Wohnraum, Mobilität und Hindernisse in Südost

Wohnraum, Mobilität und Hindernisse in Südost
Blick von der Empore auf die Bühne für die Band - u.a. Hasso & Henry. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 24. Januar 2022 (zuerst 22. Januar 2022).

Neujahrsempfang des Bezirksbürgermeisters listet Projekte und Probleme von Gremmendorf bis Wolbeck

Münster-Gremmendorf. Beim Neujahrsempfang Münster-Südost prägten die Fragen von Wohnraum und Mobilität das Gespräch. Stadtbaurat Robin Denstorff und der Architekt Manuel Böwing waren Gäste von Bezirksbürgermeister Peter Bensmann, der auch Fragen aus dem Chat-Raum des Online-Streams stellte.

6000 weitere Einwohner in Südost, ein Plus von über 20 Prozent – nach dieser Schätzung des Stadtbaurats wundert die lange Liste der Infrastruktur-Projekte nicht. Eine neue Grundschule im York-Quartier, eine weiterführende auf dem Westfalengas-Gelände, auch hier eine von etlichen neuen Kitas. Für die reaktivierte WLE soll der Südosten vier Haltepunkte erhalten; es werde eine Bürgerbeteiligung geben, damit diese Bausteine fertig seien, wenn die WLE in Betrieb geht. Das Datum ist offen.

Der Zuwachs an Bevölkerung: „Münster ist darauf hervorragend vorbereitet“, so Denstorff „wenn wir schlau sind“, vorausschauend planen. Beispiel: Wo ein Wohngebiet, da eine Kita. So für die 450 Wohneinheiten im Norden des York-Quartiers.

Wohnraum und Wohnen in der Zukunft in Südost

Bezahlbarer Wohnraum – was seien für Südost die konkreten Rezepte?, speist Bensmann eine Frage ein. Das solle man nicht dem Zufall überlassen, so Denstorff, sondern nach Größe und Art des Bedarfs fragen, etwa der Barrierefreiheit. Alternativen könnten manches Einfamilienhaus freiziehen, in das dann z.B. die Familie mit drei Kindern einziehen könne. Die Stadt Münster könne Flächen kaufen und beim Weiterverkauf auch „festlegen, wie hoch der Preis des Wohnens“ ist. Denstorff wünschte Wohnraum für Menschen am unteren Ende der Einkommensskala: „Das ist jede Anstrengung wert.“  „Gibt es überhaupt noch Wohnberechtigungsscheine?“, fragt Bensmann. Böwing erinnerte daran, dass ausgelaufene Bindungsfristen die Anzahl der Sozialwohnung gegenüber 1991 fast halbiert haben.

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Weit in die Zukunft des Wohnens blickte Manuel Böwing vom Architekturbüro „Fourmove“. „Smarte“ Quartiere knüpften viele energetische Einheiten zum Einsparen von Energie, es werde „elementiertes Bauen“ geben mit extremer Vorfertigung, dessen Elemente man „wie Puzzleteile nur noch zusammenbauen“ müsse.

Mobilität in Münster-Südost mit Problemen vom Albersloher Weg bis Wolbeck

„Baustellen“ bei der Mobilität hat Südost an beiden Enden. Der Albersloher Weg: „So wie er jetzt ist, ist er nicht gut“, so Denstorff. „Kleine Schritte“ stellte Bensmann für die Ortskern-Umgestaltung in Wolbeck in Aussicht, hier dürfe man die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Die neue Ratsmehrheit habe die Eschstraße als Zubringer der Ortsumgehung gestoppt. Die WLE „steht irgendwann an“, so Bensmann. Denstorff bejahte klimaneutrales, bezahlbares Bewegen, und das sicher und stadtverträglich, finanziell abgewickelt über eine Mobilitäts-Flatrate.

Begonnen hatte Bensmann mit einem Rückblick. Die Zahl der Termine habe 2021 207 betragen – eine vermutlich für die meisten Bürger überraschend hohe Zahl. Gezählt wurden Ortstermine, Diskussionen, Sitzungen, Jubiläen, Feiern „und vieles mehr“.

Viel bleibt offen oder vage

Angeschnitten sah sich das Thema der Nutzung des Gasometers am Albersloher Weg, Neues kam dann aber doch nicht. Oberflächlich berührt wurde die Frage der Ortskerngestaltung in Wolbeck. Dass die Option Eschstraße für Jahre keine mehr ist, war bereits klar. Blieb da keine Option mehr als etwas „hübsch“ zu gestalten? Keiner erwähnte eine veränderte Verkehrsführung oder eine Fahrbahnverengung oder auch nur die Minimallösung von Fahrbahnmarkierungen, die speziell Autofahrer ein Umfahren des Ortskerns nahelegen würden.

Architekt Böwing erwähnte unter anderem das Konzept von „Service-Apartments“, die   man sich womöglich ähnlich vorstellen kann wie die Konstellation der Tagespflege im Achatius-Haus. Aber was setzt ein „Service-Apartment“ baulich voraus? Wenn es bauliche Voraussetzungen hat: Müsste dies nicht in die Planung der gegenwärtig in Erschließung befindlichen Baugebiete einfließen? Oder kann man das nachholen?

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Verstädterung: „Tolle Chance“ oder Problemverstärker in einer handlungsunfähigen Stadt?

Etwas seltsam konnte anmuten, dass offensichtlich miteinander verbundene Themen nicht gemeinsam in den Blick kamen, sondern später und separat. Da wurde mehrfach als „tolle Chance“ bezeichnet, das Münster eine wachsende Stadt sei. Da drängt sich die Frage auf Kopf, ob denn eine Straße wieder arbeitsloser Weg dringend verändert werden muss. Ebenso drängt sich die Frage auf, ob man den überhaupt zukunftstaugliche Optionen für eine Ortsdurchfahrt wie die in Wolbeck hat? Wenn man sie aber nicht hat, und diesen Anschein hat auch der Neujahrsempfang vermittelt, ist dann das Wachsen Münsters solch eine „Chance“? Oder spitzt er Probleme in einer nicht handlungsfähigen Stadt zu? Muss man unter solchen Rahmenbedingungen diesen Trend noch fördern?

Dass die Stadt und ihre Verwaltung sich womöglich überlastet oder „verzettelt“, das hat auch ein Kommentator der WN unlängst geäußert.

Neujahrsempfang 2022 für Münster Südost digital und mit Musik

Dreierlei Musik reicherte den Empfang an, die Musikschule Wolbeck war mit Aufzeichnungen von Kpanlogo und der Bigband dabei, dazu der Gastgeber der Location selbst: „Hasso & Henry“ hatten ihre Stücke am Vortrag in der urig-kreativen Eventhalle und Kunst-Werkstatt am Höltenweg aufgezeichnet. Etwa 120 Interessierte verfolgten die Übertragung; das Video bleibt ein Jahr lang online.

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