Wider das Zerrbild des „fremden Mannes“ "Männerfrühstück" in der Friedenskirche differenziert Blick auf „Männer und Flucht“

Zuletzt aktualisiert 2. Mai 2016 (zuerst 25. April 2016).

Münster-Wolbeck. Von wegen „Frühstück“: Das „Männerfrühstück“ im Saal der Friedenskirche ist Gespräche und Seminar, verbindet Vortrag und viel Gelegenheit zum Gespräch im kleinen Kreis und im Plenum. Freilich am Frühstückstisch. Am Samstag besprachen 20Männer das Thema „Männer auf der Flucht“, begleitet von Moderator Uwe Hartmeier vom Institut für Kirche und Gesellschaft, dem Referenten Daniel Bugiel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Feministische Theologie und Genderforschung, und Pfarrer Hartmut Hawerkamp, Synodalbeauftragter für Männerarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Münster. Er bereitet die Treffen mit einem vierköpfigen Team vor.

Den Kern von Bugiels Anliegen ist ein Aufruf, differenziert hinzuschauen. So auf die Ereignisse von der Sylvesternacht in Köln. Die Staatsangehörigkeit der bislang Tatverdächtigen ist nicht ganz so, wie es hängenblieb, sagt Bugiel: „Neun Algerier, acht Marokkaner, fünf Iraner, vier Syrer, zwei Deutsche sowie ein Iraker, ein Serbe und ein US-Amerikaner.“ Es gebe eine „höchst seltsame Allianz“ zwischen einem Feminismus à la Schwarzer und „antifeministischen Rechtspopulisten“. So lud Bugiel zum Gedanken-Austausch ein: „Wie kriegen wir es hin, hinter das Zerrbild, hinter das Vorurteil zu schauen, und die Männer, die wir dahinter verbergen, nicht dämonisierend, auch nicht glorifizierend, sondern eben als Menschen in einer bestimmten, durch Flucht und Vertreibung gekennzeichneten Lebenssituation in den Blick zu nehmen?“ In „manchen Milieus“ hätten „manche Männer ein tiefgreifendes Problem mit der Gleichberechtigung“, man solle aber nicht „auf ein generalisierendes „Islam-Macho-Stereotyp“ hereinfallen, das zur Wirklichkeitsbeschreibung eben auch nichts taugt“.

Nötig sei ein anderes Männerbild, nicht die Abwertung des Männlichen, die an der Schwelle zur Moderne, um das Jahr 1800 herum, vorgenommen worden sei – von Männern. Das habe sich fortgesetzt als präventives Misstrauen in der Ansicht, alle Männer seien „potenzielle Vergewaltiger“.

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Unzureichend sei eine Geschlechtertheorie in Kategorien nur von Täter und Opfer, Macht und Ohnmacht, zitiert Bugiel eine Theologien, Regina Ammicht-Quinn: Männer stellten „drei Viertel aller Suizidanten; ihre Lebenserwartung ist um acht Jahre geringer als die der Frauen, sie erkranken fünf Mal häufiger an Herzinfarkt und drei mal häufiger an Lungenkrebs“. Im Blick auf geflüchtete Männer stellte Bugiel fest: „Jene Männer wünschen sich sehnlichst eine Integration in den Arbeitsmarkt.“
Die Männer diskutierten besonders den Blick auf den Islam. Verbreitet, so Bugiel, sei das Bedürfnis, fundamentale Unterscheidungen anhand der Religion zu treffen“. Die Rolle der Religion im Leben muslimischer Männer in Deutschland sei sehr unterschiedlich.

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