Weihnachtsoratorium mit Strahlkraft in der Apostelkirche Klaus Vetter dirigiert zum elften und letzten Mal Bachs Meisterwerk

Chor und Orchester im Altarraum der Apostelkirche zu Münster.
Klaus Vetter, Fanie Antonelou, Johanna Rademacher, Nils Giebelhausen und Dominik Wörner vor dem Barockorchester "Le Chardon" und der Kantorei der Apostelkirche. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster. Zum Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs füllte sich am Samstagnachmittag die Apostelkirche. Ausverkauft war sie; zusätzliche Stühle waren aufgestellt, auf der Empore saß jemand auf der Treppe, ins Hören versunken, andere standen trotz freier Stühle, um auch etwas vom Geschehen zu sehen bei der Aufführung mit, zum elften und letzten Mal, Klaus Vetter. Der Kantorei an der Apostelkirche stand das Barockorchester „Le Chardon“ zur Seite; vier Solisten komplettierten das Aufgebot. Tenor Nils Giebelhausen leitete ruhig als Evangelist; fein und kräftig füllten Johanna Rademacher den Alt, Fanie Antonelou den Sopran, Dominik Wörner den Bass.
Besonders dicht wirkt der Ausdruck in den Chorälen, im Singen des Chores. Da ist jedes Wort greifbar und jeder Kontrast und Gegensatz ausgedeutet, vom „schönen Fürstensaal“ zur „finstren Grube“, das Blinken des Gnadenstrahls. Dafür ist Zeit, dahinein strömt Kraft. Mit ihr füllt der Chor auch in der dritten Kantate die Worte, besonders beim „Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud“ mit großer, aber nicht strapaziös erscheinender Dynamik. Der Chor meistert ebenso den langen, anspruchsvollen Beginn der fünften Kantate, der Länge zum Trotz bewahrt er Präzision und Dynamik. Auf diese Dichte angesprochen sagt Vetter nach dem Konzert: „Ja, das ist schon etwas Besonderes“. 31 Jahre arbeitet er nun mit der Kantorei an der Apostelkirche,
Sehr gelungen, da klar in der Aussage, ist das Instrumentalspiel. Für die sinfonischen Anteile gilt dies wie für das solistische Begleiten einer Stimme. Etwa das Einsetzen der Geige, die den Eindruck stützt und pointiert, wenn der Alt fragt: „Warum wollt ihr erschrecken?“
Insgesamt gelingt so die Einheit der sechs Kantaten, das Erhalten des Spannungsfadens im mit Pause gut dreistündigen Ereignis in der kühlen Apostelkirche, vom Brausen zum lyrisch Betrachtenden der Seele, vom Appell zum Jauchzen bis zum Schmettern der Engel. Applaus und persönliche Gratulationen belohnten Chor, Orchester und Solisten.
Der aus dem Amt scheidende Kantor freute sich sichtlich über das Gelingen des geistlichen Konzerts. „Ja, das war mein letztes“, bestätigte Klaus Vetter. Eingeschlossen war da das am Sonntag noch bevorstehende Konzert zum Mitsingen, bei dem ihn das Engagement des Publikums viel bedeutet.

(Visited 9 times, 1 visits today)
Zum Thema.:  PickUp rockt gut Tausend im Mühlenhof

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*