Tiergarten Wolbeck

Zuletzt aktualisiert 7. März 2021 (zuerst 5. Dezember 2015).

Im Wolbecker Tiergarten, der zu den ältesten Wälder Westfalens gehört, gibt es eine besondere Naturvielfalt zu entdecken. Die Wege des Tiergartens sind rasterförmig angelegt, meist sind es typische Waldwege. Andere sind nur zu Fuß zu erschließen. An einigen Stellen führen Brücken über den Fluss „Angel“, der durch den Tiergarten fließt.

Tiergarten: Erlebnismöglichkeiten

Auch Wandern und Rad fahren lässt es sich im Tiergarten in Wolbeck.

Wandern im Tiergarten Wolbeck

Wollen Sie den Wald erkunden, so eignet sich am besten der zentrale Wanderweg, der überwiegend befestigt ist. Er ist leicht und ganzjährig begehbar.

Abwechslungsreicher gestalten sich die Wege in den Randgebieten des Waldes. Der alleeartige Fußweg auf einer Dammkrone entlang des westlichen Waldrandes bietet durch seine erhöhte Lage schöne Einblicke in den Wald. Freiliegende Baumwurzeln zwingen hier jedoch zu erhöhter Auf merksamkeit.

Ein kürzerer, ebenfalls interessanter Weg führt entlang des schilfreichen Gewässers „Walter“ und vorbei an kleinen Auenwäldern am Bach Angel bis zum Hof Markfort. Immer wieder schweift hier am Waldrand der Blick hinaus auf Weiden, Felder und Kopfweidenreihen.
An den Wegen stehen vereinzelt Hinweistafeln zu Pflanzen und Tieren.

Naturlehrpfad Tiergarten digital

Möchten Sie im Tiergarten Orte ansteuern, wo sie etwas über die Angel erfahren, über Fledermäuse oder Eichenwälder? Ein auch digital verfügbarer Naturlehrpfad macht es möglich. Erstellt hat ihn die NABU-Naturschutzstation Münsterland. Hier geht es zum Naturlehrpfad durch den Tiergarten in Wolbeck auf einer Google-Map.

Naturlehrpfad im Wolbecker Tiergarten: Digital

Radfahren im Tiergarten

Die Wirtschaftswege des Tiergartens sind auch mit dem Rad befahrbar. Für eine größere Tour ist die landschaftlich reizvolle 100-Schlösser-Tour entlang des Flüsschens Werse von Angelmodde über Albersloh und Rinkerode nach Drensteinfurt zu empfehlen. Quelle: Faltblatt „Wolbecker Tiergarten“, Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen, www.loebf.nrw.de.

Foto-Impressionen aus dem Tiergarten

Geschichte des „Tiergartens“ in Wolbeck

Seit September 2004 ist der Tiergarten in Wolbeck offiziell als sog. „FFH- Naturschutzgebiet“ ausgewiesen („Flora, Fauna, Habitat“). Anlass genug, einen Blick auf die Geschichte dieses Waldes zu werfen.

Vom Rest eines Urwaldes zum Jagdrevier des Bischofs

Der Tiergarten ist der Rest eines Urwaldgebietes. Als die Fürstbischöfe Münsters in Wolbeck auf dem Schloß oder „Amtshaus“ residierten, diente der Wald als bischöfliches Jagdrevier. Schon Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zu Gracht (1707 – 1718) ließ 1712 im Tiergarten ein Jagdschlösschen bauen. Sein Nachfolger Bischof Clemens August Herzog von Bayern (1719 – 1761) ließ einen Kreuzweg schlagen und mit Wall und mit Graben umgeben.

Tiergarten: Hege und Pflege

Diese Einzäunung umfasste auch den Teil des Waldes, der durch die Angel abgetrennt war, das „Kellingholz“. Dort, wo die Einzäunung den Waldbach durchschnitt, waren „Klappen“ angebracht, die vom fließenden Wasser bewegt wurden, ohne es zu stauen. Das Wild konnte somit auch dort den Wald nicht verlassen. Aus dieser Zeit stammt wohl der Name „Tiergarten“. Bischof Clemens August I. war leidenschaftlicher Jäger.

Pflege von Wild und „Tiergarten“

Zur Pflege des Wildes war ein Wildhüter angestellt, der die etwa 100 Hirsche und 500 Wildschweine fütterte. Der Wildhüterkotten – später Hof Hengstebeck und dann Hof Markfort -, lag am Ende des östlichen Kreuzweges. Dieser Hof diente auch zum Abschießen des Wildes, das dem Bischof bis unter das Fenster zugetrieben wurde. Nachdem der Nachfolger des Fürstbischofs Clemens August I., Maximilian Friedrich Graf von Königsegg 1767 das im siebenjährigen Krieg beschädigte Wolbecker Schloss abbrechen ließ und Wolbeck als Residenz aufgab, übernahm 1783 Clemens August Elberfeld die Instandsetzung des Tiergartens, der Einzäunung und die Anpflanzung einer Apfelallee sowie die Fütterung des Schwarz- und Rotwildes und der Rehe.

Säkularisation: der Tiergarten fällt an Preußen

Aus dem 18. Jahrhundert ist überliefert, dass zu jener Zeit die letzten Störche in Wolbeck auf einer Eiche im Tiergarten genistet haben sollen. 1803 starb Clemens August Elberfeld und wurde in der Nikolai-Kirche beigesetzt. Im selben Jahr erfolgte die „Säkularisation“, d.h. die staatliche Einziehung von Kirchengut. Das fürstbischöfliche Eigentum und somit auch der Tiergarten fiel an das Königreich Preußen. Dieses sandte als ersten königlich preußischen Oberförster den in Cleve stationierten Forstbeamten Hollweg nach Wolbeck, der das Jagdhaus im Tiergarten bezog.

In jener Zeit war der preußische General Blücher (1742-1819) Militärgouverneur in Münster. Auch er liebte die Jagd und machte mit seinen Offizieren dem Hochwild ein Ende. Danach wurde die Einzäunung abgebrochen. Damit sich im geschichtsträchtigen Tiergarten die Tier- und Pflanzenwelt heute ungestört entwickeln kann, bittet die Forstverwaltung darum, die aufgestellten Schilder zu beachten.

Der Tiergarten als Wald

Wie nur wenige Wälder im Münsterland ist der Wolbecker Tiergarten schon seit Jahrtausenden mit Eichen, Buchen und Hainbuchen durchgängig bewaldet. Holzeinschlag, Wildhege, Jagd und Mast von Hausschweinen waren jahrhundertelang die Hauptnutzungen dieses zu den Ländereien des ehemaligen Schlosses Wolbeck gehörenden Waldes und prägten das Bild des Tiergartens.

Heute ist der ca. 288 ha große Mischwald für die Bewohner der Stadt Münster ein beliebtes Naherholungsgebiet. Zahlreiche alte, erhabene Baumgestalten von Eichen und Buchen, darunter einige bereits absterbende mehrhundertjährige Exemplare, zeugen von der langen Geschichte dieses Waldes, „Tiergarten“ genannt.

Alt- und Totholz, in vielen Wäldern nur noch selten zu finden, ist im Tiergarten noch reichlich vorhanden und vermittelt beeindruckende Waldbilder, wie sie sonst in unseren heutigen, durch die moderne Holzwirtschaft geprägten Wäldern kaum noch anzutreffen sind. So können hier viele Höhlenbrüter und andere holzbewohnende Tiere, die sogenannte „Totholzfauna“, aber auch niedere Pflanzen leben.

Quelle: Faltblatt „Wolbecker Tiergarten“, Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen, www.loebf.nrw.de. Mit freundlicher Genehmigung der Pressestelle.

Flora und Fauna des Tiergartens

Die wohl kompetenteste Quelle zum Lebensraum Tiergarten, den Pflanzenarten und Tierarten von der Breitflügelfledermaus bis zur gebänderten Prachtlibelle ist eine Seite des NABU zum Wolbecker Tiergarten.

Beiträge zu Ereignissen in und um den Tiergarten Wolbeck

Beiträge zum Tiergarten in Wolbeck

Lektüre zum Tiergarten Wolbeck

https://www.natur-erleben-nrw.de/natura-2000/regionen-und-gebiete-in-nrw/details/wolbecker-tiergarten/

Faltblatt „Wolbecker Tiergarten“, Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen, www.loebf.nrw.de.

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