Von Wollongong nach Wolbeck: Australische Schülerin tauscht Swimmingpool mit Weihnachtsmarkt

Zuletzt aktualisiert 13. April 2016.

Münster-Wolbeck. Daheim würde Rachael zu Weihnachten nach der Bescherung an den Swimmingpool gehen. Doch jetzt ist  die siebzehnjährige Australierin in Wolbeck, beim zweiten Teil eines Schüleraustausches. Karl-Heinz Decker vom Gymnasium Wolbeck macht  es seit einigen Jahren möglich; auch Freunde von Rachael waren schon hier.

Zwei Monate war die 15-jährige Gymnasiastin Jule Wild in Australien, wo die Wolkenkratzer großen Eindruck bei ihr hinterließen. Unter 50 Stockwerken gibt es kaum etwas in Sidney, präzisiert Rachael Waine, die Mitte November in Deutschland einflog. Ihre Familie wohnt in Bowral in den den Highlands, anderthalb Stunden entfernt von Sidney – eine für australische Dimensionen kurze Strecke. Früher wohnten sie in Küstennähe in Wollongong, wo Hai-Netze normal sind. In den Highlands gibt es Gefährlicheres, nämlich die „brown snakes“, eine der tödlichsten Schlangen der Welt, die sich auch zwischen den Häusern mit den dort üblichen großen Gärten wohlfühlen und gern sonnen. Man müsse eben schnell ins Krankenhaus.

In Wolbeck ist für sie eher der Straßenverkehr gefährlich, wenn man sich noch nicht auf den Rechtsverkehr eingestellt hat, erzählt Jule. Radfahren kann Rachael dagegen, was in ihrer hügeligen Heimat nicht selbstverständlich ist. Da ist das Rad eher Sportvehikel für wenige als ein normales Fortbewegungsmittel; MTB und BMX gibt es, so was wie Hollandräder nicht. Damit fährt sie jetzt zum Gymnasium. Recht eng gehe es in Wolbeck zu; sowas wie in der Eschstraße, wo wegen der Bauminseln immer ein Auto warten muss, das gebe es dort nicht. In Australien hat sie die gerade Highschool abgeschlossen, erwartet täglich die Resultate, hier hilft sie im bilingualen Unterricht, wenn es um Aussprache oder Ausdruck geht, in den Jahrgangsstufen 7 und 13. Die Essais seien schwierig – die deutschen Schüler schrieben aus einer anderen Perspektive. Im Vorgriff auf ihr Studium – sie wünscht sich eine Kombination aus Jura und Psychologie – besucht sie auch die Vorlesung „English Law“ an der Universtität Münster.

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Sie will aber Radio-Moderatorin werden – beim Sender „Highland FM“ praktiziert sie schon.„I like it better than Sidney“: Begeistert ist sie in Münster von den alten Gebäuden, besonders der Lamberti-Kirche, und den Weihnachtsmärkten. Beim Wolbecker Weihnachtsmarkt half sie als Glücksfee. Gerade hat sie ihren Aufenthalt verlängert und ihr Visum ausgereizt: Erst am Abend des ZiBoMo-Umzugs besteigt sie den Flieger für den 24 Stunden dauernden Rückflug. So begeistert hätten ihr viele vom Karneval erzählt, da habe sie verlängern müssen. Im Dirndl wird sie gehen, Jule als Australier.Die Leute seien nett in Wolbeck, viele bemühten sich mit dem Englischen, andere brächten ihr ein wenig Deutsch bei. Ein Jahr lang hat sie es in Australien gelernt. Die Deutschen seien eher nervös und etwas schüchtern, wenn sie Englisch sprächen. Dabei könne sie sie ganz gut verstehen.