Münster-Gremmendorf (agh). Zwei eng verbundenen Schulen galt am Tag des offenen Denkmals das Interesse von zwei Dutzend Besuchern: der Waldschule und der Ida-Schule. Doch manch anderer, einst als Schule genutzter Raum existiert nicht mehr. Stephanie Toparkus, Architektin und Mitarbeiterin der Städtischen Denkmalbehörde, führte am Sonntag die Besucher, die trotz des Regens neugierig gekommen waren.
Lange Schulwege und erste Pläne ab 1913
1913 zählte Gremmendorf 16 Wohnhäuser. Als die Wohnbebauung am Albersloher Weg zunahm, drängten die Bewohner die Stadt, für eine Schule, befestigte Wege und Strom zu sorgen. In Münster hielt man die Gremmendorfer hin. Was würde aus den bestehenden Schulen in Angelmodde werden? Im Jahr 1927 zählte man in Gremmendorf 38 schulpflichtige Kinder. Die Schulwege waren lang, dauerten bis zu zwei Stunden, und häufig kamen die Kinder kalt und nass an.
Neben St. Ida am Vörnste Esch entstand 1930 das erste Schulgebäude für katholische Grundschulkinder. Man nutzte es auch als erweiterten Kirchenraum, für Gottesdienste der evangelischen Gemeinde, für den Kirchenchor und für NS-Organisationen wie die Hitlerjugend, das Deutsche Jungvolk und den Bund Deutscher Mädel. Bomben zerstörten den Bau.
Die Waldschule als Bau der NS-Zeit
Die Waldschule am Erbdrostenweg nahm 1937 als paritätische Volksschule ihren Betrieb auf und war als Prototyp der NS-Schularchitektur gestaltet. Das Gebäude steht noch heute, doch der ursprüngliche Bau aus dem Jahr 1936 hatte andere Gauben, höhere Fenster, zwei Türme und eine Halle mit Bleiverglasungen, die NS-Symbole zeigten. Das Regime nutzte das Gebäude zeitweise als Unterkunft für Soldaten; die Schüler wichen in das Obergeschoss aus. Eine Bombe zerstörte 1944 den Mittelteil.
Wiederaufbau der Waldschule und Neubau der Ida-Schule
Bei Kriegsende, so Toparkus, gab es in Münster keine nutzbare Schule mehr. 1949 eröffnete die Waldschule dank großen bürgerschaftlichen Engagements wieder als Volksschule. Mehr als 430 Kinder lernten dort im Schichtunterricht. 30.000 Klinker aus der Innenstadt hatte man dafür herbeigeschafft. In der Zwischenzeit nutzte man Räume in Gaststätten.
In das baumbestandene Wohngebiet eingebettet erstreckt sich die Ida-Schule. Sie ist – abgesehen vom zweigeschossigen Kopfgebäude – eingeschossig und verfügt über eine dreiseitig von Glasfronten und Gebäudeteilen umschlossene Halle. Mangels einer Aula wurde diese zum Versammlungsort der Schule.
Offenheit und Licht prägen auch die Klassenräume, zwischen denen ein weitläufiger Hof mit inzwischen hoch gewachsenen Bäumen liegt. Die Architektur zeugt von Bescheidenheit; sie nutzt einfache, klare Baukörper und eine aufgelockerte Bauweise.
Luftbilder, Zeichnungen und Fotos ergänzten Toparkus‘ Vortrag. Wann die Ida-Schule ihren Betrieb aufnahm, möchte ein Mann wissen, der 1961 eingeschult wurde. Das war 1959/60; er war also nicht einer der ersten Schüler.



