Vorsicht Verschwörungstheorie! Vortrag zu Münsters großen Krisen und dem Umgang mit ihnen

Vorsicht Verschwörungstheorie! Vortrag zu Münsters großen Krisen und dem Umgang mit ihnen
Ende des 19. Jahrhunderts karikierten Karnevalisten aus Münster alternative Cholera-Schutzmaßnahmen mit Hut und Riechflasche vor der Nase: „… so ausgerüstet und so versehen ist man sicher, die Cholera am ersten zu bekommen“, hieß es im Begleitte

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Date(s) - 25/11/2021
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Themenabend im Stadtarchiv widmet sich kleinen und großen Krisen in der Geschichte / Live-Stream mit Historiker Dr. Philipp Erdmann am 25. November
Münster (SMS) Die Corona-Pandemie sorgt seit geraumer Zeit für starke Belastungen. Aber Pandemien sind nichts Neues. Im 14. Jahrhundert grassierte die erste große Pestwelle. Im 19. Jahrhundert betraf die Cholera große Teile der Bevölkerung – und stets suchten die Menschen nach Ursachen und Erklärungen für Epidemien. Auch wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Umbrüche irritierten die Menschen. Beim nächsten Themenabend des Stadtarchivs am Donnerstag, 25. November, wirft Historiker Dr. Philipp Erdmann einen kleinen Blick auf Münsters große Krisen und den Umgang damit.

In der frühen Neuzeit machten Zeitgenossen vermeintliche Hexen und Zauberer für Unheil verantwortlich. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Strafte Gott die Menschen? Oder wurden sie Opfer einer Vergiftung? Auch im Zeitalter sozialer Medien, globaler Herausforderungen und rasanten Wandels hat der Glaube an geheime Machenschaften wieder Konjunktur. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Verschwörungsmythen seit Jahrhunderten immer wieder Zulauf fanden, mitunter mit tödlichen Folgen. Nach Katastrophen wie den Pestwellen im Mittelalter oder nach pandemischen Ausbrüchen im 19. Jahrhundert suchten die Zeitgenossen nach Schuldigen. In Münster fiel der Verdacht wie anderswo schnell auf die Außenseiter in der Stadt, etwa die kleine jüdische Gemeinde oder die ärmere Bevölkerung.

Doch neben unerklärlichem Unglück versteckten sich hinter Verschwörungsbehauptungen seit jeher auch politische Absichten. So lieferten Theologen aus Münster in den 1870er-Jahren mit pseudowissenschaftlichen Hetzschriften die Grundlagen für die damals neuen Formen des Antisemitismus. Und nach der Kriegsniederlage 1918 war die harsche Ablehnung der Friedensbedingungen als Argument auch bei manchen politischen Führungskräften in Münster beliebt.

Beim Themenabend des Stadtarchivs am 25. November ab 18 Uhr stehen neben berühmt-berüchtigten auch weniger gut bekannte Episoden wie die Cholera-Bekämpfung im Fokus. Anhand anschaulicher Beispiele vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert erklärt Dr. Philipp Erdmann, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv, wie Verschwörungsmythen zwar immer wieder ihre Erscheinung änderten, aber dauerhaft präsent waren.

Der Themenabend wird live im Internet übertragen, eine persönliche Teilnahme ist nicht möglich. Der direkte Zugang erfolgt online über www.stadt-muenster.de/archiv oder über www.twitch.tv/stadtarchivms.

Abbildung: Ende des 19. Jahrhunderts karikierten Karnevalisten aus Münster alternative Cholera-Schutzmaßnahmen mit Hut und Riechflasche vor der Nase: „… so ausgerüstet und so versehen ist man sicher, die Cholera am ersten zu bekommen“, hieß es im Begleittext. Abbildung und Textquelle: Stadtarchiv Münster.