WWU Münster gibt antiken Marmorkopf an Italien zurück Archäologie-Experten klären Herkunft / Abholung durch Carabinieri / Übergabe in der deutschen Botschaft

Die Geschichte, es war das Jahr 1964, begann harmlos – und wie damals üblich. Ein Hamburger Privatmann nahm Kontakt zum Kustos des Archäologischen Museums der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) auf und bot ihm einen Marmorkopf zum Kauf an. Die Museumsleitung schlug ein, für 3.000 Mark wechselte der Kopf, den man für ein Abbild von Alexander dem Großen hielt, den Besitzer. Die Jahre vergingen, der Kopf wurde nie ausgestellt, er geriet im Magazin in Vergessenheit.

Das änderte sich vor einigen Wochen, als sich die Experten des WWU-Museums bei einer Reorganisation der Sammlung daran machten, die Herkunft des Kopfes endgültig zu klären. Mit einem spektakulären Ende: Sie stellten fest, dass der Kopf aus dem antiken Fondi seinerzeit illegal ausgeführt worden war und somit nach wie vor Eigentum des italienischen Staates ist – die Kleinstadt Fondi liegt rund 120 südöstlich von Rom. „Wir sind, nachdem wir keine schriftlichen Belege für einen legalen Erwerb finden konnten und unsere Provenienzforschung eindeutige Ergebnisse hervorbrachte, sofort auf die italienischen Behörden zugegangen, um die Rückgabe zu organisieren“, betont der Direktor des Museums, Prof. Dr. Achim Lichtenberger. Am 19. Juni werden WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels, Achim Lichtenberger und Museums-Kustos Dr. Helge Nieswandt in der deutschen Botschaft in Rom das Fundstück offiziell an den italienischen Staat zurückgeben.

Der knapp 43 Kilogramm schwere Marmorkopf gehörte ursprünglich mit einem nackten Oberkörper zu einer Statue, bei der er sich um eine idealisierte Darstellung eines jungen Mannes handelt, mit der in der Antike die Tugenden wiedergegeben wurden oder das römische Volk personifiziert wurde. Den entscheidenden Hinweis fanden die Archäologen in der Fachzeitschrift „Notizie degli Scavi“ von 1937: Ein Autor berichtet, dass Bauarbeiter in Fondi eine antike Skulptur gefunden hatten, zu der nach Überzeugung von Achim Lichtenberger „unzweifelhaft“ auch der Marmorkopf gehört.

Wie aber kam der Hamburger Privatmann an den Kopf? Niemand weiß es. Fest steht dagegen, dass damals in den Museen „eine deutlich lockerere Ankaufpolitik herrschte“, berichtet Achim Lichtenberger. Wie ernst die Italiener die Rückgabe nehmen, zeigt die Tatsache, dass zwei Carabinieri sich vor einigen Tagen mit dem Auto aus Italien nach Münster aufmachten, um den Marmorkopf sicher zu verpacken und ihn zurückzubringen – er wird in Zukunft im Archäologischen Museum in Fondi zu sehen sein.

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