Wie Brahms in Münster aufgenommen wurde

Wie Brahms in Münster aufgenommen wurde
Liselotte Folkerts in Wolbeck vor einen Fachwerkhaus. Foto: A. Hasenkamp.

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Zuletzt aktualisiert 11. Dezember 2015 (zuerst 24. Mai 2007).

Münster-Wolbeck. Wie ein moderner Komponist in Münster erst auf Ablehnung, dann nach etlichen Jahren auf Gegenliebe  stieß, dass konnten die Gäste des AWO-Treffs in Wolbeck am Donnerstag beim Vortrag von Liselotte Folkerts mitverfolgen. Über seinen Freund Julius Otto Grimm kam Johannes Brahms 1862 zum ersten Mal in die „kulturelle Provinz“, die nach Folkerts Sicht „wohl kaum aufgeschlossen war für einen schwierigen zeitgenössischen Komponisten“.

Vor allem Grimm ist zu verdanken, dass Brahms vier Mal Münster als Pianist oder Dirigent auftrat und Münster zu den ersten Städten gehörte, die Werke von Brahms aufführten.
Über Münster selbst sind keine Bemerkungen oder Anekdoten Brahms’ erhalten, so Folkerts.

Aufgeführt wurde zunächst im Saal des Hotels „Gerbaulet“ am Prinzipalmarkt, später im Festsaal des Rathauses. Zunächst war Münster wenig aufgeschlossen, erzählt Folkerts. 1863 wagte Grimm die Aufführung der D-Dur-Serenade. Danach soll ein Vorstandsmitglied des münsterischen Musikvereins handgreiflich geworden sein: „Wie können Sie es wagen, uns solche Musik vorzusetzen!“ 1865, beim 8. Vereinskonzert, fand die moderne Musik aber positive Beachtung. 1869 wurde ein weiteres Werk Brahms nur eine Woche nach der Uraufführung in Münster gespielt. Doch der Rezensent des „Westfälischen Merkur“ schrieb einen Verriss, in dem von „Lärm-Musik“ die Rede war. Folkerts verzichtete darauf, dem Publikum Hörproben zum Vergleich zu gönnen.

Das  Lied „Gang zum Liebchen“ sah seine Uraufführung 1864 in der westfälischen Hauptstadt. Doch erst nach 1870 freundete sich das münsterische Publikum mit der Musik des Wahl-Wieners richtig an, so Folkerts. Es kursierte das Bonmot: „Was ist der Unterschied zwischen einem Reichsbahnbremser und dem münsterischen Musikverein? Nun, der eine bremst, der andere brahmst.“  Bei seinem vierten und letzten Auftritt in Münster erhielt Brahms auch außerhalb des Konzerts Ovationen. Zu Gast war Brahms in Münster auch in der Villa Kiesekamp in der Hüfferstraße. Brahms hatte die Sängerin und Dichterin Hedwig Kiesekamp über Grimm kennen gelernt.

Dem Münsteraner Sänger und Organist der Apostelkirche schenkte Brahms einen wertvollen Taktstock. Weniger Freude hatte der Pianist Brahms an den in Münster verfügbaren Flügeln.
Zum Thema Brahms in Westfalen kam die Juristin und Buch-Autorin Folkerts, die 2006 ein Buch über Heinrich Heine und Westfalen vorlegte, über ihren Vater, der ihr Material über Brahms hinterlassen hatte. In Münster-Hiltrup wurde 1975 eine Straße nach dem deutschen Musiker benannt.