirkung, die das Marken-bildungsprofil der Stadt Münster erkennbar stärkt. Besonders bemerkenswert ist im Roxeler Kon-zept, das die Jury mit 10.000 Euro dotieren will, die Merchandising-Idee, die langfristig die Finan-zierung der Maßnahmen sicherstellen soll. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt des Konzep-tes ist die schon nachweisbar gelungene Einbindung der örtlichen Wirtschaft.

Die Jury empfiehlt, die Finanzmittel zunächst in den Bereichen „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Kultur-projekte“ einzusetzen. Die Projekte „Pantaleonsplatz“ und „Lichtinstallation“ stärken die Marke „Annette-Dorf“ nicht unmittelbar. Diese Projekte sollten daher wie andere klassische städtebauliche Projekte behandelt und finanziert werden.

Wolbeck

Wolbeck setzt auf die Lebensqualität – basierend auf Kultur, Natur und Lebensart. Diese drei Schlagworte umfassen das, was die „Marke Wolbeck“ auszeichnet. Das Vorbereitungsteam, in dem sich zahlreiche Vereine und Institutionen aus Wolbeck engagiert haben, definiert Wolbeck als einen mittelalterlichen Ort mit seinem historischen Ortskern – dem Wigbold – und dem historischen Dorstenhof, mit hoher Wohn- und Lebensqualität, mit zentraler Lage innerhalb eines dichten Fahrradwegenetzes und mit breitem kulturellen Angebot des Westpreußischen Landesmuseums bis hin zur Karnevalstradition des ZiBoMo Wolbeck. Die verschiedenen Facetten Wolbecks sollen in einem „Wolbeck-Führer“ präsentiert werden. Ein Rundgang durch das historische Wolbeck, ein An-gebot für Touristen aber auch für die Wolbecker selbst, ist in Planung. Bereits jetzt finden sich die Profilmerkmale des Stadtteils wieder in dem Logo, das die Wolbecker für ihr Stadtteilmarketing entwickelt haben.

Bewertung der Jury:

Der Wettbewerbsbeitrag des Stadtteils Wolbeck konzentriert sich einerseits auf das architektonisch-historische Potential, andererseits stellt der Beitrag das Naturerlebnis und die mit dem Ziegenbock assoziierte Lebensart heraus. Damit will der Stadtteil vor allem zusätzlich touristisches Interesse wecken.

Die Jury möchte den Beitrag aus Wolbeck mit 3.500 Euro fördern, um die Realisierung des historischen Rundgangs zu ermöglichen. Mit diesem Projekt sieht die Jury sowohl die touristischen Ambitionen des Antrages bestätigt als auch die Möglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger, sich stär-ker mit ihrem Stadtteil zu identifizieren. Die Jury verbindet mit dieser Förderung die Hoffnung, dass sich in Wolbeck weitere Projekte finden, die diese gleichzeitigen Wirkungen erzielen können.

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