Münster-Wolbeck (agh). „Bin ich rot?“, fragt der Buntspecht. „Ein kleines bisschen“, antwortet seine Mutter. Mit solchen Rollenspielen begann ein Vormittag Waldpädagogik im Tiergarten Wolbeck: Rund 20 Kinder, organisiert vom Familienzentrum Wolbeck und größtenteils aus dem Kindergarten St. Nikolaus, erkundeten gemeinsam mit Ruth Vögeling und Waldpädagoge Thomas Diepenhausen den Wald an der Alverskirchener Straße. Vögeling empfing die Gruppe auf dem Parkplatz, bevor es für die Kinder ohne Umwege direkt in den Wald hineinging – die „Ameise“ und der „Buntspecht“ waren an diesem Vormittag genauso gespannt wie alle anderen Kinder, was sie wohl im Wald erwarten würde.
Tier-Rollenspiel und Lebensraum-Suche
Diepenhausen, Forstwissenschaftler und Waldpädagoge, brachte die Kinder gleich zum Nachdenken: Jedes Kind bekam ein Tier-Foto auf den Rücken geheftet und musste durch gezielte Fragen herausfinden, ob es Wolf, Ameise, Eule oder Buntspecht war – die „Ameise“ und der „Buntspecht“ stellten sich dabei als blonde Kinder heraus, was für viel Gelächter sorgte. Anschließend breitete er ein bemaltes Tuch auf dem Waldboden aus, das einen Wald von den Wurzeln über Höhlen und Laub bis zu den Baumkronen zeigte. Die Kinder ordneten ihre Tier-Fotos den passenden Lebensräumen zu – eine spielerische Einführung in Ökologie, wie sie in der Waldpädagogik im Tiergarten typisch ist und auch ohne Vorwissen sofort verständlich wurde. Gerade dieser spielerische Zugang unterscheidet Waldpädagogik von klassischem Sachunterricht: Die Kinder lernen Begriffe wie Lebensraum oder Nahrungskette, ohne dass ihnen jemand ein Arbeitsblatt in die Hand drückt.
Waldregeln pantomimisch erklärt
Während die Kinder ein Bewegungsspiel spielten, drückte Diepenhausen den Eltern Zettel mit Waldregeln in die Hand, die sie pantomimisch vorführen sollten: keinen Lärm machen, keine Tiere töten, keine Nahrung zerstören. Die Kinder erkannten die Regeln schnell – ein Lerneffekt, der ganz ohne erhobenen Zeigefinger auskam und die Eltern gleich mit ins Lernprogramm einband. Erst danach ging es an die eigentliche Erkundung: mit Lupen, transparenten Plastikbechern und Pinseln, um kleine Tiere zu untersuchen, ohne sie zu verletzen. Diepenhausens Warnung galt vor allem den behaarten Raupen, von denen die Kinder lieber die Finger lassen sollten – ein praktischer Hinweis, der zeigt, wie viel Detailwissen in einer guten Waldführung steckt.
Käfer, Kellerasseln und ein scharlachroter Fund
An Baumstümpfen und unter Rinde wurden die Kinder fündig: Kellerasseln, Regenwürmer und Käfer kamen zum Vorschein, Diepenhausen selbst entdeckte die Larve eines scharlachroten Feuerkäfers, die für staunende Gesichter sorgte. Für ihn ist der Tiergarten nicht nur Schauplatz für Schulgruppen, sondern vor allem für Geburtstagsfeiern: Über die Waldschule Münsterland führt er täglich ein bis zwei Geburtstags-Kindergruppen in den Wald, ein Format, das bei Familien aus der ganzen Region beliebt ist. Bei Schulprojekten zur Waldpädagogik im Tiergarten sind es vor allem Grundschulen, die anfragen – weiterführende Schulen seltener, was Diepenhausen mit dem stärkeren Bedarf an Naturerfahrung im Grundschulalter erklärt. Für das Familienzentrum Wolbeck war es nicht der erste Ausflug dieser Art, doch gerade die Kombination aus Bewegungsspiel, Rollenspiel und eigenständiger Forschung kam bei den Kindern des Kindergartens St. Nikolaus besonders gut an.
Fazit
Aktiv, gut gelaunt und mit neuem Wissen über Waldregeln zogen die Kinder am Ende des Vormittags wieder Richtung Kindergarten. Waldpädagogik im Tiergarten Wolbeck zeigt, wie sich Naturerfahrung und Bildung für die Kleinsten verbinden lassen – ganz ohne Klassenzimmer und mit viel Raum für eigene Entdeckungen. Für Familienzentrum und Kindergarten war der Vormittag zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie wenig Material es für nachhaltigen Lerneffekt braucht – Lupe, Pinsel und ein bisschen Geduld reichten völlig aus. Wer selbst eine Waldführung für Kindergarten oder Schule organisieren möchte, findet weitere Hinweise und Ansprechpartner auf wolbeck-muenster.de.
Weiterführender Link: Tiergarten Wolbeck