Zündstoff aus fernen Landen: Drostenhof-Gäste reisten mit Musik und Text in den fernen Osten

Münster-Wolbeck. Wie rührselig: Junges Mädchen flieht vor fiesem, reichem alten Mann, verliebt sich, ruft die Rachsucht des Alten auf den Plan, doch der gedungene Mörder hat ein Einsehen und räumt den Palast des Alten aus. Ein Melodrama war die von Markus von Hagen und Gudula Rosa am Donnerstag im Rittersaal des Drostenhofes präsentierte Geschichte dennoch nicht. Eher überraschend emanzipativ und nachdenklich: Das Mädchen ist sittsam und sagt doch im entscheidenden Moment selbstbewusst Nein; der Retter ist ein Ausgestoßener der Gesellschaft, der Räuber.

Gudula Rose / Markus von HAgenDas Buch „Der alte Wang“ von Jürgen Schwendy erschien 1957 als Bilderbuch nach Originalscherenschnitten; von Hagen grub es im letzten Jahr wieder aus. Die Scherenschnitte, auf das Vierfache vergrößert, illustriertem dem Publikum das Geschehen des von von Hagen frei gesprochenen Textes. Gudula Rosa setzte mit je einem zarten Schlag auf die Zimbel den Anfangs- und den Schlusspunkt der weiten Reise in das alte China. Eine ganz besondere Zimbel: Ein chinesischer Komponist hatte sie der Expertin für asiatische Musik geschickt, als sie eines seiner Werke in Deutschland uraufführte. Scherenschnitt aus 'Der alte Wang'Mit den anderen Instrumenten, darunter die kantige Subbass-Blockflöte und der Großbass, durchweg nicht asiatisch, begleitete Rosa die Geschichte vom alten Wang, und mit der stärker solistisch eingebrachten Sopranino Hans-Christian Andersens „Die Nachtigall“. Sie untermalte hier und setzte dort Akzente, griff alte chinesische Melodien auf und improvisierte. Eine Bereicherung für das Auge: Die Puppenfiguren, die Markus von Hagen bei Charivari-Puppentheater aus Münster geliehen hatte.

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Puppen  des Charivari-Puppentheaters „Die Nachtigall“ zeigt die Verführung von Kaiser und Hofstaat durch die menschengemachte Singvogel-Maschine: Den Törichten entgeht, wie arm die technische Meisterleistung des Menschen gegenüber der Natur ist. Hauptsache, der Homo faber hat es selbst gemacht. Doch ist die Walze der Maschine erst kaputt oder steht der Tod am Bett, zeigt das Naturgeschöpf seine Einzigartigkeit, die dem Zugriff des Menschen entzogen ist. Er darf sie genießen und muss ihr nur ihr Recht lassen. Gudula Rosa und Markus von Hagen nahmen die Besucher im Drostenhof mit bezauberndem Flötenspiel und großer Sprechkunst auf eine ferne Reise zum Menschen.

Bücher:

 {amazone asins=3851951573 align=left}Hans-Christian Andersen: Die Nachtigall{/amazone}

 {amazone asins=B0000BNSDG align=left}Jürgen Schwendy: Der alte Wang{/amazone}

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