St. Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck
Die Geschichte der St.-Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck
Die St.-Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Gemeinschaften im Münsterland. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück und verbinden christliche Nächstenliebe, bürgerschaftliche Verantwortung und lebendiges Brauchtum. Die heutige Bruderschaft entstand zwar erst 2014, ihre Geschichte beginnt jedoch viele Jahrhunderte früher.
Der ältere Teil der Tradition geht auf die Achatius-Bruderschaft zurück. Während der Pestjahre 1348 bis 1350, als der „Schwarze Tod“ auch Wolbeck heimsuchte, versprachen sich die Bürger gegenseitige Hilfe. Sie pflegten Kranke, begleiteten Sterbende und sorgten dafür, dass Verstorbene ein christliches Begräbnis erhielten. Aus diesem Versprechen entstand eine religiöse Gemeinschaft, die den heiligen Achatius zu ihrem Schutzpatron wählte. Der Gedanke gegenseitiger Unterstützung blieb über Jahrhunderte ihr wesentliches Merkmal.
Die Nikolai-Bruderschaft hat ebenfalls eine lange Geschichte. Ihre Ursprünge werden mit dem Jahr 1529 in Verbindung gebracht, als Wien erstmals von den Osmanen belagert wurde. Historische Zeugnisse wie der sogenannte Türkenschwur und alte Silberkränze deuten darauf hin, dass sich die Gemeinschaft in dieser Zeit herausbildete. Während die Achatius-Bruderschaft traditionell die älteren Männer aufnahm, war die Nikolai-Bruderschaft lange Zeit die Gemeinschaft der jüngeren Männer des Ortes.
Ein prägendes Ereignis für beide Bruderschaften war das Jahr 1535. Damals beteiligten sich Wolbecker Bürger am Kampf gegen die Täuferherrschaft in Münster. Der Überlieferung zufolge beschlossen die Mitglieder anschließend, jährlich ein Vogel- und Scheibenschießen abzuhalten. Daraus entwickelte sich das bis heute bestehende Schützenfest. Auch die Wolbecker Tradition der „Büskes“ – Blumensträuße, mit denen die heimkehrenden Schützen geschmückt werden – wird auf diese Zeit zurückgeführt.
Über Jahrhunderte blieben beide Bruderschaften eigenständig, obwohl sie ähnliche Ziele verfolgten. Mitglieder verpflichteten sich, Mitmenschen in Krankheit und Not beizustehen, Verstorbene zu begleiten und sich am kirchlichen Leben zu beteiligen. Prozessionen, Gemeinschaftsmessen und die Wallfahrt nach Telgte gehörten ebenso dazu wie die Pflege des örtlichen Brauchtums.
Im 21. Jahrhundert wurde deutlich, dass beide Gemeinschaften vor ähnlichen Herausforderungen standen. Die Zahl aktiver Mitglieder ging zurück, und die Besetzung von Ämtern wurde schwieriger. Deshalb begann 2011 ein Prozess der Annäherung. Nach mehreren Jahren Vorbereitung beschlossen die Mitglieder beider Bruderschaften auf einer gemeinsamen Generalversammlung zu Ostern 2014 den Zusammenschluss zur heutigen St.-Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck. Ziel war es, die jahrhundertealte Tradition dauerhaft zu sichern und zugleich eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.
Trotz der Vereinigung blieben viele historische Besonderheiten erhalten. Noch heute gibt es beim Schützenfest einen Nikolai-König und einen Achatius-König beziehungsweise Achatius-Kaiser. Auch die unterschiedlichen Traditionen beider früheren Bruderschaften werden bewusst gepflegt. Dadurch verbindet die heutige Gemeinschaft Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise.
Was können Männer und Frauen in der Bruderschaft tun?
Die Bruderschaft versteht sich heute als christliche und gemeinnützige Gemeinschaft, die das öffentliche und kirchliche Leben in Wolbeck fördert. Mitglieder können an Gottesdiensten, Prozessionen, Gemeinschaftsveranstaltungen und der Wallfahrt nach Telgte teilnehmen. Ebenso gehören Geselligkeit und die Pflege persönlicher Kontakte zum Vereinsleben.
Eine zentrale Rolle spielt das jährliche Schützenfest mit Vogelschießen, Festumzügen, Musik und geselligen Veranstaltungen. Wer möchte, kann um die Königswürde schießen oder Aufgaben im Offizierskorps übernehmen. Auch Kinder- und Familienveranstaltungen gehören inzwischen fest zum Programm.
Darüber hinaus können Mitglieder organisatorische Verantwortung übernehmen, etwa im Vorstand oder bei der Vorbereitung von Festen und gemeinnützigen Aktionen. Die Bruderschaft versteht sich ausdrücklich als Ort des ehrenamtlichen Engagements und der gegenseitigen Unterstützung.
Eine wichtige Neuerung wurde Ende 2024 beschlossen: Frauen können nun uneingeschränkt Mitglied werden und alle Funktionen sowie Ämter innerhalb der Bruderschaft übernehmen. Damit steht die Gemeinschaft heute allen Menschen offen, die ihre Ziele und Traditionen mittragen möchten.
So verbindet die St.-Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck bis heute mittelalterliche Wurzeln mit modernem Vereinsleben. Ihr Kernanliegen ist unverändert geblieben: Gemeinschaft zu fördern, Verantwortung füreinander zu übernehmen und das kulturelle Erbe Wolbecks lebendig zu erhalten.